Wissenschaftler haben entdeckt, dass Antidepressiva krebshemmende Eigenschaften haben
Die moderne Medizin hat bei der Behandlung verschiedener Krebsarten große Fortschritte gemacht, aber einige Tumore sind nach wie vor schwer zu heilen. Ein solcher aggressiver Krebs ist das Glioblastom, ein Tumor, der das Gehirn befällt.
Eine Studie unter der Leitung von Professor Behrend Sneider von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich hat die überraschenden Eigenschaften des Antidepressivums Vortioxetin entdeckt. Dieses relativ preiswerte Medikament, das in den USA und der EU bereits zur Behandlung von Depressionen eingesetzt wird, könnte sich als vielversprechend im Kampf gegen das Glioblastom erweisen. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Nature Medicine veröffentlicht.
Um diese Eigenschaften zu entdecken, nutzten die Wissenschaftler die Pharmakoskopie-Technologie, eine innovative Plattform zum Testen einer großen Anzahl von Substanzen an lebenden Zellen. Mit dieser Technik testeten die Forscher 130 verschiedene Medikamente, darunter Antidepressiva, Mittel gegen die Parkinson-Krankheit und Antipsychotika, an Tumorgewebe von 40 Glioblastom-Patienten. Die Pharmakoskopie wurde bisher nur bei Blutkrebs eingesetzt, und die neue Studie war die erste erfolgreiche Anwendung der Technik bei soliden Tumoren wie dem Glioblastom.
Die Ergebnisse zeigten, dass Vortioxetin am wirksamsten war. Dieses Antidepressivum aktivierte die Signalkaskaden in den Gehirnzellen, was die Teilung der Tumorzellen verlangsamte und eine positive Wirkung auf die Neuronen hatte. Tests an Mäusen mit Glioblastom bestätigten die Wirksamkeit von Vortioxetin, insbesondere in Kombination mit einer herkömmlichen Chemotherapie.
Einer der Gründe für dieses Ergebnis war die Interaktion zwischen Neuronen und Tumorzellen über eine gemeinsame Signalkaskade, die durch Vortioxetin aktiviert wurde. Diese Entdeckung erklärt, warum einige neuroaktive Medikamente bei der Bekämpfung von Gehirnkrebszellen wirksam sein können.
Trotz der ermutigenden Ergebnisse warnen die Forscher davor, Vortioxetin allein zur Behandlung von Krebs einzusetzen. Bislang wurde das Medikament nur an Zellkulturen und Mäusen getestet, und seine Wirksamkeit beim Menschen erfordert weitere klinische Studien. Die Wissenschaftler planen, klinische Studien an Patienten mit Glioblastom durchzuführen, um die optimale Dosierung zu ermitteln und die Ergebnisse in der Praxis zu bestätigen.