In den Knochen von Säbelzahntigern wurden Spuren von Inzucht gefunden

Lendenwirbel HC 12233. Die linke Seite des Foramens, durch das der Nerv verläuft, ist erweitert. Der blaue Pfeil zeigt auf eine Höhle im Knochen, die nach Ansicht der Forscher von einem Tumor zurückblieb, der in diesem Bereich wuchs und das Knochengewebe nach und nach zerstörte. Foto: Dr. Hugo Schmökel.

Wissenschaftler untersuchten Tausende von Knochen von Säbelzahn-Tigern aus den berühmten La-Brea-Teergruben in Kalifornien und stellten eine ungewöhnlich hohe Anzahl angeborener Wirbelsäulenfehlbildungen fest. Zudem wurden bei einigen Tieren Spuren seltener Nerventumoren festgestellt.

Die Forscher vermuten, dass der Bestand dieser Raubtiere kurz vor ihrem Aussterben stark zurückgegangen war. Aus diesem Grund könnten sich die Tiere zunehmend mit nahen Verwandten gekreuzt haben. Die Wissenschaftler selbst betonen jedoch: Bislang handelt es sich lediglich um eine wissenschaftliche Hypothese, die noch überprüft werden muss.

Was die Wissenschaftler gefunden haben

Die Forscher untersuchten 3.722 Wirbel, die von mindestens 849 erwachsenen Säbelzahn-Tigern stammten.

Es stellte sich heraus, dass bei vielen Tieren die Wirbelsäule fehlerhaft ausgebildet war:

  • 32 Wirbel waren unterentwickelt;
  • 48 waren miteinander verwachsen;
  • 226 wiesen eine ungewöhnliche Struktur auf.

Solche Anomalien sind an sich keine Seltenheit, doch ihre große Anzahl innerhalb einer Population veranlasste die Wissenschaftler, über mögliche genetische Probleme nachzudenken.

Bei einigen Tieren könnten Tumore vorgelegen haben

Ein noch ungewöhnlicherer Befund waren drei Wirbel mit charakteristischen Veränderungen des Knochengewebes.

Nach Ansicht der Forscher könnten solche Veränderungen durch langsam wachsende Tumore der Spinalnerven verursacht worden sein. Diese verursachen starke Schmerzen und können in schweren Fällen die Funktion der Gliedmaßen beeinträchtigen.

Hätten die Tiere tatsächlich solche Tumore gehabt, wäre es für sie wesentlich schwieriger gewesen, zu jagen.

Warum dies mit Inzucht zusammenhängt

Wenn die Population der Tiere stark schrumpft, wird es schwieriger, einen nicht verwandten Partner zu finden. Infolgedessen steigt die Wahrscheinlichkeit von Inzucht.

Dies kann zur Anhäufung schädlicher genetischer Veränderungen, zu einer Zunahme angeborener Defekte und zu einer Verschlechterung der Gesundheit der Nachkommen führen.

Ähnliche Probleme lassen sich heute bei einigen kleinen und isolierten Wildtierpopulationen beobachten.

Die Autoren der Studie betonen, dass Inzucht höchstwahrscheinlich nicht die Ursache für das Aussterben der Säbelzahnkatzen war.

Ihrer Ansicht nach schrumpfte die Population zunächst aufgrund anderer Faktoren – Klimawandel, Verschwinden der Beutetiere oder anderer Ursachen. Genetische Probleme könnten erst später aufgetreten sein und die Tiere zusätzlich geschwächt haben.

Zudem ist der Zusammenhang zwischen den festgestellten Anomalien und Inzucht bislang nicht bewiesen. Dazu wäre eine Untersuchung der alten DNA erforderlich.

Warum dies wichtig ist

Die Studie zeigt, dass vom Aussterben bedrohte Arten nicht nur mit Nahrungsmangel oder dem Klimawandel konfrontiert sein können, sondern auch mit den Folgen eines Bestandsrückgangs.

Wenn die Anzahl der Tiere zu gering wird, nimmt die genetische Vielfalt ab und das Risiko für Erbkrankheiten steigt. Genau aus diesem Grund bleibt die Erhaltung großer, stabiler Populationen eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Schutz seltener Arten.

Quelle

Zeitschrift: Frontiers in Veterinary Science (2026).