Archäologen haben 1100 Jahre alte Welpenmumien gefunden und herausgefunden, wie die Menschen sich um sie gekümmert haben

Ein mumifiziertes Weibchen aus Río Muerto. Bildnachweis: deFrance et al., 2026.

In einem trockenen Tal im Süden Perus haben Archäologen die Mumien zweier etwa 1100 Jahre alter Welpen untersucht. Eine davon wurde sorgfältig in eine kleine Grube auf eine gewebte Matte gelegt – fast so, als würde das Tier schlafen.

Die Forscher sind der Ansicht, dass dies ein seltener Beleg dafür sein könnte, wie gewöhnliche Menschen der alten Tiwanaku-Kultur sich nicht nur zu Lebzeiten, sondern auch nach dem Tod um Hunde kümmerten.

Es handelt sich um zwei natürlich mumifizierte Hunde aus dem Mokeua-Tal: eine junge Hündin, die jünger als ein Jahr war, und einen Welpen, der nicht älter als drei Monate war. Sie stammen aus der Tiwanaku-Kultur – einem antiken Andenstaat, der etwa zwischen 600 und 1000 n. Chr. auf dem Gebiet der heutigen Länder Bolivien, Peru und Chile existierte.

Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Latin American Antiquity“ veröffentlicht.

Was die Archäologen gefunden haben

Beide Mumien stammen aus den Fundstätten Río Muerto und Omo im Mochegua-Tal im Süden Perus. Es handelt sich um besonders seltene Funde: Überreste von Hunden werden an den Ausgrabungsstätten von Tiwanaku nur selten gefunden, und manchmal lassen sie sich nur schwer von Fuchsgebeinen unterscheiden. In diesen beiden Fällen waren noch Fellfragmente erhalten, was half zu bestätigen, dass es sich bei den Funden tatsächlich um Hunde handelte.

Der Hund aus Río Muerto war ein braun-weißes junges Weibchen, das jünger als ein Jahr war. Der Welpe aus Omo war noch jünger – nicht älter als drei Monate. Beide Tiere wurden dank des trockenen Klimas der Region auf natürliche Weise mumifiziert.

Ein Detail ist besonders wichtig: Die junge Hündin aus Río Muerto wurde in einer kleinen Grube beigesetzt, auf eine gewebte Matte gelegt. Nach der Beschreibung der Forscher wurde sie sehr sorgfältig positioniert, möglicherweise mit einem Seil oder einer Schnur umwickelt. Dies lässt nicht auf zufällig weggeworfene Überreste schließen.

Wie die Wissenschaftler erkannten, dass man sich um die Hunde gekümmert hatte

Die Archäologen untersuchten nicht nur die Grabstätte, sondern auch die „Lebensgeschichte“ der Tiere. Dazu führten sie eine Isotopenanalyse der Knochen, Zähne und des Fells durch. Anhand solcher Daten lässt sich nachvollziehen, wo das Tier aufgewachsen ist und wovon es sich ernährt hat.

Die Strontiumanalyse ergab, dass beide Hunde aus der Region stammten: Sie wurden nicht von weit her gebracht, sondern verbrachten ihr kurzes Leben in dieser Gegend. Dies unterscheidet sie beispielsweise von Lastlamas, die zwischen verschiedenen Gebieten hin- und herziehen konnten.

Die Ernährung der Hündin aus Río Muerto erwies sich als sehr ähnlich zu der der Menschen, die in ihrer Nähe lebten. Sie ernährte sich von einer Mischung aus pflanzlicher und fleischhaltiger Nahrung – wahrscheinlich Essensresten oder dem, womit sie gezielt gefüttert wurde. Die Forscher sind vorsichtig: Man kann nicht mit Sicherheit sagen, ob sie direkt gefüttert wurde, aber es ist klar, dass sich die Hündin im selben Lebensraum wie die Menschen befand und Zugang zu deren Nahrung hatte.

Warum es sich nicht einfach um „Tiermumien“ handelt

In den alten Anden konnten Hunde verschiedene Rollen einnehmen. Sie konnten Helfer, Begleiter oder Teilnehmer an Ritualen und Opferzeremonien sein. In späteren Andenkulturen wurden Hunde häufig in Gräbern der Elite beigesetzt – als Beschützer oder Begleiter des Menschen in die jenseitige Welt.

Im Fall von Tiwanaku sieht das Bild jedoch persönlicher aus. Diese Hunde wurden in der Nähe von Wohnräumen beigesetzt und nicht nur im Zusammenhang mit elitärem Status oder offiziellem Kult. Daher vermuten die Autoren der Studie, dass es sich hier um eine wichtige Zwischenstufe handelt: Hunde waren bereits bedeutende Begleiter der Menschen, noch bevor sie in einigen Andengesellschaften zu Statussymbolen wurden.

In dem Artikel heißt es, dass die Bewohner von Tiwanaku Hunde sowohl als rituelle Tiere, die heilige Stätten bewachten, als auch als häusliche Begleiter schätzten, die eine fürsorgliche Bestattung in der Nähe ihres Zuhauses verdienten.

Die leitende Autorin der Studie, Susan deFrance, merkt an, dass solche Bestattungen auf eine emotionale Seite der Beziehung zu den Tieren hindeuten könnten, auch wenn dies nicht mit absoluter Sicherheit gesagt werden kann.

Genau aus diesem Grund ist es korrekter, nicht zu schreiben: „Wissenschaftler haben bewiesen, dass die Menschen Hunde liebten“, sondern: Archäologen haben Anzeichen dafür gefunden, dass die Bewohner von Tiwanaku Hunde als bedeutende Haushaltsbegleiter betrachteten und sich um deren Bestattung kümmerten.

Warum dieser Fund wichtig ist

Diese beiden Mumien zeigen eine Seite des Lebens in der Antike, die in der Archäologie selten erhalten bleibt: die alltägliche Verbindung zwischen Menschen und Tieren. Normalerweise erfahren wir etwas über antike Gesellschaften durch Tempel, Waffen, Keramik, Grabstätten der Elite und große Denkmäler. Hier geht es jedoch um kleine Hunde, die in der Nähe von Wohnhäusern beigesetzt wurden.

Dies macht den Fund besonders wertvoll. Er zeigt, dass die Beziehung zwischen Mensch und Hund in den alten Anden nicht nur rein zweckmäßig gewesen sein könnte. Hunde konnten den Menschen Gesellschaft, Freude, Schutz und ein Gefühl der Nähe bieten – etwas, das viele Hundebesitzer auch heute noch gut nachvollziehen können.

Hintergrund

Tiwanaku war eine der bedeutendsten antiken Gesellschaften der Anden. Ihr Einfluss erstreckte sich über das Gebiet der heutigen Länder Bolivien, Peru und Chile. Im Mochegua-Tal im Süden Perus gab es Siedlungen und zeremonielle Zentren, die mit dieser Kultur in Verbindung standen.

Hunde konnten in den Andengesellschaften als Hütehunde, Begleiter, Wächter und rituelle Tiere dienen. Gerade über die Tiwanaku-Kultur gab es jedoch nur wenige Informationen zu Hunden; daher bieten die beiden mumifizierten Exemplare aus Río Muerto und Omo die seltene Gelegenheit, ihr Leben quasi „von innen“ zu betrachten – anhand ihrer Ernährung, ihrer Herkunft und ihrer Bestattung.

Quelle

Studie: Susan D. deFrance und Mitautoren, „Dogs in Tiwanaku Society: Life Histories of Companion Animals from the Moquegua Valley, Peru“, Latin American Antiquity, 2026.