Stern von Bethlehem könnte Komet sein, der in alten chinesischen Quellen beschrieben wird - neue Studie
Ein Komet, kein Wunder? Eine neue Version über den Ursprung des Sterns von Bethlehem
Das Geheimnis des Sterns von Bethlehem, der nach dem Matthäus-Evangelium die Heiligen Drei Könige zum Geburtsort Jesu Christi führte, hat Historiker, Astronomen und Theologen jahrzehntelang beschäftigt. Eine neue Studie legt nahe, dass es sich möglicherweise nicht um ein übernatürliches Phänomen handelte, sondern um einen seltenen Kometen, der vor mehr als 2.000 Jahren in alten chinesischen Chroniken beschrieben wurde.
Die Arbeit wurde im Journal of the British Astronomical Association veröffentlicht und bietet eine der detailliertesten astronomischen Erklärungen der biblischen Geschichte.
Warum die Bewegung des "Sterns" fragwürdig war
Im Evangeliumstext heißt es, dass der Stern "vor ihnen herging und über dem Ort stehen blieb, wo das Kind war". Ein solches Verhalten ist nicht typisch für gewöhnliche Sterne oder Planeten, die aufgrund der Erdrotation einfach im Osten aufgehen und im Westen untergehen.
Wissenschaftler nennen drei mögliche Erklärungen:
- die Beschreibung ist symbolischer oder mythologischer Natur;
- es handelt sich um ein Wunder;
- es gab ein seltenes, aber natürliches astronomisches Phänomen, das die Bewegung erklären könnte.
Die Autoren der neuen Studie haben sich genau auf die dritte Möglichkeit konzentriert.
Komet mit einem "Stopp" am Himmel
Die Forscher stellen fest, dass in seltenen Fällen ein Himmelsobjekt relativ zu einem Beobachter auf der Erde vorübergehend stationär erscheinen kann - ein Effekt, der der geosynchronen Bewegung ähnelt. Theoretisch könnte ein solches Verhalten von einem Kometen erreicht werden, wenn er in einer bestimmten Entfernung und mit einer geeigneten Geschwindigkeit vorbeizieht.
Bisher wurden bekannte Kometen, darunter auch der Halleysche Komet, als Kandidaten in Betracht gezogen, aber sie stimmten in Bezug auf Datum und Position am Himmel nicht überein.
Antiker chinesischer Text als Schlüsselbeweis
Der Wendepunkt war die Erwähnung des sogenannten "Besensterns", einer alten Bezeichnung für einen Kometen, in der chinesischen Chronik Han shu (Geschichte der Han-Dynastie). Der Eintrag stammt aus dem zweiten Monat des zweiten Jahres, was nach modernen Berechnungen dem Zeitraum vom 9. März bis 6. April 5 v. Chr. entspricht.
Nach Angaben der Autoren der Studie:
- wurde das Objekt mehr als 70 Tage lang beobachtet, was auf seine Helligkeit hinweist;
- stimmen die Daten mit dem geschätzten Zeitpunkt der Geburt Jesu überein;
- passt der Zeitraum in die Regierungszeit von König Herodes, der im Jahr 4 v. Chr. starb.
Modellierung bestätigt die Hypothese
Mithilfe numerischer Modelle rekonstruierten die Wissenschaftler die mögliche Umlaufbahn des Kometen. Die Berechnungen ergaben, dass er im Juni 5 v. Chr. nahe genug an der Erde vorbeigezogen sein könnte, um einige Stunden lang fast stationär über der Gegend von Bethlehem zu erscheinen.
Nach dem am besten passenden Modell könnte das Objekt etwa zwei Stunden lang am Himmel "geschwebt" haben, was der Beschreibung im Evangelium bemerkenswert genau entspricht.
Warum die Heiligen Drei Könige den Kometen als Zeichen für die Geburt eines Königs ansahen
Skeptiker haben lange darauf hingewiesen, dass Kometen in der Antike oft als schlechte Omen galten. Forscher haben jedoch griechisch-römische und mesopotamische astrologische Texte untersucht und sind zu dem Schluss gekommen, dass die Interpretationen zweideutig waren.
Eine Reihe von Quellen brachte das Erscheinen des Kometen in Verbindung mit:
- ereignisse in herrschenden Dynastien;
- einen Machtwechsel in abhängigen Königreichen;
- die Geburt oder den Tod von Herrschern.
Die Autoren vermuten, dass es diese Interpretation war, die die Weisen davon überzeugt haben könnte, dass in Judäa ein neuer König geboren worden war.
Keine endgültige Antwort, aber ein wichtiger Schritt
Die Wissenschaftler betonen: Es ist unmöglich, mit völliger Sicherheit zu sagen, dass der Komet von "Han shu" der Stern von Bethlehem ist. Die Arbeit beweist jedoch, dass eine astronomische Erklärung nicht mehr als unmöglich angesehen werden kann.
"Diese Studie zeigt, dass die Behauptung, dass sich keine Himmelserscheinung so verhalten kann, wie in Matthäus beschrieben, nicht mehr haltbar ist", schließen die Autoren.