Die ersten Bewohner Amerikas konnten dank der Jagd auf Riesen zwei Kontinente durchqueren

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Wissenschaftler haben herausgefunden, wovon sich die ersten Bewohner Amerikas ernährten
Fundorte faunistischer Materialien in Beringien, Nord- und Südamerika sowie Verbreitungsgebiete der mit der Clovis-Kultur und den Fishtail-Spitzen verbundenen Komplexe. Quelle: Science Advances (2026). DOI: 10.1126/sciadv.aef9628.
18:00, 04.07.2026

Die ersten Bewohner Amerikas konnten nicht deshalb so schnell von Alaska nach Südamerika gelangen, weil sie alles aßen, was ihnen unter die Finger kam, sondern weil sie genau wussten, wie man die Riesen der Eiszeit jagte.



Eine neue Studie hat gezeigt: Frühe Menschengruppen in verschiedenen Teilen Amerikas spezialisierten sich auf die Jagd auf Großwild – Mammuts, Gomphotherien, Riesenlandfaultiere und andere große Pflanzenfresser. Diese Tiere lieferten viel Fleisch und Fett, besiedelten riesige Gebiete und könnten für die alten Jäger eine Art „Überlebensstrategie“ in den neuen Landschaften dargestellt haben.

Die Studie wurde in „Science Advances“ veröffentlicht.

Die Autoren analysierten Daten aus 50 archäologischen Fundstätten in ganz Amerika – von Beringia über Nordamerika bis hin nach Südamerika. Sie kamen zu dem Schluss, dass bei drei frühen Gruppen – den östlichen Beringianern, der Clovis-Kultur und den Trägern südamerikanischer Pfeilspitzen vom Typ „Fishtail“ – der größte Teil der Nahrungsbiomasse möglicherweise gerade auf die größten Tiere entfiel.

Was die Wissenschaftler herausfanden

Archäologen diskutieren seit langem darüber, wie sich die ersten Menschen so schnell über zwei Kontinente ausbreiten konnten. Eine Theorie besagt: Sie waren vielseitige Jäger und Sammler, das heißt, sie nutzten jede verfügbare Nahrungsquelle – Kleintiere, Fische, Pflanzen, Vögel und lokale Ressourcen. Eine andere Theorie geht davon aus, dass die frühen Gruppen auf die Megafauna setzten – die größten Tiere der jeweiligen Landschaft.

Eine neue Studie stützt die zweite These. Nach Berechnungen der Autoren entfielen 83–88 % der Nahrungsbiomasse der untersuchten frühen Gruppen auf große Pflanzenfresser: Mammuts, Gomphotherien und riesige Landfaultiere.

Einfacher ausgedrückt: Wenn man nicht nur die Anzahl der Knochen berücksichtigt, sondern auch die Menge an Nahrung, die jedes Tier lieferte, dominierten die Giganten der Eiszeit die Ernährung deutlich.

Warum ist das überraschend?

Mammuts und Riesenfaultiere gehörten nicht zu den zahlreichsten Tieren in der Landschaft. Viel häufiger dürften kleine Säugetiere vorgekommen sein – beispielsweise Hasen oder Nagetiere.

Doch die archäologischen Funde zeichnen ein anderes Bild: Die seltenen Großtiere hinterließen deutlich deutlichere Spuren als die kleine Beute. Laut Ben Potter von der Universität von Alaska in Fairbanks wären an den Fundstätten die ganz gewöhnlichen Tiere häufiger anzutreffen, wenn die frühen Menschen in ihrer Ernährung nicht wählerisch gewesen wären. Stattdessen dominieren dort Mammuts und Landfaultiere, während Hasen und Mäuse kaum zu finden sind.

Das bedeutet nicht, dass die Menschen überhaupt nichts anderes gegessen hätten. Die Studie zeigt jedoch: Die größten Tiere könnten die Hauptquelle für Kalorien und Fett gewesen sein.

Wie die Jagd dabei half, zwei Kontinente zu durchqueren

Wenn Menschen in eine unbekannte Gegend gelangen, brauchen sie in der Regel Zeit, um die neue Landschaft zu verstehen: wo es Wasser gibt, welche Pflanzen essbar sind, welche Tiere am besten gejagt werden sollten und wo diese zu den verschiedenen Jahreszeiten vorkommen.

Große Tiere jedoch ändern diese Logik. Mammuts und andere Riesen besiedelten weite Gebiete und verhielten sich relativ vorhersehbar. Wenn Jäger bereits wussten, wie man solche Beute aufspürt, fiel es ihnen leichter, weiterzuziehen – ohne jedes neue Ökosystem von Grund auf neu erschließen zu müssen.

