Studie: Musiker sind besser darin, blind zu navigieren
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Ausgiebiges Musiktraining kann das Gefühl für den eigenen Körper im Raum verbessern - selbst wenn man blind läuft.
Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Forscherteam unter der Leitung der Universität von Montreal. Ihre Arbeit wurde in der Zeitschrift Cortex veröffentlicht.
Was die Wissenschaftler untersuchten
Die räumliche Wahrnehmung ermöglicht es uns:
uns in einem Raum zu orientieren,
geradeaus zu gehen,
uns in die richtige Richtung zu drehen,
uns zu erinnern, wo wir sind.
Dafür ist eine interne "Körperkarte" verantwortlich - das Gehirn kombiniert Signale vom Sehen, vom Tastsinn und vom vestibulären System. Auch der Klang ist Teil dieses Systems und hilft bei der Orientierung, wenn das Sehen eingeschränkt ist.
Musikalisches Üben ist ein ständiges Arbeiten mit mehreren Sinnen gleichzeitig:
gehör (genaue Unterscheidung von Tonhöhe, Lautstärke, Klangfarbe),
berührung und Bewegung,
sehen,
aufmerksamkeit und Gedächtnis.
Es hat sich bereits gezeigt, dass Musiker eine bessere Entwicklung einiger kognitiver und räumlicher Fähigkeiten aufweisen. In der neuen Studie wurde getestet, ob sich dies in der tatsächlichen Körperbewegung im Raum manifestiert.
Das Experiment: blind auf der Stelle treten
An der Studie nahmen zwei Gruppen von 19 Personen teil:
musiker mit 6 bis 28 Jahren Studium und zwischen 3 und 50 Stunden Übung pro Woche;
nicht-Musiker, die nicht ernsthaft Musik studiert hatten.
Alle hatten ein normales Gehör und eine normale vestibuläre Funktion.
Es wurde der klassische Fukuda-Unterberger-Test verwendet:
den Teilnehmern wurden die Augen verbunden;
sie wurden aufgefordert, 60 Sekunden lang mit 2 Schritten pro Sekunde auf der Stelle zu treten;
sie wussten nicht, wie der Raum aussah;
sie wurden angewiesen, "an Ort und Stelle und in der gleichen Richtung zu bleiben", obwohl dieser Test fast immer zu einer unbemerkten Umkehrung und Seitwärtsbewegung führt.
Bei einem Teil der Experimente wurde ein auditiver Orientierungspunkt hinzugefügt - ein stimmliches Testsignal aus einem Lautsprecher vor dem Teilnehmer, in einem Winkel von 0°, 45° oder 90°.
Nach jedem Durchlauf haben wir gemessen:
die lineare Verschiebung vom Referenzpunkt,
den Drehwinkel,
den Winkel der Abweichung relativ zur Schallquelle (falls vorhanden).
Was zu sein schien
Kein Ton:
der Drehwinkel unterschied sich im Durchschnitt nicht zwischen Musikern und Nicht-Musikern;
aber die Musiker entfernten sich weniger vom Ausgangspunkt: der Medianwert der Abweichung lag bei 95 cm im Vergleich zu 142 cm bei der Kontrollgruppe.
Mit Ton:
die Gesamtgrößen von Drehung und Verschiebung waren ähnlich;
aber die Musiker waren genauer in ihrer Ausrichtung auf den Schall - sie hatten in allen Positionen (0°, 45°, 90°) weniger Fehler im Winkel relativ zur Schallquelle.
Die Autoren führen dies auf die Tatsache zurück, dass Musiker:
die somatosensorische Sensibilität (Sinn für die Körperposition) besser entwickelt ist,
der Klang als genauerer "Anker" im Raum verwendet wird.
Mögliche medizinische Anwendungen
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass längeres Musiktraining:
die Wahrnehmung der Körperposition im Raum verbessern kann,
zu einem festeren Stand und einer stabileren Bewegung verhilft,
eine bessere Nutzung von auditiven Orientierungspunkten.
Dies ist vielversprechend für:
rehabilitationsprogramme für sturzgefährdete Patienten,
gleichgewichts- und Gehtraining,
kognitive Rehabilitation, bei der räumliche Fähigkeiten wichtig sind.
Die Wissenschaftler betonen, dass weitere Studien mit größeren Stichproben und Trainingsprogrammen für Nicht-Musiker erforderlich sind, um die Kausalität und die für den Effekt erforderliche Mindesttrainingsdauer zu testen.
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Maria Grynevych, Projektmanagerin, Journalistin, Mitautorin des Reiseführers Heilige Berge der Dnjepr-Region, Vortragskurs: Kultische Topographie der mittleren Dnjepr-Region.












