Wissenschaftler haben entdeckt, dass Pflanzen mehr als zwei Geschlechter haben können

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Von Hermaphroditen zu den 'drei Geschlechtern': das geheime Leben der Pflanzen
23:00, 06.01.2026

Sex bei Pflanzen ist viel komplizierter als gedacht



Die meisten Menschen machen sich kaum Gedanken darüber, wie sich Pflanzen genau fortpflanzen. Eine neue wissenschaftliche Erklärung zeigt jedoch das "Sexualleben" der Pflanzen ist viel vielfältiger und komplexer, als man gemeinhin annimmt.

Die Biologin Lila Maladeski erklärte dies in einem Artikel für The Conversation über die Evolution der Sexualsysteme bei Blütenpflanzen.

Die meisten Pflanzen sind "zweibeinig", aber nicht alle

Wissenschaftlern zufolge sind etwa 90 Prozent der blühenden Pflanzen Zwitter - ihre Blüten erfüllen gleichzeitig männliche und weibliche Funktionen. Bei Tomaten zum Beispiel enthält ein und dieselbe Blüte sowohl Pollen als auch einen Fruchtknoten, so dass die Pflanze sich selbst bestäuben kann, ohne dass ihre Nachbarn daran beteiligt sind.

Aber selbst bei diesen Pflanzen gibt es Ausnahmen. Apfelbäume zum Beispiel sind nicht in der Lage, sich selbst zu bestäuben und benötigen eine andere Pflanze, um Früchte zu tragen.

Pflanzen mit einer "Trennung der Geschlechter"

Die verbleibenden etwa 10% der blühenden Pflanzen haben komplexere Fortpflanzungssysteme. Bei einigen Arten existieren männliche und weibliche Blüten getrennt, aber auf derselben Pflanze - solche Pflanzen werden als eingeschlechtlich bezeichnet. Oft öffnen sich diese Blüten zu unterschiedlichen Zeiten, was eine Selbstbestäubung verhindert.

Es gibt auch Pflanzen mit vollständig getrennten Geschlechtern - zweikeimblättrige Arten, bei denen die Individuen entweder "männlich" oder "weiblich" sind. Ein Beispiel dafür sind Weiden, bei denen ein Baum nur Pollen und der andere nur Samen produziert.

Nach Ansicht von Wissenschaftlern hilft diese Trennung, die negativen Auswirkungen der Selbstbestäubung zu vermeiden, die zu geschwächten Nachkommen führen kann.

Zwischenformen und seltene Systeme

Die Forschung zeigt, dass es in der Natur auch seltenere, "Übergangsformen" gibt:

  • androdiesis - wenn Zwitterund Männchen in einer Population vorkommen;

  • gynodien - die Koexistenz von Zwittern und Weibchen;

  • triecy - das gleichzeitige Vorkommen von drei Arten von Individuen: Männchen, Weibchen und Zwitter (Beispiel: Papaya).

Solche Systeme sind selten, aber sie sind wichtig für das Verständnis der Evolution der Fortpflanzung.

Die Evolution des Geschlechts ist ein umkehrbarer Prozess

Wissenschaftler glauben, dass die ersten blühenden Pflanzen Zwitter waren und dass alle anderen Systeme später und unabhängig entstanden sind. Genetische Studien zeigen, dass die Trennung der Geschlechter bei Pflanzen viele Male und in verschiedenen Gruppen auftrat.

Außerdem geht die Evolution nicht immer nur in eine Richtung: Pflanzen können je nach Umweltbedingungen und biologischen Herausforderungen vom Hermaphroditismus zur Geschlechtertrennung und wieder zurück wechseln.

Warum dies für die Wissenschaft wichtig ist

Die Vielfalt der Sexualsysteme bei Pflanzen macht sie zu einem einzigartigen Modell für die Untersuchung der Evolution. Im Gegensatz zu Tieren, bei denen die Trennung der Geschlechter oft über Millionen von Jahren festgeschrieben ist, zeigen Pflanzen Flexibilität und ständigen Wandel.

Den Forschern zufolge gibt es kein "perfektes" Sexualsystem - seine Effizienz hängt immer von der Umwelt, dem Klima und der Überlebensstrategie einer bestimmten Art ab.

Maria Grynevych

Maria Grynevych, Projektmanagerin, Journalistin, Mitautorin des Reiseführers Heilige Berge der Dnjepr-Region, Vortragskurs: Kultische Topographie der mittleren Dnjepr-Region.

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