Ein vom Aussterben bedrohtes Schuppentier hat in einem kleinen Wald inmitten der Stadtlandschaft überlebt
In Nepal hat eine Kamerafalle eines der seltensten Tiere Asiens eingefangen – das chinesische Pangolin. Es wurde nicht in einem großen Nationalpark entdeckt, sondern im kleinen heiligen Wald von Panchakanya, der von Dörfern, Straßen, landwirtschaftlichen Flächen und städtischer Bebauung umgeben ist.
Für Wissenschaftler ist dies ein wichtiger Fund: Bislang war das Vorkommen des chinesischen Pangolins im Bezirk Sunsari nur aus Erzählungen der Einheimischen und indirekten Hinweisen bekannt. Nun wurde seine Anwesenheit erstmals durch Fotos und kurze Videoaufnahmen einer Kamerafalle bestätigt.
Details
Das chinesische Pangolin, oder Manis pentadactyla, ist ein nachtaktives Säugetier, das mit hornartigen Schuppen bedeckt ist. Es ernährt sich hauptsächlich von Ameisen und Termiten, lebt zurückgezogen und wird nur selten von Menschen gesichtet. Genau aus diesem Grund ist es oft schwierig, seine Anwesenheit in einem bestimmten Gebiet zu bestätigen.
Im Januar 2025 begaben sich die Forscher in den Panchakanya-Wald im Distrikt Sunsari im Osten Nepals. Es handelt sich um einen kleinen Gemeinschaftswald in den Ausläufern des Siwalik-Gebirges. Er gilt als heilig für die lokalen hinduistischen und kiratischen Gemeinschaften, befindet sich jedoch in einer stark beeinträchtigten Landschaft: In der Nähe leben Menschen, es verlaufen Straßen, es gibt landwirtschaftliche Flächen und städtische Infrastruktur.
Die Wissenschaftler suchten nach frischen Höhlen, Spuren und Anzeichen für die Nahrungsaufnahme von Pangolinen. Anschließend stellten sie zwei Fotofallen auf und versetzten diese zwischen verschiedenen Punkten an Pfaden und Höhlen. Insgesamt waren die Kameras 14 Nächte lang in Betrieb.
Die Aufzeichnung gelang schnell. In der zweiten Nacht filmte die Fotofalle ein chinesisches Pangolin zweimal – um 22:03 Uhr und um 22:06 Uhr. Da die Aufnahmen fast am selben Ort und im Abstand von nur drei Minuten entstanden waren, kamen die Forscher zu dem Schluss, dass es sich um dasselbe Tier handelte.
Dieser Fund erweitert die Karte des bestätigten Verbreitungsgebiets der Art in Nepal. Nach Angaben der Autoren ist das chinesische Pangolin nun bereits in 28 Distrikten des Landes dokumentiert.
Warum dies wichtig ist
Pangoline gehören zu den am stärksten gefährdeten Säugetieren der Welt. Sie sind durch Wilderei, den Verlust ihres Lebensraums und den illegalen Handel bedroht. Ihre Schuppen und ihr Fleisch werden trotz ihres Schutzstatus auf dem Schwarzmarkt verkauft.
Der neue Fund zeigt, dass selbst kleine Waldgebiete in der Nähe von Menschen für seltene Arten von großer Bedeutung sein können. Insbesondere, wenn lokale Gemeinschaften diese Gebiete als heilige Stätten betrachten und vor der vollständigen Abholzung bewahren.
Das bedeutet nicht, dass der heilige Status an sich schon Schutz garantiert. Der Panchakanya-Wald ist laut Beschreibung der Autoren von menschlicher Infrastruktur umgeben. Doch gerade solche Gebiete können als letzte Zufluchtsorte für scheue Tiere dienen, wenn sie geschützt werden und die Zerstörung ihrer Lebensräume verhindert wird.
Hintergrund
Das Chinesische Pangolin kommt in Süd- und Südostasien vor, ist jedoch schwer zu entdecken. Es ist nachtaktiv, verhält sich heimlich, gräbt Höhlen und hinterlässt meist nur indirekte Spuren.
Für den Schutz solcher Tiere ist es wichtig, nicht nur zu wissen, dass die Art „irgendwo vorkommt“, sondern auch zu verstehen, in welchen konkreten Gebieten sie noch erhalten ist. Ohne diese Informationen ist es schwierig, den Schutz der Wälder zu planen, die Wilderei zu bekämpfen und den Anwohnern zu erklären, warum dieses Tier wichtig ist.
Im Fall des Sunsari gab es zuvor Berichte und Anzeichen, die den Spuren eines Pangolins ähnelten. Doch die Fotofalle lieferte einen zuverlässigeren Beweis: Das Tier kommt tatsächlich in diesem Gebiet vor.
Quelle
Studie: Tujin Rai et al., „The sacred forest’s secret: first camera-trap evidence of the Chinese pangolin in Sunsari district, Nepal“, Zeitschrift Oryx, 2026.