Babys erinnern sich an viel mehr als bisher angenommen

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Babys erinnern sich an viel mehr als bisher angenommen - neue Studie
01:00, 26.03.2025

Es kommt häufig vor, dass wir uns an wenig oder gar nichts aus unserer Kindheit erinnern. Dieses Phänomen wird "infantile Amnesie" genannt.



Eine neue Studie von Wissenschaftlern der Universität Yale hat jedoch gezeigt, dass sich Säuglinge immer noch an Ereignisse erinnern können, nur dass diese Erinnerungen später unzugänglich werden.

Details: Tristan S. Yates et al, Hippocampal encoding of memories in human infants, Science (2025). DOI: 10.1126/science.adt7570. www.science.org/doi/10.1126/science.adt7570

Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Science veröffentlicht. Nick Turk-Brown, Professor für Psychologie an der Yale University und Autor der Studie, sagte, er habe sich schon immer dafür interessiert, warum sich Menschen nicht an ihre ersten Lebensjahre erinnern, obwohl ein Kind in dieser Zeit aktiv lernt, zu sprechen, zu laufen und die Welt kennenzulernen.

Früher glaubte man, dass die Erinnerung an die frühe Kindheit einfach verdrängt wird, wie Sigmund Freud behauptete. Moderne Wissenschaftler haben diese Idee nun verworfen. Jetzt wird als Hauptursache der "Kindheitsamnesie" die Unreife des Hippocampus genannt - ein spezieller Teil des Gehirns, der für die Erinnerung an Ereignisse zuständig ist.

Turk-Brown interessierte sich jedoch für Experimente mit Tieren, die zeigten, dass das Gedächtnis bei kleinen Lebewesen noch gebildet wird, aber allmählich unzugänglich wird. Die Wissenschaftler beschlossen zu prüfen, ob dieser Mechanismus auch beim Menschen funktioniert.

Das Hauptproblem für die Wissenschaftler war, dass Säuglinge nicht über ihre Erinnerungen berichten können. Daher verfolgten die Forscher einen anderen Ansatz: Wenn ein Kind ein vertrautes Bild lange Zeit anschaut, bedeutet dies, dass es sich daran erinnert. Sie verwendeten die Magnetresonanztomographie (MRT), um die Gehirne der Babys zu untersuchen, aber es war sehr schwierig, die Babys dazu zu bringen, still in dem Gerät zu liegen.

Um dies zu erreichen, schuf das Labor eine angenehme Umgebung: Die Babys bekamen ihre Lieblingsspielzeuge und Schnuller, und es wurden helle, attraktive Muster verwendet, um ihre Aufmerksamkeit zu erhalten. Insgesamt 26 Säuglinge im Alter von einigen Monaten bis eineinhalb Jahren nahmen an dem Experiment teil.

Den Babys wurden Bilder von Gesichtern, Gegenständen und Szenen gezeigt, dann wurde ein vertrautes Bild neben einem neuen gezeigt. Die Wissenschaftler zeichneten auf, welches der Bilder das Baby länger anschaute, und überwachten auch die Gehirnaktivität während des Experiments.

Es stellte sich heraus, dass der Hippocampus von Kindern, die älter als ein Jahr waren, aktiv eingeschaltet war, wenn sie sich Bilder einprägten, während dies bei Säuglingen unter einem Jahr nicht beobachtet wurde. Außerdem war die Aktivität des Hippocampus umso höher, je besser das Kind die Aufgabe meisterte. Dies deutet darauf hin, dass Säuglinge bereits im Alter von einem Jahr in der Lage sind, Erinnerungen an bestimmte Ereignisse zu bilden.

Es bleibt jedoch die Frage, wohin diese frühen Erinnerungen verschwinden? Wissenschaftler glauben, dass sie im Gehirn gespeichert werden, aber mit der Zeit unzugänglich werden.

Jetzt hat das Team von Turk-Brown ein neues Experiment gestartet. Kindern werden Videos gezeigt, die in ihrem Namen aufgenommen wurden, als sie noch Säuglinge waren. Vorläufige Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich Kinder bis zu einem Alter von etwa drei Jahren an solche Ereignisse erinnern können. Vielleicht können diese "verlorenen" Erinnerungen in Zukunft auch bei Erwachsenen aktiviert werden.

Maria Grynevych

Maria Grynevych, Projektmanagerin, Journalistin, Mitautorin des Reiseführers Heilige Berge der Dnjepr-Region, Vortragskurs: Kultische Topographie der mittleren Dnjepr-Region.

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