Putin greift nicht nur die Ukraine an: ein neuer Krieg - in den sozialen Netzwerken

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Im Jahr 2024 versuchte Putin auch in Rumänien "einzumarschieren" - nicht mit Panzern, sondern über soziale Medien

Die ehemaligen US-Botschafter in Rumänien Mark Gitenstein, Adrian Zuckerman und Jim Rosapepe haben darüber in einem Artikel für Politico geschrieben.

Ihnen zufolge geht der Angriff des Kremls auf die europäische Demokratie über die Ukraine hinaus - und hat sich längst auf den digitalen Raum ausgedehnt.

"Putin gibt Millionen von Dollar für massive Desinformationskampagnen aus, um die europäischen Wähler zu manipulieren", warnen die Diplomaten. Ihrer Ansicht nach ist dies eine neue Form der Kriegsführung, die Angriffe ohne Panzer oder Invasionen ermöglicht.

Nach dem gescheiterten Versuch, Kiew einzunehmen, hat Putin, so die Autoren, eine alte sowjetische Strategie verstärkt - die Zerstörung westlicher Demokratien von innen heraus durch die Unterstützung von Populisten und prorussischen Kräften.

Ein wichtiges Beispiel war der Versuch, die Präsidentschaftswahlen in Rumänien 2024 zu beeinflussen.

"Putin setzte auf Calin Georgescu, einen Kandidaten, den kaum jemand kannte. Aber in nur zwei Wochen gewann er 21 Prozent der Stimmen und schockierte damit die anderen 15 Teilnehmer des Rennens", so die Ex-Botschafter.

Georgescu sagte, er habe weder Spenden gesammelt noch Wahlkampfgelder ausgegeben.

"In der Tat hatte er in der Person von Putin einen mächtigen Gönner", glauben die Autoren.

Sie beschreiben das "Informationsbombardement" der sozialen Medien - TikTok, Telegram und andere Plattformen - als Teil einer leninistischen Strategie zur Untergrabung der Demokratie, die sich auch gegen die Interessen der USA, der NATO und der EU richtet.

Die Intervention wurde dank der gemeinsamen Arbeit von rumänischen und westlichen Geheimdiensten aufgedeckt. Das rumänische Verfassungsgericht hat den ersten Wahlgang wegen Einmischung und Verstößen gegen das Wahlrecht für ungültig erklärt. In der zweiten Runde lag die Wahlbeteiligung bei über 65 Prozent und die Rumänen lehnten den pro-russischen Kandidaten entschieden ab: 54 Prozent gegen 46 Prozent.

"Die Rumänen haben eine historische Entscheidung getroffen: keine Rückkehr zu Moskaus Kontrolle, sondern einen Weg in die Freiheit und ein Bündnis mit den Vereinigten Staaten innerhalb der NATO", schrieben die Diplomaten in einem offenen Brief vor der Abstimmung.

Sie sagten: "Rumänien war Putins nächstes Ziel nach der Ukraine - so wie es einst das Ziel Stalins war."

Die Wahl wurde von dem pro-europäischen Kandidaten Nicusor Dan gewonnen. Der neue US-Präsident Donald Trump hat versprochen, die militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Bukarest zu verstärken.

Dennoch stellen die Autoren einen beunruhigenden Trend fest: Einige westliche Persönlichkeiten flirten weiterhin mit dem Kreml. Dazu gehören der Geschäftsmann Mario Naufal und der Vater von Ilon Musk, die Foren in Moskau besucht haben, sowie die rechtsextremen Kommentatoren Jackson Hinkle und Alex Jones. Dmitri Peskow, Dmitri Medwedew und der "russische Friedens"-Ideologe Alexander Dugin sprachen ebenfalls auf einer der Veranstaltungen.

"Die Schlacht um Rumänien ist gewonnen, aber Putins Krieg gegen die Demokratie geht weiter", schreiben die Autoren.

Ihrer Meinung nach könnten die nächsten Ziele die Wahlen in Moldawien, Estland, Georgien, den Niederlanden und der Tschechischen Republik sein.

"Wir müssen die Einmischung stoppen, bevor die Propaganda Wurzeln schlägt", betonen sie.

Die Schlussfolgerung, zu der die ehemaligen Botschafter kommen, ist eindeutig: Der Cyberspace ist zum neuen Schlachtfeld für die Demokratie geworden. "Putins Taktik erfordert eine entschiedene Gegenwehr nicht nur auf dem Schlachtfeld, sondern auch online", stellen die Autoren fest.

"Die beste Waffe gegen Propaganda ist die Wahrheit. Und der Mut, sie laut auszusprechen", betonen die Diplomaten.