Astronomen haben in der Nähe der Sonne vier „unsichtbare“ Sterne entdeckt

Künstlerische Darstellung eines roten Zwergsterns, hinter dem sein Begleitstern – ein weißer Zwergstern – hervorschaut. Die Durchmesser beider Sterne sind maßstabsgetreu dargestellt. Bildnachweis: Mark A. Garlick / University of Warwick.

Man könnte meinen, die unmittelbare Umgebung der Sonne sei bereits bis ins kleinste Detail erforscht. Doch nun haben Astronomen überraschenderweise gleich vier „unsichtbare“ Sterne entdeckt, die sich jahrzehntelang buchstäblich direkt vor unserer Nase versteckt hatten.

Es stellte sich heraus, dass es sich bei allen um Weiße Zwerge handelte – extrem dichte Überreste einst existierender Sterne. Ihr Licht wurde vollständig von helleren Nachbarn verdeckt, weshalb sie erst jetzt entdeckt werden konnten.

Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Monthly Notices of the Royal Astronomical Society“ veröffentlicht.

Warum sie bisher unbemerkt blieben

Jeder der entdeckten Sterne ist Teil eines Doppelsternsystems.

Neben dem Weißen Zwerg befindet sich ein Roter Zwerg – ein kleiner, aber hellerer Stern. Dessen Licht dominierte so stark, dass der Weiße Zwerg bei Beobachtungen im sichtbaren Spektrum buchstäblich vor dem Hintergrund seines Nachbarn „unterging“.

Obwohl Astronomen aufgrund der leichten „Schwankungen“ der Roten Zwerge unter dem Einfluss der Schwerkraft schon lange die Anwesenheit verborgener Objekte vermuteten, ist es erst jetzt gelungen, deren Existenz direkt zu bestätigen.

Wie die „unsichtbaren“ Sterne entdeckt wurden

Die Forscher nutzten den Ultraviolett-Spektrografen des Hubble-Weltraumteleskops.

Im ultravioletten Bereich leuchten Weiße Zwerge deutlich heller als im normalen sichtbaren Licht. Nach einer speziellen Datenverarbeitung gelang es den Wissenschaftlern, deren Strahlung zu isolieren und die Existenz von gleich vier Objekten zu bestätigen.

Ein Weißer Zwerg befand sich ganz in der Nähe

Besonders überraschend war das System G 203-47, das nur 25 Lichtjahre von der Erde entfernt liegt.

Obwohl Astronomen bereits vor 27 Jahren ungewöhnliche Bewegungen dieses Sterns bemerkt hatten, gelang es erst jetzt, den verborgenen Weißen Zwerg zu entdecken.

Nach dieser Entdeckung ist er nun der neuntnächste Weiße Zwerg zur Sonne unter allen bekannten Objekten.

Warum dies wichtig ist

Weiße Zwerge stellen das Endstadium im Lebenszyklus von Sternen dar, die unserer Sonne ähneln. Wenn solche Sterne ihren Brennstoffvorrat aufgebraucht haben, stoßen sie ihre äußeren Schichten ab, und ihr Kern verwandelt sich in ein extrem dichtes Objekt von etwa der Größe der Erde.

Den Forschern zufolge zeigt diese Entdeckung, dass selbst der uns am nächsten gelegene Teil der Galaxie bei weitem noch nicht vollständig erforscht ist.

Bislang wurden nur etwa 30 % der nächstgelegenen roten Zwerge eingehend untersucht. Das bedeutet, dass sich in der Nähe der Sonne noch neun bis zehn solcher Doppelsysteme verbergen könnten, die bislang noch von niemandem entdeckt wurden.

Hintergrund

Weiße Zwerge sind die häufigste Endphase in der Entwicklung sonnenähnlicher Sterne. Trotz ihrer geringen Größe ist ihre Masse mit der der Sonne vergleichbar, weshalb die Dichte der Materie in ihnen extrem hoch ist.

Aufgrund ihres schwachen Leuchtens und ihrer Nähe zu helleren Sternen bleiben viele Weiße Zwerge lange Zeit vor Beobachtungen verborgen.

Quelle

Mairi O’Brien et al. Direkte Nachweise von Weißen Zwergen in vier WD+dM-Doppelsternsystemen nach dem gemeinsamen Hüllschichtstadium innerhalb von 20 pc. Monthly Notices of the Royal Astronomical Society (2026).