Spinnengift könnte als Waffe gegen die Zecke dienen, die Bienen tötet

Eine Varroamilbe auf einer Honigbiene. Dieser Parasit schwächt die Bienen und kann zum Untergang von Bienenvölkern beitragen. Bildquelle: Pixabay / CC0 Public Domain.

Wissenschaftler haben einen unerwarteten Weg gefunden, einen der gefährlichsten Feinde der Honigbienen zu bekämpfen – die Varroamilbe (Varroa destructor). Dieser Parasit lebt auf den Bienen, schwächt sie und begünstigt die Ausbreitung von Viren, wodurch ganze Bienenvölker zugrunde gehen können.

Eine neue Studie hat gezeigt: Das Gift einiger Spinnen enthält Substanzen, die in Labortests Varroamilben abtöten können, ohne dabei den Bienen selbst zu schaden.

Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „npj Drug Discovery“ veröffentlicht.

Allerdings handelt es sich dabei noch nicht um ein einsatzbereites Mittel für Bienenstöcke. Die Wissenschaftler haben vielversprechende Moleküle identifiziert, die noch in befallenen Bienenstöcken und unter realen Bedingungen getestet werden müssen.

Was ist die Varroamilbe?

Die Varroamilbe (Varroa destructor) ist ein kleiner Parasit, stellt jedoch für die Imkerei ein enormes Problem dar. Sie heftet sich an die Bienen, ernährt sich von deren Gewebe und schwächt die Insekten.

Besonders gefährlich ist, dass die Varroamilbe Viren übertragen kann. Wenn sich zu viele Milben im Bienenstock ansammeln, wird das Bienenvolk geschwächt und kann zugrunde gehen.

Derzeit werden gegen die Varroamilbe spezielle chemische Mittel – Akarizide – eingesetzt. Mit der Zeit entwickeln die Milben jedoch eine Resistenz, weshalb ältere Präparate möglicherweise weniger wirksam sind. Zudem können chemische Mittel Rückstände im Wachs und in den Imkereiprodukten hinterlassen.

Was die Wissenschaftler unternommen haben

Die Forscher untersuchten 50 Gifte von Arthropoden – hauptsächlich von Spinnen und Skorpionen. Sie trugen diese Gifte direkt auf die Varroamilben auf und beobachteten, was geschah.

Das Ergebnis war beeindruckend: 78 % der getesteten Gifte führten nach 24 Stunden zu einer 100-prozentigen Sterblichkeitsrate der Milben. Anschließend wählten die Wissenschaftler die beiden vielversprechendsten Spinnengifte aus und untersuchten diese genauer.

Schließlich isolierten sie zwei Wirkstoffe – Peptide. Das eine gewannen sie aus dem Gift der tasmanischen Höhlenspinne Hickmania troglodytes, das zweite aus dem Gift der japanischen Riesen-Trichternetzspinne Gigathele gigas. Diese Peptide wurden als Ht1a und Gg1a bezeichnet.

Warum dies wichtig ist

Die wichtigste Erkenntnis besteht darin, dass diese beiden Peptide die Milben abtöteten, ohne jedoch die Überlebensrate der Honigbienen in Labortests zu beeinträchtigen. Das heißt, sie wirkten selektiv: Sie waren für den Parasiten gefährlich, nicht jedoch für den Wirt.

Dies ist besonders wichtig, da sich die Varroamilbe fast die gesamte Zeit direkt auf der Biene befindet. Daher muss ein Mittel gegen die Milbe stark genug sein, um den Parasiten abzutöten, ohne dabei die Biene zu schädigen.

Sollten weitere Untersuchungen dieses Ergebnis bestätigen, könnten solche Peptide die Grundlage für eine neue Art der Bienenstockbehandlung bilden.

Einfach ausgedrückt: Was wurde entdeckt?

Die Wissenschaftler schlagen nicht vor, die Bienenstöcke mit Spinnengift zu füllen.

Sie haben im Spinnengift einzelne kleine Moleküle – Peptide – entdeckt. Genau diese Moleküle könnten die Grundlage für ein zukünftiges Präparat bilden.

Es geht also nicht um das Gift selbst als fertiges Mittel, sondern um bestimmte Substanzen, die separat untersucht, gereinigt, dosiert und getestet werden können.

Warum dies umweltfreundlicher sein könnte

Die Autoren weisen darauf hin, dass solche Peptide vollständig biologisch abbaubar sind. Das bedeutet, dass sie langfristig eine schonendere Alternative zu bestimmten chemischen Mitteln gegen Milben darstellen könnten.

Doch bislang handelt es sich nur um eine Perspektive. Um von tatsächlicher Sicherheit sprechen zu können, muss geprüft werden, wie sich die Substanz im Bienenstock verhält, ob sie sich im Wachs und im Honig anreichert und wie sie auf Larven, die Königin, Arbeiterbienen und andere Insekten wirkt.

Was noch zu prüfen ist

Der nächste Schritt sind Versuche an Bienen, die tatsächlich von Milben befallen sind, und anschließend in echten Bienenstöcken.

Ein Labortest ist nur ein erster Filter. In einem echten Bienenstand ist die Situation weitaus komplexer: Temperatur, Luftfeuchtigkeit, das Verhalten der Bienen, die Anzahl der Milben, die Art der Anwendung des Wirkstoffs und die Wirkdauer können das Ergebnis stark beeinflussen.

Daher ist es verfrüht zu behaupten, dass „Spinnengift die Bienen bereits retten wird“.

Hintergrund

Bienen sind nicht nur für die Honigproduktion wichtig. Sie bestäuben Pflanzen, von denen die Landwirtschaft und die Lebensmittelproduktion abhängen. Daher sind Krankheiten und Parasiten der Honigbienen nicht nur ein Problem für Imker, sondern auch für die Ernährungssicherheit.

Die Varroamilbe ist nach wie vor einer der Hauptfaktoren für den Verlust von Bienenvölkern in vielen Ländern. Daher suchen Wissenschaftler nach neuen Methoden zu ihrer Bekämpfung: präzisere, weniger toxische und solche, an die sich die Milben nicht so schnell gewöhnen können.

Quelle

Studie: Volker Herzig et al., „Spider venom peptides Ht1a and Gg1a are toxic to honeybee parasite Varroa destructor by topical application“, npj Drug Discovery, 2026.