Warum Angestellte bei missbräuchlichen Chefs ein Auge zudrücken
- Startseite
- Sozialnachrichten
- Arbeitsrecht
- Warum Angestellte bei missbräuchlichen Chefs ein Auge zudrücken


Fast jeder von uns ist schon einmal einem unangenehmen oder sogar beleidigenden Vorgesetzten begegnet.
Und das ist keine Übertreibung: Fast 90 % der in einer kürzlich durchgeführten Studie Befragten gaben zu, mindestens einen toxischen Chef gehabt zu haben. Und ein Drittel gab zu, mehr als einen gehabt zu haben.
Aber hier ist das Paradoxe: fast niemand spricht darüber. Und warum? Die Antwort ist einfach: Angst. Die Menschen haben Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, ihre Karriere zu ruinieren oder einfach nur ein Außenseiter in der Gruppe zu sein. Selbst diejenigen, die missbräuchliches Verhalten von außen beobachten, ziehen es vor, zu schweigen. Aber es ist nicht nur Angst - oft merken die Menschen einfach nicht, dass sie missbraucht werden.
"Blinde Flecken" im Kollektiv
Die kanadischen Forscher Marley Mercer und Len Karakowski wollten herausfinden, warum giftige Chefs so lange ungestraft bleiben. Die Antwort liegt in der sozialen Dynamik innerhalb von Arbeitsgruppen.
Wenn jemand in eine seltsame oder unangenehme Situation gerät, schaut er sich die Reaktionen seiner Kollegen an: "Wenn niemand empört ist, ist es dann in Ordnung?" Dieses Phänomen ist seit den berühmten Experimenten von Solomon Asch bekannt: Wir neigen dazu, dem Urteil der Gruppe mehr zu vertrauen als unserem eigenen.
Wenn eine einflussreiche Person im Team sagt, dass "der Chef nur streng ist" oder "Sie zu sensibel sind", wird dieser Standpunkt schnell "allgemein akzeptiert". Das war's - das missbräuchliche Verhalten löst sich in der kollektiven Interpretation der Realität auf.
Wenn die Kultur dagegen arbeitet
Manchmal ist die Unternehmenskultur daran schuld. Vor allem in Unternehmen, in denen aggressive Methoden, ein Wettlauf um Ergebnisse und ständige Spannungen bevorzugt werden. In einem solchen Umfeld ist es leicht, die Grenze zwischen fordernder und psychologischer Gewalt zu verlieren.
Erinnern Sie sich an den berüchtigten Enron-Fall, bei dem die Chefs um des Profits willen fragwürdige Entscheidungen von Untergebenen verlangten. Wenn das Ergebnis wichtiger ist als die Mittel, können Sie mit missbräuchlichem Verhalten durchkommen.
Charisma als Tarnung
Ein weiterer gefährlicher Faktor sind charismatische Führer. In Gruppen mit starkem Zusammenhalt und einer 'kultischen' Atmosphäre sind die Mitarbeiter so sehr mit dem Team identifiziert, dass sie das Verhalten der Führungskraft nicht kritisch betrachten können. Wenn Sie gegen den Chef sind, sind Sie gegen alle. So bleiben selbst offensichtliche Anzeichen für missbräuchliches Verhalten unbemerkt.
Die Leute fangen an, sich selbst zu zensieren, um die "psychologische Sicherheit" der Gruppe nicht zu gefährden. Und wenn sich niemand zu Wort meldet, scheint es so, als gäbe es kein Problem.
Was ist zu tun?
Toxische Führungskräfte lassen sich nicht durch Schweigen aufhalten. Um den Kreislauf zu durchbrechen, müssen Organisationen:
offenes Feedback ermutigen;
überwachen, welche Verhaltensweisen gefördert werden;
eine Kultur schaffen, in der Respekt und Sicherheit wichtiger sind als KPIs.
Missbrauch ist nicht immer laut und offensichtlich. Manchmal verbirgt er sich hinter einer "erfolgreichen" Fassade und Charisma. Erst wenn die Mitarbeiter beginnen, sich selbst mehr zu vertrauen als der Masse, werden solche Führungskräfte aufhören, unsichtbar zu sein.
Maria Grynevych, Projektmanagerin, Journalistin, Mitautorin des Reiseführers Heilige Berge der Dnjepr-Region, Vortragskurs: Kultische Topographie der mittleren Dnjepr-Region.













