Archäologen haben eine 3.300 Jahre alte altägyptische Knochenpfeife gefunden
Wissenschaftler aus der Schweiz und Deutschland haben in der altägyptischen Stadt Amarna ein einzigartiges Artefakt entdeckt - eine mehr als 3.300 Jahre alte Knochenpfeife.
Die Pfeife wurde bei einer archäologischen Ausgrabung im Rahmen des Amarna-Projekts gefunden, das von Michelle Langley mit Anna Stevens und Christopher Stimpson geleitet wird.
Die Studie wurde im International Journal of Osteoarchaeology veröffentlicht.
Die Stadt Amarna (moderner Name Tell el-Amarna) wurde um 1347 v. Chr. von Pharao Ehnaton erbaut und überdauerte nur eine Generation. Nach dem Tod des Herrschers um 1332 v. Chr. wurde die Stadt aufgegeben.
Die Entdeckung wurde in der Nähe der Arbeitersiedlungen gemacht, die als Workmen's Village und Stone Village bekannt sind und in denen Steinmetze und Arbeiter lebten, die Gräber in der benachbarten Nekropole anlegten. Diese Gebiete wurden eingezäunt und kontrolliert, möglicherweise mit Wachposten und Kontrollstraßen.
Die in Struktur I gefundene Pfeife ist eine durchbohrte Phalanx (Fingerknochen) eines Kalbs. Solche Knochen wurden in der Antike häufig zur Herstellung von Schmuck, Spielzeug oder Figuren verwendet, aber dieses Exemplar zeigt keine Anzeichen von Abnutzung oder Bearbeitung, die für solche Objekte typisch sind.
Experimente mit der Rekonstruktion haben gezeigt, dass dieser Knochen perfekt als Pfeife funktioniert und einen lauten Ton erzeugt, der noch in beträchtlicher Entfernung hörbar ist. Angesichts des Fundortes - einer Wachstation - vermuten die Forscher, dass die Pfeife benutzt wurde, um Signale zu geben oder Aufmerksamkeit zu erregen.
Michelle Langley erklärt, dass die Erforschung der Klanglandschaft im Alten Ägypten ein neues und vielversprechendes Gebiet ist. Obwohl es Abbildungen von Musikinstrumenten auf Fresken und in Gräbern gibt, tauchen Pfeifen in diesen Quellen nicht auf. Vielleicht wurden solche alltäglichen Instrumente einfach nicht als wichtig erachtet, um sie in Wandmalereien darzustellen, die sich auf das Leben der Elite konzentrieren.
Sie betont auch, dass ein Großteil des Wissens über das alte Ägypten aus den Ausgrabungen reicher Gräber stammt, während gewöhnliche Alltagsgegenstände noch nicht ausreichend erforscht wurden. Einfache Knochenartefakte sind zwar nicht beeindruckend, geben aber einen tieferen Einblick in das Alltagsleben und die Praktiken der einfachen Bewohner.
Das Artefakt aus Amarna erinnert daran, wie wichtig es ist, die Alltagskultur des alten Ägyptens zu untersuchen. Langley arbeitet bereits an der Analyse anderer Knochenobjekte, die in den letzten 100 Jahren in Amarna gefunden wurden, und plant, bald neue Daten zu veröffentlichen.
"Ich hoffe, dass ich weiter untersuchen kann, wie die alten Ägypter Knochen, Elfenbein und Muscheln zur Herstellung von Werkzeugen und Schmuck verwendet haben. Das wird uns helfen, ihre Kultur und ihr tägliches Leben besser zu verstehen", sagte Langley.