AI bewies zum ersten Mal die Existenz mehrerer Autoren in der Bibel
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Forscher haben zum ersten Mal künstliche Intelligenz (KI) eingesetzt, um die Geheimnisse der Autorenschaft und des Schreibstils eines der berühmtesten antiken Bücher, der Bibel, zu entschlüsseln.
Ein internationales Team von Wissenschaftlern unter der Leitung der Mathematikerin Shira Feigenbaum-Golovin von der Duke University hat mit Hilfe statistischer Modellierung und linguistischer Analyse herausgefunden, von wem die ersten neun Bücher des Alten Testaments (der sogenannte Enneateuch) geschrieben wurden.
Die Ergebnisse der Studie sind in der Zeitschrift PLOS One veröffentlicht.
Die KI war in der Lage, zwischen drei verschiedenen Schreibtraditionen zu unterscheiden, die sich über die ersten neun Bücher der Bibel erstrecken. Das Team wandte das Modell auf umstrittene Teile des Textes an und konnte die wahrscheinlichsten Autoren identifizieren. Ein wichtiger Vorteil dieser Technologie ist, dass die KI erklärt, auf der Grundlage welcher Wörter und Ausdrücke sie zu ihren Schlussfolgerungen gelangt ist.
Die Arbeit begann 2010, als Feigenbaum-Golovin mit dem renommierten Archäologen Israel Finkelstein zusammenarbeitete und Inschriften auf antiken Tonscherben untersuchte. Dabei stellten sie fest, dass der Stil der Schrift auf Fragmenten aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. bei der Datierung alttestamentlicher Texte helfen könnte.
In der neuen Studie arbeiteten die Wissenschaftler mit Archäologen, Physikern, Mathematikern und Bibelwissenschaftlern aus verschiedenen Universitäten auf der ganzen Welt zusammen. Sie setzten KI ein, um die ersten fünf Bücher der Bibel (Thora), historische Bücher von Josua bis Könige und priesterliche Texte zu analysieren.
Die Studie bestätigte die bereits bestehenden Annahmen der Wissenschaftler: Die Texte des Buches Deuteronomium und der historischen Bücher sind einander viel näher als die priesterlichen Texte. Überraschenderweise identifizierte die KI selbst bei den gebräuchlichsten Wörtern, wie "nicht", "welcher" oder "König", stilistische Unterschiede.
Um die Genauigkeit ihres Modells zu testen, wählten die Forscher 50 Kapitel aus den ersten neun Büchern der Bibel aus, deren Autorenschaft bereits von Gelehrten bestimmt wurde. AI bestätigte diese Kategorisierung und schlug eine genaue Formel vor, nach der der Text zu einem der drei Schreibstile gehört.
Im zweiten Teil der Studie wandte das Team das Modell auf Kapitel an, deren Autorenschaft unter den Gelehrten noch umstritten war. AI verglich diese Kapitel mit den drei identifizierten Schreibtraditionen und schlug die wahrscheinlichsten Autoren vor.
Dabei stießen die Wissenschaftler auf ernsthafte Schwierigkeiten: Viele Texte der Bibel wurden mehrfach bearbeitet, und es war äußerst schwierig, unveränderte Fragmente zu finden. Außerdem mussten oft sehr kurze Passagen - nur wenige Verse - analysiert werden, was den Einsatz von Standardmethoden des maschinellen Lernens schwierig machte. Daher entwickelte das Team einen einzigartigen Ansatz, um mit einer kleinen Datenmenge zu arbeiten.
Die Wissenschaftler waren überrascht von der Tatsache, dass sich zwei Fragmente derselben Erzählung über die Bundeslade aus den Büchern Samuel als völlig unterschiedlich herausstellten: Der Text aus dem 1. Buch Samuel passte zu keinem der Stile, während sich der Text aus dem 2. Buch als nahe am Stil der historischen Bücher herausstellte.
Feigenbaum-Golovin betonte, dass ihre Methode nicht nur für das Studium der Bibel geeignet ist, sondern auch für die Überprüfung der Autorenschaft anderer historischer Dokumente, wie z.B. der Briefe von Abraham Lincoln. Das Team plant bereits, die Technik für die Untersuchung der Qumran-Manuskripte einzusetzen.
Den Forschern zufolge eröffnet ihre Arbeit einen neuen Weg zur Untersuchung antiker Texte und demonstriert die erstaunliche Effizienz der Zusammenarbeit von Wissenschaft und Geisteswissenschaften.
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Unabhängiger Forscher, der sich für Archäologie und sakrale Geografie interessiert. Er erforscht diese Themen und schreibt über sie.












