Wie viel Kaffee darf man trinken, ohne das Herz zu schädigen: Die Antwort der Kardiologen

Quelle: Unsplash/CC0 Public Domain

Die meisten Erwachsenen können bis zu 400 mg Koffein pro Tag zu sich nehmen, ohne dass sich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen merklich erhöht. Zu diesem Ergebnis kamen Experten der American Heart Association, die aktuelle Studien zu Kaffee, Koffein und Herzgesundheit ausgewertet haben.

Das entspricht etwa drei bis fünf kleinen Tassen normalem Kaffee mit einem Fassungsvermögen von etwa 240 ml. Diese Umrechnung ist jedoch sehr grob: Eine große oder besonders starke Portion aus einem Café kann so viel Koffein enthalten wie mehrere Tassen zu Hause.

Der Richtwert von 400 mg ist nicht für jeden geeignet und stellt kein empfohlenes Ziel dar. Koffein kann Herzklopfen verursachen, den Blutdruck vorübergehend erhöhen, Angstgefühle verstärken und den Schlaf stören. Die Reaktion hängt vom Alter, der genetischen Veranlagung, der Einnahme von Medikamenten und dem Gesundheitszustand ab.

Details

Die American Heart Association hat eine wissenschaftliche Stellungnahme veröffentlicht, die sich mit den Auswirkungen von Koffein auf den Blutdruck, den Cholesterinspiegel, den Herzrhythmus sowie das Risiko für Schlaganfälle, Herzinsuffizienz und andere Erkrankungen befasst.

Es handelt sich hierbei nicht um eine neue klinische Studie, sondern um eine Übersicht über bereits veröffentlichte Forschungsarbeiten. Die Experten kamen zu dem Schluss, dass ein moderater Konsum von koffeinhaltigem Kaffee bei den meisten Erwachsenen in der Regel das kardiovaskuläre Risiko nicht erhöht.

Einige Beobachtungsstudien bringen sogar zwei bis vier Tassen Kaffee pro Tag mit einer geringeren Häufigkeit von Schlaganfällen, ischämischer Herzkrankheit, Herzinsuffizienz und Typ-2-Diabetes in Verbindung. Dies beweist jedoch nicht, dass gerade der Kaffee diese Erkrankungen verhindert.

Menschen, die mäßig Kaffee trinken, können sich hinsichtlich Ernährung, körperlicher Aktivität, Einkommen, Rauchverhalten und allgemeinem Gesundheitszustand von anderen unterscheiden. Zudem könnte die mögliche positive Wirkung nicht auf das Koffein, sondern auf andere im Kaffee enthaltene Substanzen zurückzuführen sein.

Daher raten Kardiologen davon ab, zum Schutz des Herzens mit dem Kaffeetrinken zu beginnen oder die Kaffeemenge zu erhöhen.

Wie viele Tassen entsprechen 400 mg?

In normalem, aufgebrühtem Kaffee kann der Koffeingehalt etwa zwischen 9,4 und 20,6 mg pro 30 ml liegen. Eine Tasse mit einem Fassungsvermögen von 240 ml kann somit zwischen 75 und 165 mg enthalten.

Das bedeutet, dass 400 mg nicht immer fünf Tassen entsprechen. Je nach Sorte, Stärke und Zubereitungsart kann die Tageshöchstmenge bereits mit zwei bis drei großen Portionen erreicht werden.

Besonders schwierig ist die Einschätzung bei Kaffee aus Cafés. Das Fassungsvermögen der Tasse kann 350–500 ml betragen, und das Getränk enthält manchmal mehrere Portionen Espresso. Auch kalt aufgegossener Kaffee kann sehr stark sein.

Koffein stammt nicht nur aus Kaffee. Es ist auch in Tee, Schokolade, Cola, Energy-Drinks, einigen Sportnahrungsergänzungsmitteln, Schmerzmitteln und anderen Medikamenten enthalten. Bei der Ermittlung der täglichen Gesamtmenge müssen alle Quellen berücksichtigt werden.

