PRIO-Studie: 2024 war eines der blutigsten Jahre seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs
Die Welt erlebt eine Welle der Gewalt wie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr.
Einem neuen Bericht des norwegischen Friedensforschungsinstituts (PRIO) zufolge wird es im Jahr 2024 in 36 Ländern 61 staatlich organisierte bewaffnete Konflikte geben - so viele wie noch nie in den letzten sieben Jahrzehnten.
"Dies ist nicht nur ein Anstieg, sondern eine strukturelle Verschiebung. Die Welt ist viel fragmentierter und gewalttätiger geworden als noch vor einem Jahrzehnt", so die Autorin des Berichts und PRIO-Forschungsdirektorin Siri Aas Rustavd. Sie betont: Jetzt ist nicht die Zeit für die USA oder eine andere globale Macht, sich von der internationalen Bühne zurückzuziehen. "Isolationismus vor dem Hintergrund wachsender Gewalt wäre ein tragischer Fehler mit langfristigen Folgen für das Leben von Millionen von Menschen."
Der Bericht stützt sich auf Daten des Uppsala Conflict Data Programme. Die Zahl der Menschen, die im Jahr 2024 bei Kämpfen getötet werden, liegt bei etwa 129.000 - genau wie im Jahr 2023. Dies liegt deutlich über dem Durchschnitt der letzten dreißig Jahre und macht 2024 zur vierthöchsten Zahl von Todesopfern seit dem Ende des Kalten Krieges.
Die Ukraine (76.000 Tote durch die russische Aggression) und der Gazastreifen (26.000 Tote) bleiben die Hauptbrennpunkte. Die Forscher betonen jedoch, dass auch die Zunahme interner Konflikte in einzelnen Ländern alarmierend ist. Mehr als die Hälfte der Staaten mit bewaffneten Auseinandersetzungen sind mit zwei oder mehr Konflikten gleichzeitig konfrontiert. Neun Länder haben drei oder mehr.
"Konflikte sind nicht mehr isoliert. Sie sind vielschichtig, länderübergreifend und immer schwieriger zu beenden", sagte Rustavd. "Es ist ein Fehler zu glauben, dass die Welt sich einfach abwenden kann. Egal, ob Präsident Trump oder ein anderer an der Macht ist, die globale Solidarität jetzt aufzugeben, würde bedeuten, genau die Stabilität aufzugeben, die die USA nach 1945 mit aufgebaut haben."
Radikale Organisationen bleiben ein wichtiger Faktor für die Eskalation. der "Islamische Staat" operiert weiterhin in 12 Ländern, und die afrikanische Gruppe JNIM (Jamaat Nusrat al-Islam wal-Muslimin) hat ihre Präsenz 2024 auf fünf westafrikanische Staaten ausgeweitet.
Afrika bleibt auch 2024 die konfliktreichste Region mit 28 bewaffneten Zusammenstößen, fast doppelt so viele wie vor zehn Jahren. Es folgen Asien (17 Konflikte), der Nahe Osten (10), Europa (3) und beide Amerikas (2).
Die Autoren betonen: Das globale Sicherheitssystem platzt aus allen Nähten. Ohne aktives internationales Engagement und koordinierte Anstrengungen werden die Risiken für die Zivilbevölkerung, die regionale Stabilität und die globale Ordnung nur noch zunehmen.