Was im Gehirn passiert, wenn wir lesen: in einfachen Worten

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Ist Lesen ein Sport für das Gehirn? Das hat die Forschung gezeigt
01:00, 09.05.2025

Was passiert im Gehirn, wenn wir lesen?



Warum ist das Gehirn so geschickt beim Lesen - von einzelnen Buchstaben bis hin zu dicken Romanen? Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften wollten das herausfinden und führten eine groß angelegte Meta-Analyse von 163 neurowissenschaftlichen Studien durch. Das Ergebnis ist eine detaillierte "Landkarte" des lesenden Gehirns und neue Erkenntnisse, die unser Verständnis dieses Prozesses verändern.

Details: Sabrina Turker et al, The 'reading' brain: Meta-analytic insights into functional activation during reading in adults, Neuroscience & Biobehavioral Reviews (2025). DOI: 10.1016/j.neubiorev.2025.106166.

🫆 Das Gehirn schaltet auf "Lesemodus"

Wenn wir lesen, werden nicht nur die üblichen Sprachareale in der linken Hemisphäre aktiviert, sondern auch das Kleinhirn, das bisher kaum mit dem Lesen in Verbindung gebracht wurde. Bei Buchstaben ist ein kleines Gebiet im Okzipitallappen beteiligt, aber Wörter, Sätze und Texte sind komplexer. Die Bereiche des frontalen und temporalen Kortex, die für das Verständnis von Bedeutung und Kontext zuständig sind, sind miteinander verbunden.

📖 Vorlesen vs. Selbstlesen

Auch die Art und Weise, wie Sie lesen, beeinflusst die Arbeitsweise Ihres Gehirns. Beim lauten Lesen sind die Bereiche, die für Sprache und Bewegung zuständig sind, aktiv - schließlich artikulieren wir und hören. Und wenn wir "still lesen" (vor uns selbst), werden die Bereiche der Aufmerksamkeit und des inneren Dialogs aktiviert. Lesen ist also gar nicht so "still".

🧩 Pseudowörter und Gehirnakrobatik

Interessanterweise arbeitet das Gehirn anders, wenn es auf "Pseudowörter" stößt - wie "schlagen" oder "Grinzer". Solche Wörter lösen keine Assoziationen aus, und das Gehirn muss ungewöhnliche Verarbeitungswege nutzen. Besonders auffällig ist dies in den Bereichen, die für die Erkennung von Formen und Klängen zuständig sind.

🧠 Beim Lesen geht es nicht nur um Sprache

Die Autoren betonen: Lesen ist nicht ausschließlich eine sprachliche Funktion. Es ist ein komplexer neuronaler Prozess, der Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Motorik, Gehör und sogar Entscheidungsfindung umfasst. Überraschenderweise sind beim Lesen die gleichen Bereiche aktiv wie beim Lösen logischer Probleme.

👀 Comics lesen = multisensorische Belastung

Comics kombinieren Text, Bild, räumliche Struktur und oft emotionale visuelle Hinweise (Rückblenden, Gesichtsausdrücke, Klangimitationen). Dies bedeutet, dass:

  • Bereiche, die für Sprache zuständig sind (linke Hemisphäre, insbesondere temporaler und frontaler Kortex), verarbeiten Text;

  • Visuelle Bereiche (okzipitaler Kortex) analysieren Farben, Formen und Bewegungen;

  • Semantische Bereiche bringen die Bedeutung des Bildes mit den Zeilen in Verbindung;

  • Die Frontallappen helfen bei der Interpretation der Abfolge von Ereignissen (Bild für Bild).

🎭 Das Gehirn "spielt Theater"

Da Comics vom Leser oft verlangen, dass er zwischen den Panels "Sinn macht", werden die Vorstellungskraft und die Theory of Mind (das Verstehen der Absichten der Figuren) aktiviert, so dass auch der mediale präfrontale Kortex aktiv ist.

🗯 Emotionen + visuelles Denken

Laute Worte wie BAM! oder AAAA! werden von emotional geladenen Bildern begleitet. Dies aktiviert die Amygdala und die visuelle Emotionserkennungszone, so dass das Lesen von Comics dem Erleben eines Films näher kommt als einem normalen Buch.

🧒 Warum nehmen Kinder Comics besser wahr?

Kinder verfügen noch nicht über ein voll entwickeltes Sprachverarbeitungssystem, so dass die visuellen Hinweise in Comics helfen, dies zu kompensieren. Deshalb sind Comics ein leistungsfähiges Instrument für den Leseunterricht, insbesondere bei Legasthenie.

📚 Warum es gebraucht wird

Diese Erkenntnisse sind besonders wichtig für das Verständnis von Störungen wie Legasthenie. Je mehr wir darüber wissen, wie das "gesunde" Gehirn beim Lesen arbeitet, desto genauer können wir Hilfs- und Trainingsprogramme für Menschen mit Schwierigkeiten entwickeln.

Maria Grynevych

Maria Grynevych, Projektmanagerin, Journalistin, Mitautorin des Reiseführers Heilige Berge der Dnjepr-Region, Vortragskurs: Kultische Topographie der mittleren Dnjepr-Region.

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