Archäologen haben einen uralten Fluch mit den Namen von Feinden und Dämonen entdeckt

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In Europa wurde eine römische Tafel mit einem griechischen Fluch gefunden
Eine Fluchtafel aus Herlen mit einer altgriechischen Anrufung von Gottheiten und Dämonen im ägyptischen Stil. Quelle: Elke Fuchs, Institut für Papyrologie, Universität Heidelberg.
22:00, 18.06.2026

Unter einem Platz in der niederländischen Stadt Heerlen haben Archäologen eine kleine Bleitafel gefunden, die fast 1800 Jahre lang im Boden vergraben war. Darauf befand sich ein magischer Text – ein uraltes Fluchgebot, mit dessen Hilfe jemand versucht hatte, sich an Götter und Dämonen zu wenden, um anderen Menschen Schaden zuzufügen.



Solche Gegenstände wurden in der römischen Welt als „defixiones“ – „Bindungsplättchen“ – bezeichnet. Sie wurden gegen Rivalen, Feinde, Prozessparteien, Liebeskonkurrenten oder andere Personen eingesetzt, denen man im Weg stehen wollte. Die Tafel aus Herlen wird auf das 2. Jahrhundert n. Chr. datiert; sie wurde bei Ausgrabungen auf dem Raadhuisplein an der Stelle der antiken römischen Siedlung Coriovalum gefunden.

Das Ungewöhnlichste daran ist die Sprache. In Nordeuropa wurden solche Flüche meist in Latein verfasst, doch auf dieser Tafel ist der Text in Altgriechisch verfasst und steht in Verbindung mit der ägyptischen magischen Tradition.

Details

Die Tafel besteht aus Blei. Sie ist klein – 9,3 mal 4,8 cm –, sodass sie problemlos in die Handfläche passt. Die Wahl von Blei für solche Rituale erfolgte nicht zufällig: Es ist weich, schwer, fühlt sich kalt an und eignet sich gut zum Anbringen von Inschriften. In der Antike wurden ihm zudem „bindende“ Eigenschaften zugeschrieben.

Die Untersuchung wurde von Fachleuten des Instituts für Papyrologie der Universität Heidelberg durchgeführt. Sie stellten fest, dass die Tafel einen magischen Text in griechischer Sprache, kleine Zeichnungen oder Symbole sowie eine Liste von Namen enthält.

Die Bedeutung solcher Tafeln war einfach und düster: Ein Mensch schrieb Namen, Formeln und Anrufe an übernatürliche Kräfte auf und versteckte die Tafel anschließend in der Erde, in einer Grube, einem Grab, einem Brunnen oder einem anderen „Übergangsort“. Man glaubte, auf diese Weise könne man eine Bitte an Götter, Geister oder Dämonen übermitteln und das Opfer „binden“ – ihm Kraft, Glück, Stimme, Liebe oder Sieg entziehen.

Warum dieser Fund so selten ist

In den Niederlanden und Belgien sind solche Funde äußerst selten. Eine Tafel mit griechischem Text ist ein noch ungewöhnlicherer Fall. Die meisten derartigen Flüche in den nördlichen Provinzen des Römischen Reiches wurden in Latein verfasst.

Genau aus diesem Grund ist der Fund aus Heerlen nicht nur als „gruseliges antikes Ding“ von Bedeutung. Er zeigt, dass sich selbst am fernen nördlichen Rand des Römischen Reiches verschiedene religiöse und magische Traditionen vermischen konnten: römische, griechische, ägyptische, nahöstliche und andere.

Für Archäologen ist dies kein Zeugnis der offiziellen Geschichte der Kaiser und Kriege, sondern des Alltagslebens. Jemand lebte in einer römischen Stadt, stritt sich, hatte Angst, war eifersüchtig, stand im Wettbewerb – und beschloss irgendwann, sich nicht nur zu beklagen, sondern auf Magie zurückzugreifen.

Wen man zu verfluchen versuchte

Nach vorläufigen Angaben sind auf der Tafel die Namen mehrerer Personen vermerkt. In den Berichten über den Fund ist von einer Liste von Namen im Anschluss an magische Formeln und Symbole die Rede. In der Zusammenfassung der Untersuchung wird zudem erwähnt, dass sich unter den Genannten sowohl Männer als auch Frauen befunden haben könnten, die möglicherweise den Status von Sklaven oder abhängigen Personen hatten.

Hier ist jedoch Vorsicht geboten. Eine vollständige wissenschaftliche Veröffentlichung mit der endgültigen Entzifferung steht noch aus, weshalb nicht behauptet werden sollte, dass bereits alle Details vollständig geklärt seien. Bislang lautet die verlässliche Formulierung wie folgt: Auf der Tafel befinden sich ein altgriechischer magischer Text, Symbole und Namen von Personen, und sie wird mit einem Fluch- oder „Bindungsritual“ in Verbindung gebracht.

Warum dies wichtig ist

Solche Tafeln zeigen, dass Magie in der römischen Welt nicht nur eine Angelegenheit von Tempeln, Priestern oder Mythen war. Auch gewöhnliche Menschen konnten sie nutzen, wenn sie Gerechtigkeit erlangen, Rache üben, einen Rivalen besiegen oder das Schicksal eines anderen beeinflussen wollten.

Heute klingt das nach Mystik, doch für den Menschen der Antike konnte ein solches Ritual ein praktisches Mittel sein. Wenn herkömmliche Methoden nicht halfen, wandte er sich an jene Kräfte, die er als unsichtbar, aber wirksam erachtete.

Der Fund aus Herlen ist besonders wertvoll, da er gleich mehrere Ebenen miteinander verbindet: eine römische Stadt, die griechische Sprache, den ägyptischen Stil magischer Anrufungen und die Namen von Menschen, die vor fast zweitausend Jahren lebten.

Hintergrund

Herlen steht an der Stelle der antiken römischen Siedlung Coriovalum. Es handelte sich um eine Ortschaft in der Provinz Niedergermanien, die an einer wichtigen Verkehrsader durch das römische Reich lag. Bei Ausgrabungen im Bereich des heutigen Platzes fanden Archäologen Spuren des antiken Stadtlebens, darunter eine Bleitafel mit einem Fluch.

Römische Fluchtafeln sind aus verschiedenen Teilen des ehemaligen Reiches bekannt. Sie konnten in Angelegenheiten wie Gerichtsverfahren, Sport, Liebe, Diebstahl, Rivalitäten und persönlichen Konflikten zum Einsatz kommen. Manchmal waren darauf verständliche Bitten verfasst, manchmal seltsame magische Worte, Symbole und Namen, die dem Text Kraft verleihen sollten.

Quelle

Die grundlegenden Angaben basieren auf Berichten über den Fund in Herlen und einer Untersuchung durch Fachleute des Instituts für Papyrologie der Universität Heidelberg. Die Plakette stammt aus dem 2. Jahrhundert n. Chr., ist aus Blei gefertigt und enthält einen griechischen magischen Text, Symbole sowie eine Liste von Namen.

Myroslav Tchaikovsky
schreibt über Archäologie bei SOCPORTAL.INFO

Unabhängiger Forscher, der sich für Archäologie und sakrale Geografie interessiert. Er erforscht diese Themen und schreibt über sie.

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