Bei einem kosmischen Nebel wurden „Ohren“ entdeckt

Das RGB-Kompositbild von NGC 6563 zeigt die räumliche Verteilung der Hauptemissionslinien des Nebels: [N II], Hα und [O III] sind jeweils durch den roten, grünen und blauen Kanal dargestellt. Ein rotes Kreuz markiert die Position des Zentralsterns gemäß den Daten von Gaia DR3. Quelle: Al et al., 2026.

Der weit entfernte Weltraumnebel NGC 6563 hat eine seltsame Form: Er ähnelt einem Ei mit zwei kleinen Auswüchsen an den Seiten. Astronomen bezeichnen diese Auswüchse als „Ohren“.

Nun haben Wissenschaftler das Wesentliche herausgefunden: Diese „Ohren“ entstanden früher als die Hauptgaswolke um den Stern herum. Das heißt, die Entstehungsgeschichte des Nebels ist komplexer, als bisher angenommen: Der Stern starb nicht durch einen einzigen, ruhigen Ausstoß, sondern wahrscheinlich in mehreren Phasen.

Details

NGC 6563 befindet sich im Sternbild Schütze, etwa 5.400 Lichtjahre von der Erde entfernt. Sie wurde bereits im Jahr 1826 entdeckt, doch dank neuer Technik konnte ihre Struktur nun wesentlich detaillierter untersucht werden. Dazu nutzten die Astronomen Daten des MUSE-Spektrografen am Very Large Telescope in Chile und des Manchester Echelle Spectrograph in Mexiko.

Es stellte sich heraus, dass der Nebel aus einer ovalen Hauptwolke, einer dünnen äußeren Hülle, zwei seitlichen Ausläufern – den sogenannten „Ohren“ – sowie einigen weiteren kleineren Strukturen besteht. Das Gas in der Haupthülle dehnt sich mit einer Geschwindigkeit von etwa 22 km/s aus.

Am interessantesten ist das Alter der verschiedenen Bestandteile. Die Haupthülle des Nebels entstand Berechnungen zufolge vor etwa 3.600 bis 3.700 Jahren. Die „Ohren“ erwiesen sich hingegen als wesentlich älter: Das eine ist etwa 7.500 Jahre alt, das andere etwa 8.800 Jahre.

Einfacher ausgedrückt: Zunächst schleuderte der Stern Materie in zwei Richtungen aus und bildete so die seitlichen Ausläufer. Erst später entstand die Hauptgashülle.

Warum der Nebel „Ohren“ entwickelt haben könnte

Wissenschaftler gehen davon aus, dass diese Ausläufer durch gerichtete Gasströme entstanden sein könnten. Dies ähnelt weniger einer gleichmäßigen Kugel, die sich in alle Richtungen ausdehnt, als vielmehr Ausstößen in bestimmte Richtungen.

Eines der möglichen Szenarien ist der Einfluss eines zweiten Sterns. Hatte der sterbende Stern einen Begleitstern, könnte deren Wechselwirkung die Gasausstöße „lenken“ und die Form des Nebels komplexer gestalten. Die Autoren behaupten nicht, dass dies endgültig bewiesen sei, doch die Daten passen gut zu einer solchen Erklärung.

Ein weiterer Faktor ist die Umgebung des Nebels. Das Gas könnte sich nicht im Vakuum, sondern in einer inhomogenen Umgebung ausgedehnt haben. Daher könnte sich die eine Seite anders verhalten haben als die andere, wodurch die Form der Wolke im Laufe der Zeit unregelmäßig wurde.

Warum dies wichtig ist

Solche Nebel zeigen, wie sonnenähnliche Sterne ihr Leben beenden. Wenn einem Stern der Brennstoff ausgeht, stößt er seine äußeren Schichten ab. Diese Schichten bilden eine leuchtende Gaswolke, während im Zentrum ein heißer Sternkern zurückbleibt.

NGC 6563 zeigt, dass dieser Prozess möglicherweise weder einfach noch symmetrisch verläuft. Der Stern könnte Materie in mehreren „Portionen“ verloren haben – zu unterschiedlichen Zeitpunkten und in verschiedene Richtungen.

Dies hilft Astronomen besser zu verstehen, warum manche Nebel fast kreisförmig aussehen, andere langgestreckt sind und wieder andere Ringe, Schweife, Strahlen oder „Ohren“ aufweisen.

Hintergrund

Planetarische Nebel erhielten ihren Namen vor langer Zeit, als sie durch alte Teleskope wie kleine Planetenscheiben aussahen. Tatsächlich handelt es sich dabei nicht um Planeten, sondern um die Überreste der äußeren Schichten sterbender Sterne.

NGC 6563 wurde früher als elliptischer, leicht eiförmiger Nebel beschrieben. Eine neue Studie hat seine Form und die Bewegung des Gases genauer bestimmt: Er besteht aus einem ovalen Hauptkörper, einer dünnen Hülle und zwei älteren seitlichen Ausläufern.

Gerade diese „Ohren“ verändern das Bild. Sie deuten darauf hin, dass es bereits vor dem Entstehen der Hauptwolke eine frühere Phase des Stoffausstoßes bei dem Stern gegeben hat.

Quelle

Studie: Zahra Al und Mitautoren, „Morphokinematic Structure of the Planetary Nebula NGC 6563“, Zeitschrift „Galaxies“, 2026.