Römische Nachttöpfe enthüllten, was die Menschen vor fast 1.800 Jahren krank machte
Wissenschaftler haben getrocknete Sedimente in römischen Nachttöpfen untersucht und herausgefunden, welche Darmparasiten die Menschen an der unteren Donau vor fast 1.800 Jahren befallen haben. Das ist wichtig, denn solche Erkenntnisse erlauben es uns, nicht die abstrakte "Geschichte des Imperiums" zu sehen, sondern den realen Gesundheitszustand der Menschen im Alltag.
Die Studie betraf Gefäße aus dem 2. bis 4. Jahrhundert nach Christus, die in Nova und Marzianopoli im heutigen Bulgarien gefunden wurden. Im Laufe der Jahrhunderte hatten sich die Überreste von Urin und Fäkalien in harte mineralische Ablagerungen an den Wänden und am Boden der Keramiken verwandelt. Diese schabten die Archäologen vorsichtig ab und analysierten sie.
Details
Die Proben enthielten Eier von Bandwürmern der Gattung Taenia sowie Spuren von Entamoeba histolytica, einem Parasiten, der die Amöbenruhr verursacht. Die wichtigste Entdeckung war jedoch Cryptosporidium: Die Autoren der Studie nennen dies den frühesten zuverlässigen Nachweis seiner Präsenz im Mittelmeerraum.
Um die Ergebnisse zu bestätigen, nutzten die Forscher nicht nur die Mikroskopie, sondern auch antike DNA-Analysen und eine immunologische ELISA-Methode, die es ermöglicht, Spuren spezifischer Parasiten zu erkennen, selbst wenn diese schlecht erhalten sind. Dies war besonders wichtig für Cryptosporidium, dessen Überreste sich im Laufe der Zeit leicht zersetzen.
Die Wissenschaftler sahen auch einen Unterschied zwischen den beiden Städten. In Nova gab es deutlich mehr Parasiten, was die Forscher auf verunreinigtes Wasser aus der Donau oder aus Aquädukten zurückführten. In den Proben aus der Werkstatt in Marzianopolis wurden keine Parasiten gefunden, was auf saubereres Wasser oder andere Lebensbedingungen hinweisen könnte.
Warum das wichtig ist
Der Fund zeigt, dass selbst alltägliche Gegenstände wie Nachttöpfe eine Quelle für genaue Informationen über die Gesundheit der Menschen in der Antike sein können. Er hilft uns zu verstehen, wie sich parasitäre Krankheiten ausbreiten, mit welchen Infektionen die Bewohner der römischen Provinzen zu kämpfen hatten und wie wichtig sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen waren.
Darüber hinaus klärt die Arbeit die Geschichte eines der Darmparasiten, der auch heute noch ein bedeutendes medizinisches Problem darstellt. Es ist eine seltene Gelegenheit für die Archäologie und die Medizingeschichte, das Vorhandensein eines bestimmten Krankheitserregers mit ziemlicher Sicherheit so weit in die Vergangenheit zurückverfolgen zu können.
Hintergrund
Die Autoren betonen, dass das Interesse an der Paläoparasitologie - der Erforschung antiker Parasiten - in den letzten Jahrzehnten dank neuer Analysemethoden stark zugenommen hat. Diese ermöglichen es, selbst aus sehr alten und scheinbar unbedeutenden Überresten Informationen zu gewinnen.
Quelle
Die Studie wird in npj Heritage Science 2026 unter dem Titel Analysis of Roman chamber pots to understand the health of the lower Danube inhabitants veröffentlicht.