Wissenschaftler haben einen 518 Millionen Jahre alten "Fisch mit vier Augen" gefunden
Wissenschaftler haben einen unerwarteten Hinweis darauf gefunden, wie Wirbeltiere ein geheimnisvolles "drittes Auge" entwickelt haben könnten.
Neue Daten aus China deuten darauf hin: Einige der frühesten bekannten Wirbeltiere, die vor etwa 518 Millionen Jahren lebten, konnten nicht zwei, sondern gleich vier Augen haben - und das "zusätzliche Paar" befand sich in der Mitte des Kopfes.
Es handelt sich um uralte Fische aus der Gruppe der Mylokunmingiden (Myllokunmingiden ), deren Fossilien in der berühmten Biota Chengjiang gefunden wurden. Die Forscher untersuchten 10 Exemplare (zwei Formen dieser frühen Fische) und bemerkten eine seltsame dunkle Struktur in der Mitte des "Gesichts". Früher hielt man es für eine Art Nasensack, aber jetzt sagt das Team: Nach einer Reihe von Merkmalen sieht es eher aus wie ... ein weiterer Augenapparat.
Um das zu verstehen, verwendeten die Wissenschaftler die Elektronenmikroskopie (SEM und TEM) und fanden in der zentralen Struktur Melanosomen - Mikropartikel mit Melanin, die für Wirbeltieraugen charakteristisch sind und mit dem Pigmentepithel der Netzhaut verbunden sind. Sie erwiesen sich in Form und Größe als vergleichbar mit den Melanosomen in den seitlichen Augen der gleichen Tiere. Dies bestärkte die Theorie, dass die "zentralen Flecken" kein Geruchsorgan, sondern ein Teil des visuellen Systems sind.
Interessanterweise wurden in diesen dunklen Bereichen zwei ovale "Linsen" entdeckt, die einer Linse ähneln. Die gleichen Strukturen befinden sich in den seitlichen Augen, die bei diesen alten Fischen nach dem "Kammer"-Prinzip funktionierten. Wenn die Interpretation richtig ist, könnten die zentralen Organe nicht nur lichtempfindlich gewesen sein, sondern möglicherweise auch in der Lage, ein Bild zu erzeugen.
Die Autoren bringen diesen Befund mit dem Zirbeldrüsenkomplex in modernen Wirbeltieren in Verbindung, einem System von Gehirnstrukturen, die an der Regulierung von Hormonen und zirkadianen Rhythmen (einschließlich der Melatoninproduktion) beteiligt sind. Bei einigen Reptilien umfasst dieser Komplex ein lichtempfindliches Organ, das manchmal als "drittes Auge" bezeichnet wird, obwohl es nicht wie normale Augen sieht. Die neue Studie wirft eine kühne Idee auf: Vielleicht war der Zirbeldrüsenkomplex bei den frühesten Wirbeltieren zunächst ein echtes "Kammerauge", das dann im Laufe der Evolution "vereinfacht" wurde und seine Funktion veränderte.
Warum könnte die Natur ein solches "Upgrade" gebraucht haben? Die Forscher vermuten, dass die Millocunmingiden wahrscheinlich unter den vielen kambrischen Raubtieren überleben mussten und das zusätzliche Augenlicht die Chancen erhöht haben könnte, eine Bedrohung zu erkennen und einem Angriff auszuweichen. Im Laufe der Zeit könnten sich die Bedingungen geändert haben - und die "zusätzlichen" Augen entwickelten sich zu einem spezialisierten System der Lichtempfindlichkeit und hormonellen Regulierung.