Neugierige Kollegen provozieren Stress - Wissenschaftler
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Neugierde im Büro als versteckte Bedrohung.
Fast jeder ist ihnen schon begegnet - aufdringlichen Kollegen, die über ihre Schulter hinweg vom Bildschirm ablesen, unangemessene Fragen stellen oder unerwartet bei privaten Gesprächen auftauchen. Diese Verhaltensweisen sind nicht nur lästig - sie können das psychische Wohlbefinden der Mitarbeiter untergraben.
Eine Studie von Richard A. Curry, außerordentlicher Professor für Organisationspsychologie an der Boston University, hat zum ersten Mal eine klare Definition von "Neugier im Büro" gegeben und ein Instrument zu ihrer Messung entwickelt. Dem Wissenschaftler zufolge gab es bisher in der Wissenschaft keine klare Möglichkeit, zu bestimmen, wo die Grenze zwischen freundschaftlichem Engagement und der Verletzung persönlicher Grenzen verläuft.
"Wir alle waren schon einmal in Situationen, in denen sich jemand berechtigt fühlte, sich in unsere Gefühle und persönlichen Umstände einzumischen", bemerkt Curry.
Die Studie basiert auf einer Umfrage unter 350 jungen Erwachsenen und einer Reihe von vier Forschungsarbeiten, die im Journal of Business and Psychology veröffentlicht wurden und von Mark G. Ehrhart von der University of Central Florida mitverfasst wurden. Die Wissenschaftler identifizierten wiederkehrende Merkmale lästigen Verhaltens, die von aufdringlichen Fragen über Tratsch bis hin zum Eindringen in die Privatsphäre reichen.
Das Ergebnis war eine Skala für Neugier im Büro, die in zwei Typen unterteilt wurde: beruflich (Fragen zum Arbeitsablauf stellen) und persönlich (versuchen herauszufinden, was außerhalb des Büros vor sich geht).
"Es ist wichtig zu verstehen, dass Neugier nicht nur ein Verhalten ist, sondern auch eine Wahrnehmung. Verschiedene Menschen reagieren unterschiedlich empfindlich auf das Eindringen in ihren persönlichen Raum", erklärt Curry.
Zum ersten Mal wurde eine strenge Definition des Phänomens vorgeschlagen: "Neugier im Büro ist der zwanghafte Versuch von Mitarbeitern, persönliche Informationen über andere am Arbeitsplatz zu erhalten."
Die Ergebnisse der Phasen drei und vier der Studie zeigten, dass übermäßige Neugier zu erhöhtem Stress, geringerer Produktivität und beeinträchtigtem Wissensaustausch zwischen Kollegen führt. Menschen, die mit Neugierde konfrontiert werden, beginnen eher, Informationen zurückzuhalten und sich vom Team abzuschotten.
Es wurde auch festgestellt, dass in Unternehmen, in denen ein starker Wettbewerb zwischen den Mitarbeitern herrscht, das Ausmaß der Neugierde deutlich höher ist. Interessanterweise zeigten jüngere Mitarbeiter eher ein neugieriges Verhalten als ihre reiferen Kollegen.
Curry hat seine Neugierskala bereits auf das Gaststättengewerbe angewandt und untersucht, wie sich das Interesse eines Vorgesetzten am Privatleben auf die Wahrnehmung von Fairness und die Motivation der Mitarbeiter auswirkt.
"Wir haben festgestellt, dass die wahrgenommene Neugier des Vorgesetzten das Gefühl der fairen Behandlung und damit die Bereitschaft, Wissen zu teilen, verringert", sagt der Forscher. Aufrichtigkeit und Vertrauen seitens der Vorgesetzten könnten diesen Effekt jedoch abschwächen.
Die Studie bietet noch keine spezifischen Strategien zum Schutz vor "Bürospionen", aber sie macht deutlich: Das Problem ist real, und es ist gefährlich, es zu ignorieren.
"Wir alle sind von Natur aus neugierig. Ich selbst ertappe mich manchmal dabei, dass ich mehr über Menschen wissen will, als ich muss. Aber jetzt bin ich aufmerksamer gegenüber meinen eigenen Impulsen", gibt Currie zu.
Lesen Sie mehr: Richard A. Currie et al, Mind Your Own Business: Developing and Validating the Workplace Nosiness Scale, Journal of Business and Psychology (2025).DOI: [10.1007/s10869-025-10018-7]
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Maria Grynevych, Projektmanagerin, Journalistin, Mitautorin des Reiseführers Heilige Berge der Dnjepr-Region, Vortragskurs: Kultische Topographie der mittleren Dnjepr-Region.












