Was eine Stimme auszeichnet: Vibrato und Klangstärke sind wichtig

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Wissenschaftler haben herausgefunden, welche Parameter beim Operngesang wichtig sind
20:00, 10.09.2025

Was genau die Stimme eines Opernsängers wirklich beeindruckend klingen lässt, ist ein Rätsel, über das nicht nur die Zuhörer, sondern auch die Juroren von Gesangswettbewerben selbst lange gerätselt haben.



Eine neue Studie aus Japan hat zum ersten Mal versucht, eine wissenschaftliche Antwort auf diese Frage zu geben und die verborgenen Mechanismen hinter der Bewertung von Operngesang aufzudecken.

Ein Forscherteam der Keio Universität unter der Leitung von Haruka Kondo, einer Doktorandin und Teilzeit-Opernsängerin im Sopranfach, führte eine eingehende statistische Analyse durch, um herauszufinden, welche stimmlichen und akustischen Parameter die Endnote bei Wettbewerben bestimmen. Wie sich herausstellte, sind zwei Parameter am wichtigsten: das Vibrato und das Stimmleistungsverhältnis (SPR), das mit dem sogenannten "Formant des Sängers" zusammenhängt - der Fähigkeit der Stimme, den Raum ohne Mikrofon zu füllen.

Zehn professionell ausgebildete japanische Opernsänger nahmen an dem Experiment teil und sangen jeweils die klassische italienische Arie "Caro mio ben". Ihre Aufnahmen wurden von vier erfahrenen Gesangspädagogen bewertet, die sowohl eine Gesamtnote als auch eine Note für sechs Kriterien vergaben: Vibrato, Resonanz, Timbre, Diktion, Intonation und Ausdruckskraft. Gleichzeitig haben die Wissenschaftler die akustischen Parameter der Aufnahme gemessen: SPR, HNR (Harmonic to Noise Ratio, das die Reinheit des Klangs bestimmt) und LUFS (Lautstärkepegel).

Die Analyse zeigte, dass das Vibrato der wichtigste stimmliche Parameter ist, während die anderen (z.B. Timbre und Diktion) keinen statistisch signifikanten Einfluss auf die Endnote haben. Von den akustischen Merkmalen war SPR entscheidend, während HNR und LUFS fast keinen Einfluss auf das Ergebnis hatten. Die Wissenschaftler erklären dies mit der Tatsache, dass professionelle Sänger von Natur aus eine hohe Stimmqualität und einen niedrigen Geräuschpegel haben und dass die Lautstärke allein nicht die künstlerische Wahrnehmung bestimmt.

"Unsere Studie gibt Aufschluss darüber, wie genau die Richter ihre Meinung bilden", sagt Professor Shinya Fujii. - 'Das eröffnet neue Möglichkeiten für eine objektive Gesangspädagogik und hilft Sängern, gezielt Schlüsselparameter zu entwickeln."

Dr. Sotaro Kondo fügt hinzu: "Wir nähern uns einer Zeit, in der es möglich sein wird, sich in einer Gesangsstunde nicht nur auf das Urteil des Lehrers zu verlassen, sondern die Parameter der eigenen Stimme in Echtzeit auf einem Bildschirm zu überwachen."

Die Arbeit des Teams von Kondo und Fujii leistet somit einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Beziehung zwischen Kunst und Wissenschaft. In Zukunft könnten diese Daten nicht nur jungen Sängern auf ihrem Weg zur Professionalität helfen, sondern auch Pädagogen, die nach einer genauen und wissenschaftlich fundierten Methodik für das Gesangstraining suchen.

Maria Grynevych

Maria Grynevych, Projektmanagerin, Journalistin, Mitautorin des Reiseführers Heilige Berge der Dnjepr-Region, Vortragskurs: Kultische Topographie der mittleren Dnjepr-Region.

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