Auf dem Mars wurde etwas entdeckt, das dort eigentlich nicht hätte sein dürfen. Nun wissen die Wissenschaftler, warum

Die Kameras des Marsrovers „Curiosity“ haben diese gelben Schwefelkristalle aufgenommen, nachdem sein Rad versehentlich das Gestein, in dem sie sich befanden, aufgebrochen hatte. Foto: NASA/JPL-Caltech/MSSS.

Im Jahr 2024 machte der Marsrover „Curiosity“ eine völlig zufällige Entdeckung. Sein Rad spaltete einen Stein auf, in dessen Innerem sich leuchtend gelbe Kristalle aus reinem Schwefel befanden.

Dieser Fund stellte die Wissenschaftler zunächst vor ein Rätsel. Auf dem Mars ist Schwefel normalerweise Bestandteil von Mineralien und kommt nicht in Form einzelner Kristalle vor. Nun gehen die Forscher davon aus, dass der Schlüssel zur Lösung in einem Ereignis liegen könnte, das sich vor Millionen von Jahren zugetragen hat.

Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Icarus“ veröffentlicht.

Warum dieser Fund so ungewöhnlich ist

Auf der Erde stehen Vorkommen von reinem Schwefel häufig in Zusammenhang mit Vulkanen oder heißen Quellen.

Im Gale-Krater jedoch, in dem „Curiosity“ im Einsatz ist, gibt es keine Anzeichen für derartige Prozesse. Daher erschien das Vorkommen von reinem Schwefel an dieser Stelle nahezu unerklärlich.

Darüber hinaus entdeckte der Marsrover in der Nähe des ersten Fundes weitere Gesteinsarten, die Schwefel enthielten.

Der Verdacht fiel auf einen uralten Asteroiden

Die Forscher richteten ihre Aufmerksamkeit auf einen kleinen, zerstörten Krater mit einem Durchmesser von etwa 390 Metern, der weiter oben am Hang lag.

Sie vermuteten, dass hier einst ein Asteroid eingeschlagen sei.

Computermodelle zeigten, dass der Einschlag die schwefelreichen Gesteinsarten geschmolzen haben könnte. Das entstandene flüssige Schwefel floss den Hang hinunter, kühlte anschließend ab und verwandelte sich in genau jene Kristalle, die Curiosity Millionen Jahre später zufällig entdeckte.

Warum Schwefel wie Wasser fließen konnte

Bei Temperaturen über 115 °C wird geschmolzener Schwefel sehr flüssig – fast wie Wasser.

Daher konnte sie sich nach dem Asteroideneinschlag durchaus über die Oberfläche ausbreiten, bis sie allmählich erstarrte.

Berechnungen haben gezeigt, dass ein solcher Mechanismus die Entstehung von reinen Schwefelvorkommen erklären kann, sofern das Ausgangsgestein eine sehr große Menge dieses Elements enthielt.

Die Autoren betonen, dass es sich hierbei bislang um eine Hypothese und nicht um eine bewiesene Tatsache handelt.

Das Modell basiert auf Computerberechnungen und weist eine Reihe von Einschränkungen auf. So können Wissenschaftler beispielsweise das Verhalten von Schwefel unter den extrem hohen Drücken, die beim Einschlag von Asteroiden entstehen, bislang nicht genau modellieren.

Curiosity selbst wird diese Hypothese überprüfen können. In Kürze soll der Marsrover das Gebiet untersuchen, in dem vermutlich der urzeitliche Einschlag stattfand.

Sollten dort tatsächlich schwefelreiche Gesteinsarten gefunden werden, würde die Asteroiden-Theorie eine wichtige Bestätigung erhalten.

Warum dies wichtig ist

Reines Schwefel war einer der überraschendsten Funde von Curiosity in den letzten Jahren.

Sollte sich die Hypothese bestätigen, erhalten Wissenschaftler eine neue Erklärung dafür, wie auf dem Mars nach kosmischen Kollisionen ungewöhnliche Vorkommen chemischer Elemente entstehen. Dies wird auch zu einem besseren Verständnis der geologischen Geschichte des Roten Planeten beitragen.

Hintergrund

Der Marsrover „Curiosity“ erforscht seit 2012 den Gale-Krater. Seine Hauptaufgabe besteht darin, herauszufinden, ob auf dem alten Mars Bedingungen herrschten, die für Leben geeignet waren.

Kristalle aus reinem Schwefel wurden im Sommer 2024 entdeckt, nachdem das Rad des Marsrovers versehentlich einen der Steine gespalten hatte.

Quelle

Luca Maggioni et al. Impact-induced melting of materials with sparse thermodynamic data: The case of native sulfur on Mars. Icarus (2026).