Der Mitautor der Studie, Mat Wooller, erklärt dies folgendermaßen: Spezialisierte Jäger konnten ihr Wissen über die Megafauna, beispielsweise über Mammuts, nutzen, um sich erfolgreich über die Kontinente auszubreiten, anstatt jedes Mal die lokale Pflanzenwelt und das Kleinwild neu erkunden zu müssen.

Genau deshalb trifft die Überschrift „Die Jagd auf Riesen half dabei, zwei Kontinente zu durchqueren“ zu: Es geht nicht darum, dass Mammuts die Menschen buchstäblich „führten“, sondern darum, dass die Jagd auf Großwild ihnen eine verständliche und wiederholbare Überlebensstrategie bieten konnte.

Die Studie erklärt auch, warum frühe Werkzeugsätze in verschiedenen Teilen Amerikas ähnlich aussehen. Wenn Menschen in unterschiedlichen Landschaften Großwild jagten, mussten sie ihre Techniken nicht für jedes Gebiet radikal anpassen.

An den Fundstätten werden große Pfeilspitzen gefunden, die mit der Jagd auf Großwild in Verbindung stehen, sowie spezielle Werkzeuge zum Zerlegen der Tierkadaver. Dabei fehlen in diesen frühen Fundkomplexen auffallend Angelgeräte und Werkzeuge zur Pflanzenverarbeitung.

Was dies über das Aussterben der Mammuts aussagt

Die Studie berührt eine weitere große Kontroverse: Warum verschwand die Megafauna der Eiszeit in Amerika?

Die Autoren stellen fest, dass das Verschwinden der Großtiere wie eine Welle von Norden nach Süden verlief. In Alaska verschwanden Mammuts und Pferde vor etwa 13.300 Jahren, in Nordamerika die Megafauna der Clovis-Epoche vor etwa 12.800 Jahren und in Südamerika hielten sich Gomphotherien und riesige Landfaultiere noch bis vor etwa 11.600 Jahren.

Dies fällt mit der Ausbreitung der Menschen über die Kontinente zusammen. Daher gehen die Autoren davon aus, dass die Jagd ein wichtiger Faktor für das Aussterben der Riesen gewesen sein könnte. Sie beschränken sich jedoch nicht auf eine einzige Erklärung: Auch der Klimawandel könnte die Lebensräume der Tiere eingeschränkt und sie dadurch anfälliger gemacht haben.

Warum die Riesen verwundbar waren

Große Pflanzenfresser vermehren sich langsam. Sie haben lange Geburtenabstände, wenig Nachkommen, und erwachsene Tiere haben in der Regel kaum natürliche Feinde.

Dies machte sie besonders anfällig gegenüber einer neuen Art von Raubtier – dem Menschen mit effektiven Waffen und organisierter Jagd. Laut Potter verfügten solche Tiere nicht über eine „erlernte Vorsicht“ gegenüber technologisch gut ausgerüsteten Jäger- und Sammlergemeinschaften.

Selbst ein vergleichsweise geringer Jagddruck konnte zu einem ernsthaften Problem werden, wenn die Populationen bereits unter klimatischem Stress litten.

Hintergrund

Die Besiedlung Amerikas bleibt eines der am meisten diskutierten Themen der Archäologie. Wissenschaftler streiten sich über Migrationsrouten, den Zeitpunkt des Auftretens der ersten Menschen, die Rolle der Clovis-Kultur und darüber, wie sich frühe Gruppen an neue Landschaften anpassten.

Die neue Studie beantwortet zwar nicht alle diese Fragen, liefert jedoch einen wichtigen Hinweis: Die frühen Menschen konnten sich durch verschiedene Naturräume bewegen, da ihre Hauptbeute nicht aus lokalem Kleinwild bestand, sondern aus Großtieren, die über riesige Gebiete verbreitet waren.

Mit anderen Worten: Die Jagd auf Großwild war möglicherweise nicht nur eine Methode zur Nahrungsbeschaffung. Sie könnte eine Strategie der Besiedlung gewesen sein.

Quelle

Studie: Ben Potter et al., „Hemisphere-wide evidence of Early Paleoindian megaherbivore specialization“, Science Advances, 2026.

Mykola Potyka

Mykola Potyka verfügt über ein breites Spektrum an Kenntnissen und Fähigkeiten in verschiedenen Bereichen. Mykola schreibt auf interessante Weise über Dinge, die ihn interessieren.

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