Die NASA versucht, das Swift-Teleskop vor dem Absturz auf die Erde zu bewahren
Die NASA bereitet eine ungewöhnliche Rettungsaktion im Weltraum vor. Das Swift-Teleskop, das seit mehr als 20 Jahren gewaltige Weltraumexplosionen beobachtet, verliert allmählich an Höhe und könnte bereits im Herbst 2026 in die Erdatmosphäre eintreten. Um das Gerät nicht zu verlieren, wird ein robotergesteuerter „Retter“ zu ihm entsandt.
Die Mission kostet etwa 30 Millionen Dollar. Die NASA hat das Unternehmen Katalyst Space Technologies beauftragt, damit dessen Raumfahrzeug LINK die Swift einholt, sie mit Roboterarmen erfasst und in eine sicherere Umlaufbahn bringt. Der Start ist frühestens für den 30. Juni 2026 mit einer Pegasus-XL-Rakete geplant.
Details
Swift wurde im Jahr 2004 gestartet. Ursprünglich sollte er etwa zwei Jahre lang in Betrieb sein, entwickelte sich jedoch schließlich zu einem der nützlichsten Weltrauminstrumente der NASA. Seine Aufgabe besteht darin, Ausbrüche im Universum schnell zu erkennen und zu untersuchen: Gammastrahlenausbrüche, Sternexplosionen und andere kurze, aber wichtige astronomische Ereignisse. Die NASA bezeichnet Swift als „astrophysikalisches Multitool“, da er den Weltraum gleichzeitig in mehreren Spektralbereichen beobachtet – vom sichtbaren und ultravioletten Licht bis hin zu Röntgen- und Gammastrahlung.
Das Problem besteht darin, dass sich Swift in einer niedrigen erdnahen Umlaufbahn befindet. Dort sind noch Spuren der Erdatmosphäre vorhanden, die die Satelliten nach und nach abbremsen. Aufgrund der verstärkten Sonnenaktivität haben sich die oberen Schichten der Atmosphäre ausgedehnt, der Luftwiderstand ist gestiegen, und Swift begann, schneller an Höhe zu verlieren.
Um den Absturz zu verlangsamen, hat die NASA die wissenschaftlichen Instrumente von Swift bereits abgeschaltet. Die Beobachtungen wurden im Februar 2026 eingestellt. Dies verschaffte dem Team etwas Zeit, löste das Problem jedoch nicht vollständig.
Wie soll die Rettung erfolgen?
Zu Swift wird die von Katalyst Space entwickelte Sonde LINK entsandt. Dabei handelt es sich um ein kleines robotergesteuertes Raumschiff mit drei Armen. Jeder Arm ist mit Greifern ausgestattet, die sich an der Struktur von Swift festhaken sollen.
Nach dem Start soll LINK das Teleskop in etwa einem Monat erreichen. Dann beginnt der schwierigste Teil: Das Raumfahrzeug muss sich vorsichtig Swift nähern, es erfassen und innerhalb weniger Monate die Umlaufbahn von etwa 360 km auf 600 km anheben.
Für die Rettung gibt es eine letzte Frist. Schätzungen zufolge muss die Operation stattfinden, bevor Swift unter etwa 300 km absinkt. Diese Höhe könnte im Herbst 2026 erreicht werden, weshalb die NASA faktisch in einem Wettlauf gegen die Zeit arbeitet.
Warum dies schwierig ist
Swift wurde nie für eine solche Reparatur konzipiert. Man hatte nicht damit gerechnet, dass Jahrzehnte später ein Roboter an ihn heranfliegen, ihn mit seinen Greifarmen erfassen und in eine höhere Umlaufbahn bringen würde. Daher ist die Mission riskant: Das Raumfahrzeug muss nicht nur eingeholt werden, sondern dies muss so geschehen, dass das Teleskop nicht beschädigt und die Situation nicht verschlimmert wird.
