Wissenschaftler: Zwei Arten von Menschen sind gleichzeitig in Afrika entstanden
Paläontologen haben Spuren einer zweiten Art von "Pionieren" gefunden.
In Anthropologie-Lehrbüchern wird der "Auszug aus Afrika" in der Regel einem Hauptkandidaten zugeschrieben - Homo erectus. Es wird angenommen, dass er einer der ersten war, der sich vor etwa 1,8 Millionen Jahren außerhalb des Kontinents niederließ. Doch die berühmten Funde aus Dmanisi, Georgien, haben die Kontroverse seit Jahren angeheizt: Die fünf Schädel, die an der Fundstelle gefunden wurden, sind in ihrer Struktur zu unterschiedlich, um eindeutig als "eine Familie" angesehen zu werden.
Eine neue Arbeit in PLOS One legt ein komplexeres Szenario nahe: Mindestens zwei eng verwandte Arten von Urmenschen könnten fast gleichzeitig aus Afrika gekommen sein. Das Team unter der Leitung von Victor Neri (Universität von São Paulo) beschloss, die Hypothese nicht anhand der Form von Schädeln zu testen (Knochen sind oft deformiert), sondern anhand der Zähne - eine der zuverlässigsten "Passport-Arten" in der Paläoanthropologie.
Was genau wurde untersucht
Die Autoren nahmen drei Dmanis-Exemplare mit gut erhaltenen Backenzähnen (Prämolaren und Molaren): D4500-D2600 (bekannt als Schädel 5), sowie D2282-D211 und D2700-D2735. Dann verglichen sie die Kronenfläche dieser Zähne mit einer großen Stichprobe fossiler Homininen und nutzten Statistiken (lineare Diskriminanzanalyse), um zu sehen, welche Gruppen sich im "Zahnprofil" näher kamen.
Das Ergebnis: Die Proben waren auf verschiedene Zweige "verstreut"
In der sich daraus ergebenden "biologischen Landkarte" war der D4500-D2600-Komplex deutlich von den beiden anderen getrennt und kam in einer Reihe von Vergleichen primitiveren Formen (bis hin zu Australopithecus) näher. Die beiden anderen dmanisischen Exemplare sahen eher "hominid" aus und waren im Morphraum näher an Vertretern der Gattung Homo angesiedelt.
Auf dieser Grundlage unterstützen die Autoren die Aufteilung der dmanisischen Serie in zwei Taxa: Homo georgicus für D4500-D2600 und Homo caucasi für D2282-D211 und D2700-D2735.
Was ist, wenn es sich nur um Männchen und Weibchen handelt?
Ein wichtiger Einwand gegen dieses Argument lautet folgendermaßen: Die Unterschiede könnten das Ergebnis von Sexualdimorphismus sein (größeres Männchen vs. kleineres Weibchen). Um dies zu prüfen, verglichen die Forscher die Zahngrößenverhältnisse bei den Dmanis-Funden mit den Verhältnissen bei Schimpansen und Gorillas - Arten, bei denen die Männchen tatsächlich deutlich größer sind als die Weibchen. Die Autoren stellen fest: Die Zahnverhältnisse allein können die Version des Dimorphismus nicht vollständig "beseitigen", aber ihrer Interpretation nach erklärt sich die Reihe von Unterschieden besser durch die Koexistenz der beiden Arten am selben Monument.
Warum dies für die Geschichte der Migrationen wichtig ist
Wenn in Dmanisi tatsächlich zwei Arten vertreten sind, dann war die frühe menschliche Ausbreitung aus Afrika möglicherweise nicht ein einziger "Marsch" des Homo erectus, sondern ein komplexerer Prozess mit mehreren Linien, die fast synchron über den Kontinent hinaus reisten und sich unterschiedlich an die eurasischen Bedingungen anpassten. Gleichzeitig betonen die Forscher, dass für einen endgültigen Konsens neue Erkenntnisse und zusätzliche unabhängige Vergleichsmethoden erforderlich sein werden.