Das Geheimnis des Turiner Grabtuches gelöst - Wissenschaftler machen eine laute Ansage

(A) Überlagerung einer mit einem 3D-Modell erstellten Textur auf dem Bild des Grabtuchs von Turin, die eine Nichtübereinstimmung der anatomischen Proportionen zeigt. (B) Originalbild des Grabtuchs. (C) Überlagerung einer mit einem Flachreliefmodell erstellten Textur, die eine bessere Übereinstimmung mit dem Bild auf dem Grabtuch zeigt, insbesondere im Bereich des Rumpfes und des Kopfes. Quelle: Archaeometry (2025). DOI: 10.1111/arcm.70030

Das Grabtuch von Turin - ein mysteriöses Artefakt, um das seit vielen Jahrzehnten hitzige Debatten zwischen Wissenschaftlern, Historikern und Vertretern der Kirche geführt werden.

Die Frage nach dem Ursprung dieses Tuches - und vor allem, wie das Bild einer menschlichen Figur entstanden ist - bleibt offen. Zu den populärsten Versionen gehört, dass das Grabtuch im Mittelalter als Kunstobjekt geschaffen wurde oder dass es sich um ein echtes Grabtuch handelt, in das der Körper von Jesus Christus nach seiner Hinrichtung eingewickelt wurde.

Eine Radiokohlenstoffanalyse aus dem Jahr 1989 datierte das Grabtuch auf die Zeit zwischen 1260 und 1390 nach Christus, was die "mittelalterliche" Theorie bestätigt.

Später gab es jedoch Versionen, dass ein während der Restaurierung hinzugefügtes Fragment für die Analyse verwendet wurde, und neuere Experimente haben das Entstehungsdatum des Tuches sogar näher an das erste Jahrhundert verschoben. Dennoch gibt es immer noch keinen Konsens darüber, wie und wann genau das berühmte Tuch entstanden ist.

Jetzt ist ein neues Argument in die wissenschaftliche Debatte eingeflossen: In einer in der Zeitschrift Archaeometry veröffentlichten Studie wurde mit Hilfe von 3D-Modellen analysiert, wie der Druck auf dem Grabtuch entstanden sein könnte. Verglichen wurden die Ergebnisse des "Kontakt"-Overlay-Gewebes auf einer vollständigen dreidimensionalen menschlichen Figur und einem Modell mit niedrigem Relief (flach) - genauer gesagt, einem Flachrelief oder einer Statue mit geringem Volumen.

Es stellte sich heraus, dass beim Auflegen des Stoffes auf einen voluminösen Körper der Druck verzerrt wird: Das Bild wirkt breiter und entspricht nicht den anatomischen Proportionen. Dieser Effekt, der an den Effekt der "Maske des Agamemnon" erinnert (die berühmte Maske aus Mykene, die wie ein abgeflachtes Gesicht aussieht), lässt sich gut mit Physik und Geometrie erklären.

Aber das Bild auf dem Grabtuch von Turin - schlanker und anatomisch korrekter. Bei der Modellierung mit dem Flachrelief stimmte der Statuenabdruck viel genauer mit dem realen Bild auf dem Grabtuch überein: weniger Verzerrung und näher an den Konturen des Kopfes und des Rumpfes.

Der Autor der Arbeit, der Forscher Cicero Moraz, kommentiert: "Das mit dem Flachrelief erhaltene Kontaktmuster stimmt viel besser mit dem realen Bild des Grabtuches überein. Die Projektion von einer dreidimensionalen Figur führt zu merklichen Verzerrungen."

Obwohl die neue Studie den Streit um die Datierung des Artefakts nicht beendet, kippt sie die Waage zugunsten des künstlerischen Ursprungs des Grabtuchs. Übrigens war die Technik des Flachreliefs in der mittelalterlichen Kunst weit verbreitet, was gut zu der Hypothese des "mittelalterlichen" Ursprungs des Tuches passt.

Moraz ermutigt seine Kollegen auch, die verfügbaren digitalen Werkzeuge zu nutzen und ihre eigenen Experimente mit 3D-Modellen durchzuführen, um historische Geheimnisse weiter zu erforschen.