Schon 3.000 Schritte pro Tag reduzieren das Risiko einer Alzheimer-Erkrankung bei älteren Erwachsenen
Schon ein wenig körperliche Aktivität kann das Gehirn vor der Alzheimer-Krankheit schützen - und zwar auf eine ganz andere Weise, als Wissenschaftler erwartet hatten.
Zu diesem Schluss kamen Forscher, die fast 300 ältere Erwachsene mit frühen Anzeichen von neurodegenerativen Veränderungen im Gehirn über einen Zeitraum von neun bis 11 Jahren beobachtet haben, berichtet The Conversation.
Alle Studienteilnehmer trugen Schrittzähler, um die körperliche Aktivität zu verfolgen. Es stellte sich heraus, dass bei denjenigen, die sich mehr bewegten, die Zahl der toxischen Amyloid-Plaques, auf die die meisten aktuellen Alzheimer-Medikamente abzielen, nicht abnahm. Allerdings war bei diesen Menschen die Anhäufung von abnormen Tau-Proteinen, einem weiteren wichtigen Marker der Krankheit, der mit Gedächtnisstörungen und kognitivem Abbau einhergeht, deutlich langsamer.
Aktive Teilnehmer wiesen fast 50 Prozent schwächere Anzeichen von Demenz auf als Menschen mit einem sitzenden Lebensstil. Außerdem zeigte sich der positive Effekt bereits bei 3 Tausend Schritten pro Tag - das entspricht etwa einer halben Stunde Gehen in moderatem Tempo. Das beste Ergebnis wurde bei 5-7,5 Tausend Schritten beobachtet. Höhere Werte brachten keine zusätzlichen Vorteile, so dass das Ziel für ältere und sitzende Menschen durchaus erreichbar ist.
Die Forscher betonen, dass die Stichprobe eine begrenzte Anzahl von Teilnehmern umfasste - überwiegend gebildete weiße US-Bürger - und andere Lebensstilfaktoren wie Ernährung oder Stresslevel nicht berücksichtigt wurden. Dennoch bestätigen die Ergebnisse die Erkenntnisse früherer Studien: Körperliche Aktivität reduziert das Demenzrisiko deutlich.
So ergab eine britische Studie mit mehr als tausend Menschen über 50 Jahren, dass mäßige bis kräftige körperliche Aktivität das Demenzrisiko um 34-50 Prozent senkt. Bei denjenigen, die an der Krankheit erkrankten, trug Bewegung dazu bei, dass sie ihr Gedächtnis länger behalten konnten, insbesondere bei Frauen.
Eine weitere große Studie im Vereinigten Königreich 2022 mit 78 Tausend Menschen ergab: Schon 3800 Schritte pro Tag verringern das Demenzrisiko um 25 %, und bei fast 10 Tausend Schritten - um 50 %.
Wissenschaftler stellen fest, dass körperliche Aktivität die Herzfunktion, den Schlaf und den Stoffwechsel verbessert, das Risiko von Diabetes und Bluthochdruck verringert und somit das Gehirn gleich an mehreren Fronten schützt. Darüber hinaus regt Bewegung die Produktion von Substanzen an, die die neuronalen Verbindungen aufrechterhalten, insbesondere Irisin, ein Hormon, das nachweislich die Mechanismen der Entzündung und der Hirnschädigung bei der Alzheimer-Krankheit beeinflusst.
Der Zusammenhang kann sich jedoch auch umkehren: Frühe Symptome der Krankheit, wie Hörprobleme oder verminderte Motivation, führen oft dazu, dass sich die Betroffenen weniger bewegen. Dies setzt einen "Teufelskreis" in Gang: weniger Aktivität beschleunigt den kognitiven Verfall.
Forscher stellen fest, dass selbst leichtes Gehen, insbesondere im Freien, spürbare Vorteile bringen kann. Spaziergänge in einem Park oder auf Naturpfaden verbessern die Stimmung, den Schlaf und verringern das Gefühl der Isolation - alles Faktoren, die die Entwicklung von Demenz beeinflussen.
"Selbst ein kurzer Spaziergang kann einen Unterschied machen", so die Autoren. - Sie brauchen keinen Marathon - schon eine halbe Stunde Bewegung pro Tag reicht aus, um Ihr Gehirn gesund zu halten."