Wissenschaftler haben erstmals die Jungtiere eines Fisches beschrieben, der vor 152 Millionen Jahren lebte
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Der Paläontologe Martin Ebert hat erstmals die Jungtiere des urzeitlichen Fisches Mesturus verrucosus beschrieben, der vor etwa 152 Millionen Jahren in den Meeren Europas lebte. Es stellte sich heraus, dass die Jungfische den erwachsenen Exemplaren so wenig ähnelten, dass ihre Fossilien lange Zeit nicht richtig zu bestimmen waren.
Kleine Exemplare erreichten lediglich eine Größe von 4–9 Zentimetern, während ausgewachsene Fische etwa einen halben Meter groß wurden. Ultraviolettlicht half dem Wissenschaftler dabei, Schuppen, Stacheln und andere feine Details der Anatomie zu erkennen.
Es handelt sich hierbei nicht um neue Ausgrabungen. Viele der Fossilien befanden sich bereits in Museumssammlungen, doch unter normaler Beleuchtung waren wichtige Merkmale kaum zu erkennen. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden im Swiss Journal of Palaeontology veröffentlicht.
Details
Mesturus verrucosus gehörte zu einer ausgestorbenen Fischgruppe, die als Pyknodontiden bekannt ist. Sie hatten einen hohen, seitlich stark zusammengedrückten Körper, der an eine Scheibe erinnerte. Von der Form her ähnelten diese Tiere einigen heutigen Bewohnern der Korallenriffe, obwohl sie nicht zu deren nahen Verwandten zählten.
Der Fisch konnte eine Länge von etwa 50 Zentimetern erreichen. Seine kräftigen Zähne waren dazu geeignet, Muschelschalen und Stacheln von Seeigeln aufzubrechen.
Martin Ebert von der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie untersuchte die Fossilien aus den Museumssammlungen erneut. Er fotografierte sie unter normalem und ultraviolettem Licht und verglich anschließend die Struktur von Kopf, Zähnen, Flossen, Schuppen und Stacheln.
Unter UV-Licht wurden bei den kleinen Exemplaren Schuppenreihen und feine Stacheln sichtbar, die fast den gesamten Körper bedeckten. Anhand dieser Merkmale konnten die kleinen Fossilien mit ausgewachsenen Exemplaren von Mesturus verrucosus in Verbindung gebracht werden. So stellte der Wissenschaftler fest, dass es sich nicht um separate Arten kleiner Fische handelte, sondern um Jungtiere einer bereits bekannten Art.
Ihre Größe lag zwischen 4 und 9 Zentimetern. Im Laufe des Heranwachsens veränderten sich die Körperform und einzelne Körperteile merklich – weshalb Wissenschaftler zuvor keinen Zusammenhang zwischen den kleinen und den großen Exemplaren erkannt hatten.
Die Untersuchung trug zudem dazu bei, frühere Fehler in der Klassifizierung zu korrigieren. Einige Fossilien, die zuvor der Gattung Mesturus zugeordnet worden waren, erwiesen sich als recht unähnlich zu dieser. Für sie wies Ebert zwei neue Gattungen aus – Aminiichthys und Goodichthys.
Die Ultraviolettaufnahme ist jedoch nicht in allen Fällen hilfreich. Fossilien aus Eichstätt und Solnhofen zeigen unter UV-Licht gut erkennbare Details, während einige Exemplare aus Pienten dunkel bleiben. Warum Fossilien aus verschiedenen Fundorten unterschiedlich auf Licht reagieren, ist bislang unbekannt.
Warum dies wichtig ist
Junge, ausgestorbene Tiere können sich stark von erwachsenen Exemplaren unterscheiden. Wenn Paläontologen nicht wissen, wie sich ihr Aussehen im Laufe des Wachstums verändert hat, können Jungtiere leicht mit Vertretern einer anderen Art verwechselt werden.
Die neuen Erkenntnisse tragen dazu bei, genauer zu bestimmen, welche Fische in den urzeitlichen Meeren Europas lebten, und die Verwandtschaftsbeziehungen zwischen ihnen zu verstehen. Darüber hinaus zeigt die Studie, dass wichtige Entdeckungen nicht nur bei Ausgrabungen gemacht werden können. Manchmal reicht es aus, Museumsfunde mithilfe moderner Methoden erneut zu untersuchen.
Dabei darf die Ultraviolettstrahlung nicht als universelle Methode zur Untersuchung von Fossilien angesehen werden: Das Ergebnis hängt vom Erhaltungszustand der Probe und wahrscheinlich auch von der Gesteinszusammensetzung ab.
Hintergrund
Fossilien von Mesturus verrucosus sind Wissenschaftlern bereits seit dem 19. Jahrhundert bekannt. Die Familie der Mesturidae ist jedoch bis heute weniger gut erforscht als viele andere urzeitliche Fischarten, und ihre Stellung im Stammbaum der Evolution ist nach wie vor umstritten.
Vor etwa 152 Millionen Jahren war ein Großteil des heutigen Mitteleuropas von einem warmen Meer bedeckt, das Inseln, seichte Buchten und Lagunen umfasste. In diesen Gewässern lebten zahlreiche Fische, Seeigel, Weichtiere und andere Tiere.
Die besonderen Bedingungen am Grund einiger Lagunen ermöglichten es, dass sogar kleinste Details ihrer Körper erhalten blieben. Heute gelten die Fossilien aus der Gegend um Solnhofen in Bayern als einige der am detailliertesten erhaltenen Funde aus der Jurazeit.
In seiner Arbeit gab Ebert den neuen Fischarten zudem Namen, die Gina Mahsa Amini, Rene Good und Alex Pretti gewidmet sind. Der Wissenschaftler begründete dies mit dem Wunsch, das Andenken an Menschen zu bewahren, die durch politische Gewalt ums Leben gekommen sind, wie Phys.org berichtet.
Quelle
Die Studie von Martin Ebert mit dem Titel „Mesturidae Nursall, 1996 (Actinopterygii, Pycnodontiformes) aus dem Jura Englands und Deutschlands“ wurde im Jahr 2026 im Swiss Journal of Palaeontology veröffentlicht.
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Mykola Potyka verfügt über ein breites Spektrum an Kenntnissen und Fähigkeiten in verschiedenen Bereichen. Mykola schreibt auf interessante Weise über Dinge, die ihn interessieren.