Wie sich Kaffee auf den Blutdruck auswirkt

Nach dem Konsum von Koffein kann der Blutdruck vorübergehend ansteigen. Dieser Effekt ist in der Regel bei Menschen stärker spürbar, die selten Kaffee trinken oder besonders empfindlich auf stimulierende Substanzen reagieren.

Bei regelmäßigem Konsum entwickelt sich bei einem Teil der Menschen eine Toleranz, sodass die Reaktion schwächer ausfällt. Dies könnte erklären, warum ein kurzzeitiger Blutdruckanstieg nach einer Tasse Kaffee nicht zwangsläufig zur Entwicklung einer chronischen Hypertonie führt.

Hohe Koffeinmengen können den Blutdruck jedoch erheblich erhöhen, insbesondere wenn dieser bereits erhöht ist. Daher lässt sich hier keine allgemeingültige Regel aufstellen: Personen mit Bluthochdruck sollten die Kaffeemenge besser mit ihrem behandelnden Arzt besprechen.

Auch vor einer Blutdruckmessung kann Koffein das Ergebnis verfälschen. In der Regel wird empfohlen, mindestens 30 Minuten vor der Messung auf den Konsum zu verzichten.

Verursacht Kaffee Herzrhythmusstörungen?

Die weit verbreitete Ansicht, dass jede Tasse Kaffee Herzrhythmusstörungen auslöst, wird durch aktuelle Erkenntnisse nicht bestätigt. Ein moderater Konsum wird in der Regel nicht mit einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern – einer der häufigsten Formen von Herzrhythmusstörungen – in Verbindung gebracht.

In einzelnen randomisierten Studien wurde Kaffee sogar mit einer geringeren Anzahl von Vorhofflimmern-Episoden in Verbindung gebracht. Gleichzeitig traten bei einigen Teilnehmern jedoch häufiger ventrikuläre Extrasystolen auf – vorzeitige Herzkontraktionen, die als Herzaussetzer oder Herzstillstand empfunden werden können.

Die Reaktion hängt also von der Art der Herzrhythmusstörung und den individuellen Eigenschaften der Person ab. Wenn nach dem Kaffeekonsum regelmäßig starkes Herzklopfen, Schwindel oder Unwohlsein auftreten, sollten Sie die Dosis nicht auf der Grundlage eines Durchschnittswerts erhöhen.

Die Zubereitungsart spielt eine Rolle

Nicht nur Koffein kann den Zustand des Herzens beeinflussen. Kaffeebohnen enthalten Cafestol – eine Substanz, die den Spiegel der Lipoproteine niedriger Dichte, bekannt als „schlechtes“ Cholesterin, erhöhen kann.

In ungefiltertem Kaffee – der in einer French Press, einer Turk-Kanne oder durch Aufkochen zubereitet wird – verbleibt mehr Cafestol. Auch im Espresso ist es enthalten, wobei die endgültige Menge von der Portionsgröße abhängt.

Ein Papierfilter hält den größten Teil des Cafestols zurück. Daher hat gefilterter Kaffee in der Regel einen geringeren Einfluss auf den Cholesterinspiegel.

Sirup, Zucker, Schlagsahne und andere Zusätze können Kaffee in ein kalorienreiches Dessert verwandeln. Das bedeutet nicht, dass eine kleine Menge Milch das Getränk automatisch ungesund macht, doch sollte auch die Zusammensetzung der gesamten Portion berücksichtigt werden.

Warum Energy-Drinks größere Bedenken hervorrufen

Kaffee und Energy-Drinks können nicht als gleichwertige Koffeinquellen betrachtet werden. Energy-Shots können pro Volumeneinheit drei- bis viermal so viel Koffein enthalten wie gewöhnlicher Kaffee.

Sie werden oft schnell getrunken, sodass eine hohe Dosis innerhalb kurzer Zeit in den Körper gelangt. Neben Koffein können sie Zucker und andere stimulierende Substanzen enthalten, deren Wechselwirkungen noch nicht ausreichend erforscht sind.

