Wissenschaftler haben eine Skala entwickelt, um die Abhängigkeit von Süßigkeiten zu bewerten

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Für viele sind Süßigkeiten eine Quelle von zwanghaftem Verlangen, Schuldgefühlen und Kämpfen mit sich selbst. Eine neue Studie, die in der Zeitschrift Nutrients veröffentlicht wurde, stellt die erste wissenschaftlich validierte Bewertungsskala für die Sucht nach Süßigkeiten vor, die FitMIND Foundation Sweets Addiction Scale (FFSAS).

Den Autoren zufolge ist der Heißhunger auf Süßes nicht nur ein Mangel an Willenskraft, sondern ein suchtähnliches Verhalten: mit aufdringlichen Gedanken, Kontrollverlust und emotionalen Folgen, die den Reaktionen auf den Konsum von Drogen ähneln.

Der Zuckerkonsum ist weltweit auf dem Vormarsch. Obwohl es gängige Skalen für die Lebensmittelsucht gibt, gab es bisher kein Instrument, das sich ausschließlich auf Süßigkeiten konzentrierte - obwohl gerade Zucker besonders aktiv auf das Belohnungssystem des Gehirns wirken kann.

Um diese Lücke zu schließen, haben Forscher der polnischen FitMIND Foundation die bekannte Yale Food Addiction Scale 2.0 (YFAS 2.0) angepasst und sie ausschließlich auf süße Lebensmittel ausgerichtet. Ihr Ziel ist es, nicht nur die gegessene Menge zu bewerten, sondern auch die emotionalen, kognitiven und verhaltensbezogenen Aspekte dieses Essverhaltens.

An der Entwicklung der FFSAS nahmen 344 Erwachsene aus Polen teil, die eine Online-Umfrage ausfüllten. Sie wurden nach der Häufigkeit des Süßigkeitenkonsums, dem Body-Mass-Index (BMI) sowie nach Schuldgefühlen, Scham und gescheiterten Versuchen, den Konsum zu reduzieren, befragt.

Die Skala wurde vor der Veröffentlichung von 11 Experten für Psychologie, Psychiatrie und Diätetik validiert. Sie zeigte eine hohe Zuverlässigkeit (Koeffizient α = 0,85) und eine klare Struktur, die drei Schlüsselaspekte widerspiegelt: Verhaltensweisen, Gefühle und Gedanken im Zusammenhang mit Süßigkeiten.

62% der Teilnehmer hielten sich selbst für süchtig nach Süßigkeiten und 53% gaben dies zu. Fast ein Drittel aß mehrmals am Tag Süßigkeiten. Hohe Werte auf der FFSAS-Skala korrelierten stark mit zwanghaftem Verlangen, Versuchen, auf Süßigkeiten zu verzichten und starken Schuld- und Schamgefühlen.

Die Autoren betonen, dass die Emotionen und nicht die Häufigkeit des Konsums der wichtigste Indikator für die Sucht sind. Menschen mit schwerer Süßigkeitensucht hatten täglich oder sogar mehrmals am Tag Schuldgefühle. Viele versprachen sich ständig, "ab Montag ein neues Leben zu beginnen" - ein typisches Merkmal des Teufelskreises der Sucht.

Den Forschern zufolge bestätigen diese Ergebnisse die Wirksamkeit der FFSAS als Instrument, das nicht nur den Zuckerkonsum, sondern auch den zugrunde liegenden psychologischen Kampf damit widerspiegelt.

In Polen liegt der Zuckerkonsum, wie in den meisten Ländern, deutlich über der Norm. Er wird mit dem Risiko von Fettleibigkeit, Typ-2-Diabetes, Fettleber, Stimmungsschwankungen und sogar kognitivem Abbau in Verbindung gebracht.

"Diese Studie liefert neue Erkenntnisse: Die Sucht nach Süßigkeiten ist nicht nur eine schlechte Angewohnheit, sondern oft eine Quelle innerer Konflikte, die Aufmerksamkeit erfordern", so die Autoren.

Die FFSAS ist von besonderem Wert für die Diagnose und die Arbeit mit Patienten mit Essstörungen sowie für die Prävention von metabolischen und psycho-emotionalen Störungen.

Bisher handelt es sich bei FFSAS um ein Pilotprojekt. Das Team arbeitet nun daran, es auf eine breitere Stichprobe auszuweiten, einschließlich Männern, jungen Erwachsenen und Menschen mit klinisch diagnostizierten Essstörungen. Es ist auch geplant, eine verkürzte Version der Skala für den schnellen Einsatz in Kliniken und Schulen zu entwickeln.

Schließlich könnte das Instrument in digitale Apps, Screening-Programme und nationale Kampagnen für gesunde Ernährung integriert werden.

Die Autoren der Studie empfehlen denjenigen, die sich süchtig nach Süßigkeiten fühlen, ein paar Schritte zu unternehmen:

  • Führen Sie ein Essens- und Gefühlstagebuch: was Sie essen, wie oft, welche Emotionen Sie erleben;

  • Achten Sie auf die Auslöser: Langeweile, Angst, Stress können das Verlangen nach etwas Süßem auslösen;

  • Vermeiden Sie Extreme: Verzichten Sie nicht vollständig auf Zucker - es ist besser, die Menge zu reduzieren oder durch gesündere Lebensmittel zu ersetzen;

  • Pflegen Sie Ihr Umfeld: Halten Sie Süßigkeiten außer Sichtweite, decken Sie sich mit gesunden Snacks ein, erzählen Sie Ihren Lieben von Ihren Zielen;

  • Holen Sie sich bei Bedarf Hilfe bei einem Ernährungsberater oder Therapeuten.

Die Studie wurde unter Mitwirkung von Joanna Jurek, PhD, einer biomedizinischen Wissenschaftlerin, die sich auf Neuronahrung und Stoffwechselstörungen spezialisiert hat, durchgeführt.

Details: Choroszyński M. et al, "Development and Validation of the FitMIND Foundation Sweets Addiction Scale," Nutrients (2025).
DOI: 10.3390/nu17121985