Wie Katzen im Mittelalter wirklich behandelt wurden

Einer der häufigsten Mythen über das Mittelalter ist die Behauptung, dass Katzen damals schrecklich behandelt wurden.

Eine besonders beliebte Geschichte handelt von schwarzen Katzen, die angeblich zusammen mit ihren Geliebten - Hexen - verbrannt wurden.

Wie Stephanie Demchuk, außerordentliche Professorin der Abteilung für Kunstgeschichte an der Nationalen Taras-Schewtschenko-Universität von Kiew, schreibt, hält diese Legende jedoch einer Überprüfung der historischen Fakten nicht stand.

In Wirklichkeit war die Haltung gegenüber Katzen im Mittelalter viel komplexer und vielfältiger.

Obwohl schwarze Katzen manchmal mit bösen Mächten in Verbindung gebracht wurden, insbesondere nach der Veröffentlichung der Bulle "Vox in Rama" von Papst Gregor IX. im Jahr 1233, in der die schwarze Katze als Symbol für die Anbetung Luzifers angesehen wurde, gab es keine Massenausrottung von Katzen. Der Historiker Donald Engels stellte die Hypothese auf, dass sich die Pest aufgrund eines Rückgangs der Katzenanzahl ausbreitete, aber diese Ansicht wurde nicht bestätigt.

Der Mythos von der "großen Ausrottung der Katzen" wird auch oft mit den Ereignissen des 18. Jahrhunderts verwechselt, als Lehrlinge in Paris die Katzen ihrer Herren wegen der schlechten Lebensbedingungen massakrierten. Aber diese Geschichte stammt aus der frühen Neuzeit.

Historische Quellen hingegen enthalten zahlreiche Belege für die Pflege und Zuneigung von Katzen. In Bestiarien (mittelalterlichen Sammlungen von Tierbeschreibungen) wurden Katzen zum Beispiel mit Mäusen, Wäsche oder sogar mit einer Krone auf dem Kopf abgebildet.

Katzen waren ein fester Bestandteil des täglichen Lebens, und sogar Mönche ließen sie in ihren Skriptorien frei herumlaufen und hinterließen Pfotenabdrücke auf Manuskripten. In einem englischen Exemplar der Etymologien des Isidor von Sevilla sind die Pfotenabdrücke einer Katze erhalten, die über die Seiten des Buches gelaufen war.

Interessant ist auch ein Beispiel aus dem Japan des neunten Jahrhunderts, wo der junge Kaiser Uda in seinem Tagebuch liebevoll und ironisch über seine schwarze Katze schrieb. Diese Einträge zeigen, dass die emotionale Bindung zwischen Menschen und Katzen im Mittelalter nicht schwächer war als heute.

Trotz des Aberglaubens und der Ängste war die Einstellung zu Katzen im Mittelalter also viel herzlicher, als uns oft bewusst ist.

Wie Stephanie Demchuk schreibt, sind die Mythen über die Misshandlung von Katzen im "dunklen Mittelalter" eher Fiktion als Realität.