schon vor 1400 Jahren ließen sich Kinder tätowieren - und das ist nicht ungewöhnlich

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In Nubien gefundene Tätowierungen von Säuglingen: die Rolle des Christentums und der Medizin
Mary Nguyen. 2025 UMSL
22:00, 23.12.2025

Archäologen fanden Tätowierungen auf Babys im Niltal.



Archäologen und Bioarchäologen haben ein unerwartetes Detail des Alltagslebens im mittelalterlichen Nubien entdeckt: Sogar Babys und Kleinkinder waren tätowiert, oft im Gesicht. Diese Entdeckung wurde bei einer systematischen Untersuchung von Überresten aus dem Niltal im heutigen Sudan gemacht.

Das von Anna Austin geleitete Forschungsteam untersuchte zusammen mit Brenda Baker und Tatjana Jovanovic 1.048 menschliche Überreste aus drei Fundstätten - Semna South, Qinifab School und Kulubnarti - aus der Zeit von etwa 350 v. Chr. bis 1400 n. Chr.. Ein wichtiges Hilfsmittel war die multispektrale Bildgebung (einschließlich Nahinfrarot), die es ermöglicht, die Zeichnungen unter der Hautoberfläche zu "beleuchten": Auf dunklem oder stark gealtertem Gewebe können Tätowierungen für das normale Auge kaum zu erkennen sein.

Was sie sehen konnten

Mit Hilfe der neuen Technik identifizierte das Team Tätowierungen bei 27 Personen, von denen 25 den Forschern zuvor unbekannt waren. Damit hat sich die Zahl der dokumentierten Fälle von Tätowierungen im Niltal fast verdoppelt (zuvor gab es etwa 30 bekannte Beispiele).

Die Tätowierungen wurden bei Menschen unterschiedlichen Geschlechts und Alters gefunden, von Säuglingen bis zu älteren Menschen. Das Kulubnarti-Denkmal, das mit der christlichen Periode in Verbindung gebracht wird, sticht hervor: Tätowierungen waren hier viel weiter verbreitet, und einige der Motive könnten kreuzförmigen Zeichen auf der Stirn geähnelt haben.

Eine weitere Überraschung ist das Alter: Forscher berichten von möglichen Tätowierungsspuren bei einem Kind unter einem Jahr und von Fällen von Tätowierungen bei Kindern unter 3 Jahren. Darüber hinaus zeigen einige Überreste Anzeichen einer "Überlagerung" von neuen Motiven über alte - dies könnte bedeuten, dass die Tätowierung selbst bei sehr jungen Kindern wiederholt wurde.

Warum das Christentum die Schuld trägt

Nach Ansicht der Autoren deuten die Verteilung und der Stil der Motive auf einen kulturellen Wandel hin. In früheren Traditionen waren Tätowierungen, den Beschreibungen nach zu urteilen, eher verdeckt und oft mit weiblichen Praktiken verbunden. Und in der christlichen Ära in Kulubnarti werden die Tätowierungen so sichtbar wie möglich - auf der Stirn, den Schläfen und den Wangen - und wurden wahrscheinlich schneller ausgeführt: Die Form der Zeichen deutet auf einzelne Einstiche mit einem scharfen Instrument (bis hin zu einer "Messerspitze") hin, was bei der Arbeit mit unruhigen Kindern praktischer ist.

Schutzsymbol oder "Volksmedizin"?

Die Autoren diskutieren auch eine praktische Erklärung: Gesichtstätowierungen könnten eine schützende/medizinische Funktion erfüllen. Insbesondere aufgrund ihrer Lokalisierung auf dem Kopf und ihrer Häufigkeit bei Kindern wird eine Verbindung zu Symptomen wie Kopfschmerzen und hohen Temperaturen (die z.B. für Malaria und andere Infektionen charakteristisch sind) vorgeschlagen.

Myroslav Tchaikovsky
schreibt über Archäologie bei SOCPORTAL.INFO

Unabhängiger Forscher, der sich für Archäologie und sakrale Geografie interessiert. Er erforscht diese Themen und schreibt über sie.

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