Hohe Dosen aus Energy-Drinks werden mit einem starken Blutdruckanstieg und Herzrhythmusstörungen in Verbindung gebracht, auch bei jungen Menschen ohne diagnostizierte Herzerkrankungen. Daher lässt sich die Schlussfolgerung zur Sicherheit eines moderaten Kaffeekonsums nicht auf konzentrierte Energy-Produkte übertragen.

Für wen die allgemeine Richtlinie möglicherweise nicht geeignet ist

Die Geschwindigkeit, mit der Koffein abgebaut wird, hängt von der Genetik, dem Alter, dem Stoffwechsel, den gewohnten Konsumgewohnheiten und eingenommenen Medikamenten ab. Bei manchen Menschen lösen mehrere Tassen keine spürbaren Auswirkungen aus, während bei anderen bereits eine Portion zu Zittern, Unruhe oder Schlaflosigkeit führt.

Besondere Vorsicht ist bei Menschen mit bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, unkontrolliertem Blutdruck, ausgeprägten Schlafstörungen oder einer hohen Koffeinempfindlichkeit geboten. Für Schwangere gelten strengere Einschränkungen, und der Richtwert von 400 mg für Erwachsene ist nicht für Kinder und Jugendliche gedacht.

Dies sind allgemeine Informationen und keine persönliche medizinische Empfehlung. Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder der Einnahme von Medikamenten sollten Sie die sichere Koffeinmenge am besten mit Ihrem Arzt abstimmen.

Warum dies wichtig ist

Kaffee ist die wichtigste, aber nicht die einzige Koffeinquelle. Der Versuch, lediglich die Tassen zu zählen, kann zu einer unbemerkten Überschreitung der Dosis führen, insbesondere wenn man gleichzeitig Tee, Cola oder Energy-Drinks trinkt und koffeinhaltige Medikamente einnimmt.

Die neue Empfehlung hilft dabei, den moderaten Genuss von normalem Kaffee von konzentrierten Dosen von Stimulanzien abzugrenzen. Für die meisten Erwachsenen stellen einige Tassen Kaffee keine Gefahr für das Herz dar, doch mehr bedeutet nicht unbedingt besser.

Der Zusammenhang zwischen mäßigem Kaffeekonsum und einem verringerten Risiko für bestimmte Erkrankungen sollte ebenfalls nicht als nachgewiesener Nutzen angesehen werden. Beobachtungsstudien lassen bislang nicht den Schluss zu, ob das Getränk selbst das Herz schützt oder ob das Ergebnis auf andere Lebensgewohnheiten zurückzuführen ist.

Hintergrund

Koffein hemmt die Wirkung von Adenosin – einer Substanz, die dem Körper hilft, die Aktivität zu drosseln und Müdigkeit zu verspüren. Daher fühlt sich der Mensch nach dem Kaffeegenuss in der Regel wacher, und sein Puls sowie sein Blutdruck können sich vorübergehend verändern.

Die maximale Koffeinkonzentration im Blut wird bei den meisten Menschen etwa innerhalb einer Stunde erreicht. Anschließend wird die Substanz nach und nach von der Leber abgebaut, wobei die Geschwindigkeit dieses Prozesses jedoch erheblich variiert.

Neben Koffein enthält Kaffee Hunderte weiterer Verbindungen. Einige davon besitzen antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften. Aus diesem Grund ist es schwierig, die Wirkung von reinem Koffein von der Wirkung des Getränks insgesamt zu trennen.

Die meisten Langzeitstudien stützen sich zudem auf die Angaben der Teilnehmer zur konsumierten Kaffeemenge. Der tatsächliche Koffeingehalt jeder Portion wird in der Regel nicht gemessen, was die Genauigkeit der Schlussfolgerungen zusätzlich einschränkt.

Quelle

Wissenschaftliche Stellungnahme von Gregory Marcus und einer Expertengruppe der American Heart Association : „Caffeine and Cardiovascular Disease: A Scientific Statement From the American Heart Association“⁠, veröffentlicht im Jahr 2026 in der Fachzeitschrift Circulation.