Sie glaubten in ihrer Jugend an Gott - und fühlen sich jetzt einsam: Überraschende Ergebnisse einer Studie

Jugendliche, die transformative religiöse oder spirituelle Erfahrungen gemacht haben, nehmen im Erwachsenenalter mit größerer Wahrscheinlichkeit aktiv am gesellschaftlichen Leben teil - berichten aber auch von einem höheren Maß an Einsamkeit.

Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der University of North Carolina in Charlotte in Zusammenarbeit mit dem Human Thriving Programme der Harvard University.

Die neue Studie, die in der Zeitschrift Stress and Health veröffentlicht wurde, basiert auf Daten der groß angelegten National Adolescent to Adult Transition Study (Add Health). Die Teilnehmer waren 10.529 Personen, die von 1994 bis 2008 beobachtet wurden.

Es ist bereits bekannt, dass die Teilnahme an religiösen oder spirituellen Praktiken häufig mit einem besseren Wohlbefinden und einem niedrigeren Stressniveau verbunden ist. Die Rolle spezifischer, zutiefst persönlicher, transformativer Erfahrungen in der Adoleszenz war jedoch lange Zeit nicht ausreichend erforscht.

Die Forscher haben sich auf Jugendliche konzentriert, die solche Erfahrungen im Alter zwischen 15 und 18 Jahren gemacht haben. Sie machten etwa 17 Prozent der Gesamtteilnehmerzahl aus. Bei dieser Gruppe war die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie als Kinder finanzielle Schwierigkeiten in der Familie, angespannte Beziehungen zu den Eltern, schlechtere schulische Leistungen und ein höheres Maß an Depressionen erlebt hatten.

Trotz ihrer Verwundbarkeit in der Jugend zeigten diese Teilnehmer im frühen Erwachsenenalter (etwa im Alter von 25 Jahren) eine höhere Neigung, sich freiwillig zu engagieren und an Wahlen teilzunehmen, als diejenigen, die keine derartigen Erfahrungen gemacht hatten. Gleichzeitig, so die Autoren, schienen religiöse Erfahrungen ein Gefühl von Sinn und den Wunsch, Gutes in der Gemeinschaft zu tun, zu fördern.

Es wurde jedoch auch der gegenteilige Effekt beobachtet: Junge Erwachsene, die in ihrer Jugend transformative spirituelle Erfahrungen gemacht hatten, berichteten eher über Gefühle der Einsamkeit. Weniger starke, aber immer noch bemerkenswerte Zusammenhänge wurden auch mit Anzeichen einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD), einer schlechteren Selbsteinschätzung der Gesundheit, Symptomen von Depressionen, funktionellen Einschränkungen und einem erhöhten Risiko für Diabetes und Medikamentenmissbrauch festgestellt.

Selbst nach Berücksichtigung einer Reihe sozialer und verhaltensbezogener Faktoren blieben wichtige Zusammenhänge zwischen religiösen Erfahrungen in der Jugend und freiwilligem Engagement, Wahlverhalten und Einsamkeit im Erwachsenenalter bestehen.

Die Autoren der Studie kommen zu dem Schluss, dass solche transformativen Erfahrungen ein zweischneidiges Schwert sind: Sie können entweder eine Ressource für aktives bürgerschaftliches Engagement sein oder einen Rückstand an psychologischer Verletzlichkeit hinterlassen.

Die Wissenschaftler betonen, wie wichtig es ist, die Prozesse der Sinngebung für solche Erfahrungen und ihre Integration in die Persönlichkeit weiter zu erforschen.