Die Sonde, die Pluto beobachtet hat, ist nach einem rekordlangen Ruhezustand wieder aufgewacht
Die NASA-Raumsonde „New Horizons“, die der Menschheit im Jahr 2015 erstmals Nahaufnahmen von Pluto lieferte, ist aus dem längsten „Winterschlaf“ in der gesamten Geschichte der Mission erwacht. Die Sonde verbrachte 321 Tage im Energiesparmodus und erwachte in gutem Zustand. Derzeit befindet sie sich etwa 9,5 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt – weit jenseits der Umlaufbahn von Pluto.
Das Wecksignal war fast 9 Stunden lang unterwegs zur Erde. Es wurde über das Fernraumkommunikationsnetzwerk der NASA – das Deep Space Network – empfangen und an die Missionskontrollzentrale im Labor für Angewandte Physik der Johns-Hopkins-Universität weitergeleitet.
Nun wird „New Horizons“ damit beginnen, die Daten zu übermitteln, die es in den äußeren Bereichen des Sonnensystems gesammelt hat. Es handelt sich nicht mehr nur um eine „Pluto-Sonde“: Das Raumfahrzeug hat sich zu einem der am weitesten entfernten Forschungsposten der Menschheit entwickelt.
Details
New Horizons ging am 7. August 2025 in den Ruhemodus über. Es handelte sich dabei weder um eine Störung noch um einen Ausfall, sondern um eine geplante Ressourceneinsparung während des langen Fluges. Solche Phasen sind notwendig, um die Belastung für die Sonde und das Kontrollteam zu verringern, während die Sonde durch nahezu leere Bereiche des Sonnensystems fliegt.
Dabei bedeutet „Ruhezustand“ nicht, dass das Raumfahrzeug vollständig abgeschaltet wurde. Während dieses Modus sendet das Kontrollteam in der Regel keine Befehle und lädt keine Daten herunter, doch die Sonde selbst arbeitet weiterhin nach einem vorab geladenen Programm. Die NASA berichtete, dass „New Horizons“ während dieses rekordverdächtigen Ruhezustands weiterhin geladene Teilchen in der äußeren Heliosphäre und Staub im Kuipergürtel gemessen habe.
Am 23. Juni 2026 bestätigten die Fluglotsen, dass die Sonde den Ruhemodus verlassen hatte. Nach Angaben der NASA waren alle wöchentlichen Statussignale während dieser Ruhephase „grün“ – das heißt, an Bord wurden keine Probleme festgestellt, die ein Eingreifen erforderten.
Was als Nächstes geschieht
Zunächst wird das Team Daten zum Zustand der Sonde selbst erfassen: Wie funktionieren die Systeme, die Stromversorgung, die Kommunikation und die wissenschaftlichen Instrumente? Danach soll „New Horizons“ die gesammelten wissenschaftlichen Daten der drei Instrumente übermitteln.
In den kommenden Wochen wird eines der Instrumente – der UV-Spektrograf „Alice“ – die Verteilung von Wasserstoff in der äußeren Heliosphäre untersuchen. Die anderen Instrumente werden weiterhin den Sonnenwind, energiereiche Teilchen und kosmischen Staub im fernen Kuipergürtel messen.
Einfacher ausgedrückt: Die Sonde untersucht derzeit weder einen Planeten noch ein bestimmtes Objekt, sondern die Umgebung am Rande des Sonnensystems: wie sich dort von der Sonne herkommendes Material verhält, wie viel Staub dort vorhanden ist und was in dem Bereich geschieht, in dem der Einfluss der Sonne allmählich nachlässt.
Warum dies wichtig ist
New Horizons wurde bereits im Januar 2006 gestartet. Sein Hauptziel war Pluto – damals noch eine fast unerforschte Welt am Rande des Sonnensystems. Im Juli 2015 flog die Sonde durch das Pluto-System und übermittelte erstmals detaillierte Aufnahmen sowie Daten über dessen Monde. Die NASA bezeichnet „New Horizons“ als die erste und bislang einzige Mission, die Pluto aus nächster Nähe erforscht hat.
Damit war die Mission jedoch noch nicht beendet. Im Januar 2019 flog New Horizons an Arrokoat vorbei – einem kleinen Objekt im Kuipergürtel. Dies war die erste Naherkundung eines solchen Himmelskörpers in diesem entlegenen Bereich des Sonnensystems.
Der Kuipergürtel ist eine Region jenseits der Neptunbahn, in der sich Eiskörper, Zwergplaneten und Überreste des frühen Sonnensystems befinden. Die NASA beschreibt ihn als einen Bereich, der sich etwa 30 bis 50 Astronomische Einheiten von der Sonne entfernt erstreckt. New Horizons ist derzeit genau in dieser fernen Region im Einsatz.
Warum „New Horizons“ zu einer legendären Mission wurde
Vor „New Horizons“ war Pluto für die Wissenschaft lediglich ein kleines, unscharfes Objekt auf Teleskopaufnahmen. Selbst die besten Bilder zeigten seine Oberfläche nicht im Detail. Der Vorbeiflug der Sonde im Jahr 2015 veränderte das Bild schlagartig: Die Wissenschaftler sahen Berge, Ebenen, Gletscher, eine Atmosphäre und die komplexe Geologie einer Welt, die lange Zeit als fast gefrorener Randbereich des Sonnensystems galt.
Besonders bekannt wurde eine herzförmige Region auf der Oberfläche von Pluto – Sputnik Planitia. Wichtiger als das „Herz“ selbst war jedoch die allgemeine Erkenntnis: Pluto erwies sich nicht als leblose Eiskugel, sondern als komplexe und aktive Welt.
Nach dem Vorbeiflug an Pluto setzte die Sonde ihre Reise fort – in den Kuipergürtel. Dies macht die Mission besonders wertvoll: „New Horizons“ gelangte an einen Ort, an den die Menschheit bisher kaum wissenschaftliche Instrumente entsandt hatte. Die meisten Raumsonden erforschen das innere Sonnensystem, den Mars, Jupiter, Saturn oder operieren in der Nähe der Erde. New Horizons ist eine der wenigen Sonden, die ihre Forschungen so weit von der Sonne entfernt fortsetzen.
Warum wird die Sonde „in den Ruhezustand versetzt“?
New Horizons verfügt über keine Solarpaneele: So weit von der Sonne entfernt wären diese kaum effizient. Die Sonde wird durch eine radioisotopische Stromquelle mit Energie versorgt. Dies ist ein zuverlässiges System für den fernen Weltraum, doch im Laufe der Jahre nimmt die verfügbare Leistung allmählich ab. Daher muss das Team den Betrieb der Instrumente, die Kommunikation und die Energiesparmodi sehr sorgfältig planen.
Der Ruhemodus trägt dazu bei, die Lebensdauer der Mission zu verlängern. Während dieser Zeit verbraucht die Sonde keine Ressourcen für den vollen Betriebsumfang, behält jedoch die Fähigkeit, wichtige Messdaten zu erfassen und der Erde regelmäßig mitzuteilen, dass alles in Ordnung ist.
Im Fall von „New Horizons“ ist dies besonders wichtig: Je weiter die Sonde sich entfernt, desto länger dauert die Übertragung des Funksignals. Derzeit benötigt selbst eine einfache Bestätigung von der Sonde fast neun Stunden für den Hinweg. Die Steuerung einer solchen Mission gleicht zunehmend weniger einem „lebendigen Dialog“ als vielmehr dem Versenden vorab vorbereiteter Anweisungen an einen sehr weit entfernten Punkt im Weltraum.