Anakondas haben die Ära der Riesenkrokodile und Schildkröten überlebt - und sind auch heute noch "Ungeheuer"

Jason Kopf

Paläontologen haben herausgefunden, dass Anakondas seit 12,4 Millionen Jahren eine der größten Schlangen der Erde sind

Anakondas waren schon Riesen, als prähistorische Krokodile und Riesenschildkröten noch das nördliche Südamerika durchstreiften - und sie haben sich seither nicht wesentlich verändert. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Team unter der Leitung von Wissenschaftlern der Universität Cambridge, die Fossilien von großen Schlangen aus Venezuela analysiert haben.

Die Studie ergab, dass Anakondas ihre heutige Größe vor etwa 12,4 Millionen Jahren erreicht haben und seither trotz des Klimawandels und des Aussterbens anderer Riesentiere groß geblieben sind. Die Arbeit wurde im Journal of Vertebrate Paleontology veröffentlicht.

Wie alte Anakondas gemessen wurden

Das Team untersuchte 183 fossile Anakonda-Wirbel, die zu mindestens 32 Individuen gehören, die im Bundesstaat Falcon im Norden Venezuelas gefunden wurden. Die Daten wurden mit Fossilien von anderen Fundorten in Südamerika und mit der Größe moderner Anakondas verglichen.

Anhand der Größe der Wirbel errechneten die Wissenschaftler, dass die alten Anakondas eine Länge von 4-5 Metern erreichten - also mit den heutigen vergleichbar waren. Heutige Anakondas werden in der Regel 4-5 Meter lang, in seltenen Fällen sogar bis zu 7 Meter.

"Wir haben gezeigt, dass sich Anakondas schon sehr früh zu großen Tieren entwickelt haben - fast unmittelbar nach ihrem Auftauchen im tropischen Südamerika vor etwa 12,4 Millionen Jahren - und sich seitdem in ihrer Größe nicht verändert haben", sagte der Hauptautor der Studie, Andres Alfonso-Rojas, Doktorand am Institut für Zoologie der Universität Cambridge.

Das Zeitalter der Giganten und der "unveränderten" Anakondas

Im mittleren bis späten Miozän (vor 12,4-5,3 Millionen Jahren) waren viele Tiere viel größer als ihre heutigen Verwandten. Das warme Klima, die ausgedehnten Feuchtgebiete und das reichhaltige Nahrungsangebot ermöglichten die Entwicklung von Giganten.

Dazu zählten zum Beispiel:

  • der Riesenkaiman Purussaurus, der bis zu ~12 Meter lang wurde;

  • die Süßwasserschildkröte Stupendemys, die bis zu 3,2 Meter lang wurde.

Diese Arten sind schon lange ausgestorben, wahrscheinlich wegen der Kälte und dem Rückgang geeigneter Lebensräume. Aber die Anakondas der Gattung Eunectes haben diesen "Filter" überlebt.

"Andere Giganten des Miozäns - riesige Krokodile und Schildkröten - verschwanden, aber die Anakondas überlebten. Sie erwiesen sich als äußerst widerstandsfähig", stellt Alfonso-Rojas fest.

Warum Anakondas überlebt haben könnten

Anakondas leben in Sümpfen, Sumpfgebieten und langsamen Flüssen - wie dem Amazonas und seinen Nebenflüssen. Im Miozän war der gesamte nördliche Teil Südamerikas ähnlich wie das heutige Amazonasgebiet: viel Wasser, Wälder und eine reiche Nahrungsgrundlage. Anakondas waren damals viel weiter verbreitet als heute.

Obwohl sich das Klima seither abgekühlt hat, gibt es immer noch genügend geeigneten Lebensraum - mit warmem Wasser und reichlich Beute (Fische, Wasserschweine und andere Säugetiere) - um diese Schlangen groß zu halten.

Früher haben einige Wissenschaftler vermutet, dass Anakondas im wärmeren Miozän sogar noch größer gewesen sein könnten - 7-8 Meter oder mehr, weil Schlangen empfindlich auf die Temperatur der Umgebung reagieren. Aber die neuen Daten stützen das nicht.

"Wir hatten erwartet, dass Anakondas aus dem Altertum deutlich länger sind als heutige", räumt Alfonso-Rojas ein. - Aber es gibt keine Hinweise auf größere Schlangen dieser Gattung aus dem Miozän."

Wie man die Länge einer Schlange anhand ihrer Wirbel erkennt

Große Schlangen können mehr als 300 Wirbel haben, und die Größe eines einzelnen Wirbels korreliert gut mit der Gesamtlänge des Körpers. Die Vermessung versteinerter Wirbel ist daher eine der zuverlässigsten Methoden, um die Größe längst ausgestorbener Schlangen zu schätzen.

Um die Ergebnisse zu überprüfen, verwendete das Team auch einen zweiten Ansatz - die Methode der Ahnenrekonstruktion. Die Wissenschaftler erstellten einen "Stammbaum" verschiedener Schlangen und rekonstruierten damit die ungefähre Körperlänge der alten Anakondas und ihrer nächsten Verwandten - der Baum- und der Regenbogenboa constrictor.

Beide Methoden zeigten dasselbe: Die durchschnittliche Körperlänge der Anakondas betrug bei ihrem Auftauchen im Miozän bereits 4-5 Meter und ist seither ungefähr gleich geblieben.

Die in der Studie verwendeten Fossilien wurden während mehrerer Feldsaisons von Wissenschaftlern der Universität Zürich und des Paläontologischen Museums von Urumaco (Venezuela) gesammelt.