Die echten Wikinger waren ganz und gar nicht so, wie wir sie uns gewöhnlich vorstellen

Die Abbildung wurde von einer KI generiert

Ein großer, bärtiger Krieger mit Schwert, Drakkar und strengem Blick – genau so stellen sich die meisten Menschen einen Wikinger vor. Wissenschaftler sind jedoch der Ansicht, dass dieses Bild die tatsächliche Geschichte stark vereinfacht.

Die Forscherin Julia Håkansson hat die größten Museumsausstellungen in Dänemark, Schweden und Norwegen analysiert und ist zu folgendem Schluss gekommen: Die Museumsfachleute selbst wissen schon lange, dass die Wikinger weitaus vielfältiger waren, setzen jedoch nach wie vor auf das gewohnte Bild des Kriegers. Der Grund dafür ist einfach: Genau das erwarten die Besucher zu sehen.

Die Wikinger waren nicht nur Krieger

Die Wikingerzeit erstreckte sich etwa vom Ende des 8. bis zur Mitte des 11. Jahrhunderts. In dieser Zeit unternahmen die Bewohner Skandinaviens zwar tatsächlich Feldzüge, doch ihr Leben beschränkte sich nicht darauf.

Die meisten Menschen betrieben Ackerbau, hielten Vieh, trieben Handel, bauten Schiffe, fischten und reisten. Viele waren Handwerker oder Kaufleute und keineswegs Berufssoldaten.

Selbst das Schwedische Historische Museum weist in seiner Ausstellung darauf hin, dass zwar viele freie Männer und Frauen Waffen besaßen, sich jedoch nur wenige tatsächlich als Krieger betrachteten.

Warum zeigen Museen weiterhin grimmige Krieger?

Die Autorin der Studie untersuchte die Ausstellungen des Nationalmuseums Dänemarks in Kopenhagen, des Schwedischen Historischen Museums in Stockholm und des Museums für Kulturgeschichte in Oslo.

Dabei stieß sie auf einen interessanten Widerspruch. Einerseits berichten die Museen über Handel, Landwirtschaft, Familienleben und den Alltag. Andererseits nehmen Schiffe, Schwerter, Schilde und Erzählungen über Feldzüge die prominentesten Plätze ein.

Nach Ansicht der Forscherin sind die Museumskuratoren gezwungen, ein Gleichgewicht zwischen wissenschaftlicher Genauigkeit und den Erwartungen des Publikums zu finden. Die Besucher kommen, um gerade die legendären Krieger zu sehen, weshalb die Museen nicht vollständig auf das gewohnte Bild verzichten können.

Wo sind die Frauen?

Die Untersuchung ergab zudem, dass Frauen in den Ausstellungen deutlich seltener vertreten sind als Männer.

Wenn von ihnen die Rede ist, dann meist als Herrinnen großer Gehöfte oder als legendäre „Kriegerinnen“. Das Alltagsleben gewöhnlicher Frauen der Wikingerzeit bleibt weniger sichtbar.

Obwohl moderne Museen versuchen, dieses Ungleichgewicht zu korrigieren, dominiert nach wie vor das männliche Bild des Wikingers.

Warum sich das Bild der Wikinger ständig wandelt

Die Autoren erinnern daran, dass das uns vertraute Bild der Wikinger nicht vor tausend Jahren entstand, sondern im 19. Jahrhundert, als die europäischen Länder aktiv nationale Mythen schufen.

Seitdem wurde die Wikingerzeit immer wieder neu interpretiert. Heute nutzen Museen sie nicht nur, um über die Vergangenheit zu berichten, sondern auch, um aktuelle Themen zu erörtern – nationale Identität, kulturelle Kontakte, Handel und die Interaktion verschiedener Völker.

So beleuchten beispielsweise einige Ausstellungen gezielt die Verbindungen der Skandinavier zur muslimischen Welt, um zu verdeutlichen: Die Wikinger waren nicht nur Eroberer, sondern auch aktive Akteure im internationalen Handel.

Warum dies wichtig ist

Untersuchungen zeigen, dass Museen nicht nur alte Artefakte bewahren – sie prägen auch unser Geschichtsverständnis.

Genau aus diesem Grund ist das Bild des rauen, bärtigen Kriegers bis heute das bekannteste Symbol der Wikingerzeit, obwohl archäologische Funde eine weitaus vielfältigere Gesellschaft zeichnen, in der die meisten Menschen Bauern, Handwerker, Händler und Reisende waren.

Hintergrund

Als Wikingerzeit wird üblicherweise der Zeitraum vom Ende des 8. bis zur Mitte des 11. Jahrhunderts bezeichnet. In dieser Zeit unternahmen die Bewohner Skandinaviens Seefahrten, gründeten Siedlungen, trieben regen Handel und erkundeten neue Gebiete – von Nordamerika bis zum Nahen Osten.

In der Populärkultur werden die Wikinger oft als ausschließlich grimmige Krieger dargestellt; moderne Historiker betonen jedoch, dass dies nur eine Seite des Lebens der skandinavischen Gesellschaft jener Zeit ist.