Nach Angaben der AP hat die NASA im September 2025 einen Vertrag mit Katalyst abgeschlossen, der zwei Hauptanforderungen enthielt: alles schnell zu erledigen und Swift keinen Schaden zuzufügen. Vertreter der NASA räumen ein, dass noch vor kurzem viele bezweifelten, dass eine solche Mission überhaupt in so kurzer Zeit vorbereitet werden könne.
Sollte die Operation erfolgreich verlaufen, könnte Swift bereits im Jahr 2026 seine wissenschaftliche Arbeit wieder aufnehmen und die Beobachtung von kosmischen Explosionen fortsetzen.
Warum die NASA so sehr an dem alten Teleskop festhält
Swift ist nicht wegen seines Alters wichtig, sondern wegen seiner Reaktionsgeschwindigkeit. Es wurde entwickelt, um sich schnell auf neue kosmische Ereignisse auszurichten. Wenn es im Universum zu einem starken Ausbruch kommt, ist Zeit entscheidend: Solche Ereignisse können schnell wieder abklingen, und das Teleskop muss es schaffen, sie fast sofort zu beobachten.
Genau aus diesem Grund wird Swift als „Erster Reagierender“ im Weltraum bezeichnet. Es hilft anderen Observatorien dabei, zu erkennen, wohin sie blicken müssen, und ergänzt die Daten größerer Teleskope. Sollte Swift verloren gehen, würde die NASA ein Instrument verlieren, das sich nur schwer schnell ersetzen lässt.
Nach Angaben der NASA-Führung verfügt die Behörde derzeit nicht über das Budget, um einfach einen neuen Swift anstelle des alten zu bauen. Daher ist es kostengünstiger und schneller, zu versuchen, das bereits in Betrieb befindliche Gerät zu retten.
Was hat das mit Hubble zu tun?
Sollte die Operation mit Swift gelingen, könnten ähnliche Technologien auch für andere alternde Raumfahrzeuge genutzt werden. Unter anderem wird die Möglichkeit einer zukünftigen Anhebung der Umlaufbahn des Hubble-Teleskops diskutiert, das ebenfalls allmählich an Höhe verliert.
Das bedeutet jedoch noch nicht, dass das Hubble-Teleskop definitiv auf dieselbe Weise gerettet werden soll. Swift dient als Testfall: Kann ein kommerzieller Roboter sicher an ein wertvolles wissenschaftliches Gerät heranfliegen, es erfassen und dessen Lebensdauer verlängern?
Sollte die Mission gelingen, könnte dies eine neue Praxis einleiten: Satelliten und Teleskope in der Umlaufbahn würden nach ihrer Alterung nicht einfach ausgemustert, sondern gewartet, betankt, repariert oder in eine höhere Umlaufbahn gebracht.
Warum dies wichtig ist
Derzeit sind zahlreiche teure Satelliten, Teleskope und wissenschaftliche Geräte im Weltraum im Einsatz. Ein Teil davon verliert an Höhe, altert oder fällt aus – nicht, weil sie völlig unbrauchbar sind, sondern weil ihre Lebensdauer in der Umlaufbahn, ihr Treibstoff oder ihre Ausrüstung zur Neige geht.
Die LINK-Mission zu Swift könnte den Beweis liefern, dass ein Teil dieser Geräte direkt im Weltraum gerettet werden kann. Dies ist nicht nur für die NASA wichtig, sondern für die gesamte Infrastruktur im Orbit: Kommunikation, Navigation, Erdbeobachtung, wissenschaftliche Missionen – all dies hängt von der Technik ab, deren Verlust bislang oft kostengünstiger ist als ihre Wartung.
Swift ist in dieser Geschichte der erste große Test. Sollte der Roboter die Aufgabe meistern, könnten Reparaturen im Weltraum zu einer gängigen Dienstleistung werden und nicht länger ein seltenes Experiment bleiben.
Quelle
Wichtige Daten: NASA, Mission „Swift Boost“ sowie eine Meldung der Associated Press über die Vorbereitung der Rettungsaktion.