Der „Zombie-Pilz“ hat einen Feind bekommen

In den Dschungeln von Borneo wurde ein Pilz entdeckt, der wie die Handlung eines biologischen Horrorfilms wirkt: Er jagt nicht direkt eine Ameise, sondern einen anderen Pilz – jenen „Zombie-Pilz“, der das Insekt bereits befallen hat.

Die neue Art wurde als Pleurocordyceps cornusynnemata benannt. Sie wurde im malaysischen Bundesstaat Sabah, in der Region Danum Valley, nach der Untersuchung einer toten Ameise entdeckt.

Die Art wurde im Jahr 2026 offiziell in der Fachzeitschrift „Phytotaxa“ beschrieben.

Einfacher ausgedrückt: In dieser Geschichte wurde der Jäger selbst zur Beute. Zunächst befällt ein Pilz aus der Gattung Ophiocordyceps eine Ameise und nutzt deren Körper. Anschließend dringt ein neuer Pilz in diesen „Zombie-Pilz“ ein und ernährt sich von dessen Gewebe.

Details

Pilze der Gattung Ophiocordyceps sind dafür bekannt, dass sie Insekten, darunter auch Ameisen, befallen. Sie können das Verhalten ihres Wirts verändern, ihn töten und anschließend aus seinem Körper herauswachsen, um Sporen zu verbreiten.

Der in Borneo gefundene Pilz verhält sich jedoch anders. Er kontrolliert nicht das Nervensystem der Ameise. Er tritt erst später in dieser schrecklichen Kette in Erscheinung: wenn sich bereits ein anderer parasitärer Pilz im Inneren des Insekts entwickelt hat. Der neue Pleurocordyceps parasitiert faktisch auf dem Parasiten – daher wird er als Hyperparasit bezeichnet.

Die neue Art weist noch eine weitere ungewöhnliche Besonderheit auf – hornartige Strukturen. Gerade wegen dieser erhielt sie den Namen „cornusynnemata“. Die Universität Sabah in Malaysia berichtet, dass dieses Merkmal sie von anderen bekannten Vertretern der Gattung Pleurocordyceps unterscheidet.

Was bedeutet „Hyperparasit“?

Ein Parasit lebt auf Kosten seines Wirts. Ein Hyperparasit hingegen ist ein Parasit eines Parasiten.

In diesem Fall sieht die Kette wie folgt aus: Die Ameise wird zum Wirt für den „Zombie-Pilz“, und der neue Pilz nutzt wiederum den „Zombie-Pilz“ selbst als Nahrungsquelle. Daher trifft die Überschrift „Der Zombie-Pilz hat einen Feind bekommen“ hier fast wörtlich zu.

Das ist weder Science-Fiction noch eine Übertreibung, sondern ein realer ökologischer Zusammenhang: Im Tropenwald können sogar Parasiten ihre eigenen Parasiten haben.

Warum ist das interessant?

Solche Entdeckungen zeigen, wie komplex das Leben im Tropenwald sein kann. Von außen sehen wir den Dschungel als grüne Masse, doch im Inneren tobt ein ständiger Kampf – Insekten, Pilze, Pflanzen und Mikroorganismen sind in sehr feinen Ketten miteinander verbunden.

Für die Wissenschaft ist dies nicht nur als „seltsamer Fund“ von Bedeutung. Pilze, die andere Pilze oder Insekten befallen, können für die Erforschung der biologischen Schädlingsbekämpfung und die Suche nach neuen biologisch aktiven Substanzen nützlich sein. Doch dies ist bislang lediglich ein Potenzial und noch kein fertiges Medikament oder Mittel für die Landwirtschaft.

Hintergrund

Die neue Art wurde im Rahmen von Feldforschungen entdeckt, die vom Institut für Tropenbiologie und Naturschutz der Universität Malaysia Sabah durchgeführt wurden. Das Exemplar stammt von einer toten Ameise aus dem Danum-Tal – einer abgelegenen Region im Süden von Sabah.

Der Artikel in „Phytotaxa“ befasst sich mit der Taxonomie und Phylogenie von Pilzen der Gattung Pleurocordyceps, die mit Ameisen und Zikaden aus Malaysia assoziiert sind. Die Autoren nutzten morphologische und molekulare Analysen, um eine neue Art zu beschreiben und die Datenlage zu dieser Gruppe zu präzisieren.

Quelle

Studie: Muhammad Shahbaz und Mitautoren, „Taxonomy and phylogeny of Pleurocordyceps (Polycephalomycetaceae, Hypocreales) associated with ants and cicadas from Malaysia, including a new species and new records“, Phytotaxa, 2026.