Im Weltraum wurde erstmals Zucker entdeckt

Ein zusammengesetztes Bild des Galaxienzentrums. In Grün und Gelb ist die vom Spitzer-Teleskop erfasste Strahlung bei Wellenlängen von 8 und 24 µm dargestellt (Churchwell et al., 2009; Carey et al., 2009). Rot dargestellt ist die Strahlung bei einer Wellenlänge von 20 cm, die mit den Radioteleskopen MeerKAT (Heywood et al., 2019, 2022) und dem Green Bank Telescope (GBT) (Law et al., 2008) erfasst wurde. Das Bild wurde in Anlehnung an die Arbeiten von Henshaw et al. (2023; 10.48550/arXiv.2203.11223) und Longmore et al. (2026; 10.48550/arXiv.2602.20340). Bildnachweis: Ashley Barnes / Izaskun Jiménez-Serra / Juan García de la Concepción.

Zum ersten Mal in der Geschichte haben Wissenschaftler ein Zuckermolekül nicht in einem Meteoriten und nicht auf einem Asteroiden, sondern direkt im interstellaren Raum entdeckt.

Es handelt sich um Erythrulose – eine komplexe organische Verbindung, die auf der Erde beispielsweise in Himbeeren vorkommt und Bestandteil einiger Kosmetikprodukte ist. Die Entdeckung zeigt, dass lebenswichtige Moleküle bereits vor der Entstehung von Sternen und Planeten entstehen können.

Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Nature Astronomy“ veröffentlicht.

Welchen Zucker haben die Forscher gefunden?

Es ist wichtig zu verstehen, dass es sich hierbei nicht um gewöhnlichen Haushaltszucker handelt.

Die Astronomen haben Erythrulose entdeckt – ein Molekül, das vier Kohlenstoffatome enthält. Solche Zucker gelten als wichtige Bausteine der komplexen organischen Chemie. Gerade Zucker sind Bestandteil von DNA und RNA – Molekülen, die genetische Informationen speichern und weitergeben.

Bislang wurden Zucker nur in Proben von Meteoriten und Asteroiden gefunden. Nun ist es erstmals gelungen, sie direkt in einer interstellaren Molekülwolke nachzuweisen.

Wo das Molekül gefunden wurde

Der Zucker wurde in der riesigen Molekülwolke G+0,693−0,027 entdeckt, die sich unweit des Zentrums der Milchstraße befindet.

Die Entdeckung wurde durch Beobachtungen mit zwei leistungsstarken Radioteleskopen in Spanien ermöglicht. Die Forscher registrierten gleich 12 Spektrallinien, die vollständig mit den Labormessungen von Erythrulose übereinstimmten.

Woher kommt der Zucker im Weltraum?

Bislang ging man davon aus, dass komplexe organische Moleküle nach und nach Kohlenstoffatome „anhäufen“ und dadurch immer größer werden.

Eine neue Studie schlägt jedoch einen anderen Mechanismus vor.

Nach Berechnungen der Wissenschaftler kann sich Erythrulose direkt in den Eishüllen von Kosmostaubpartikeln durch chemische Reaktionen zwischen einfacheren organischen Molekülen bilden.

Dies bedeutet, dass komplexe organische Chemie bereits in interstellaren Wolken beginnen kann – lange vor der Entstehung von Planeten.

Was bedeutet dies für die Entstehung des Lebens?

Die Forscher haben berechnet, dass während der Phase intensiver Meteoritenbeschusses der Erde vor etwa 4,1 bis 3,8 Milliarden Jahren zwischen 500.000 und 50 Millionen Tonnen dieses Moleküls auf die Oberfläche unseres Planeten gelangt sein könnten.

Das bedeutet nicht, dass das Leben dank Erythrulose entstanden ist.

Die Entdeckung zeigt jedoch, dass die junge Erde aus dem Weltraum fertige organische Verbindungen erhalten haben könnte, die anschließend an chemischen Prozessen beteiligt waren, die zur Entstehung der ersten lebenden Systeme führten.

Darüber hinaus hoffen die Wissenschaftler nun, im interstellaren Raum auch andere Zuckerarten zu entdecken – beispielsweise Ribose, die Bestandteil der RNA ist.

Warum dies wichtig ist

Die Studie zeigt, dass sich komplexe organische Moleküle bereits vor der Entstehung von Sternen und Planeten bilden können.

Dies erweitert unser Verständnis der chemischen Evolution des Universums und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die für die Entstehung von Leben notwendigen Substanzen im Kosmos weit verbreitet sein könnten.

Hintergrund

Zucker wurde bereits zuvor in Proben von Meteoriten und Asteroiden gefunden, doch ihre Herkunft blieb unklar. Eine der Hypothesen lautete, dass diese Moleküle bereits in der interstellaren Wolke entstanden seien, aus der sich später das Sonnensystem bildete.

Eine neue Studie lieferte erstmals einen direkten Nachweis für das Vorhandensein von Zuckermolekülen im interstellaren Raum.

Quelle

Izaskun Jiménez-Serra et al. Detection of a four-carbon sugar in interstellar space. Nature Astronomy (2026).