In einer altägyptischen Grabstätte haben Archäologen einen Hund gefunden, der zusammen mit Menschen beigesetzt worden war
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In einem altägyptischen Grab unweit von Luxor untersuchten Archäologen eine ungewöhnliche Bestattung: Unter den menschlichen Mumien befand sich ein mumifizierter Hund, der direkt auf den Überresten eines Mannes und einer Frau gebettet war. Die Wissenschaftler vermuten, dass das Tier zu Lebzeiten mit diesen Menschen in Verbindung stand oder eine symbolische Rolle als Begleiter in die Unterwelt spielte. Die wichtigste Entdeckung war jedoch weitreichender: Die Anordnung der Mumien zeigte, wie sich ein und dieselbe Grabstätte im Laufe mehrerer Jahrhunderte veränderte.
Die Forscher untersuchten die Seitenkammer Nr. 3 des Thebaner Grabes TT 209 in der berühmten Nekropole am Westufer des Nils gegenüber dem heutigen Luxor.
Darin wurden 16 mumifizierte Menschen, ein mumifizierter Hund sowie eine gestörte Ansammlung von Überresten von mindestens vier weiteren Personen entdeckt.
Das Grab selbst wurde seit der Zeit der 25. Dynastie, etwa im 8. bis 7. Jahrhundert v. Chr., bis in die ptolemäische Zeit genutzt, die im 1. Jahrhundert v. Chr. endete.
Es zeigt sich also, dass neue Generationen über Hunderte von Jahren hinweg immer wieder in denselben Bestattungsraum zurückkehrten.
Details
Der ungewöhnlichste Fund befand sich im südöstlichen Teil der Grabkammer.
Dort lagen vier menschliche Mumien übereinander, während ein mumifizierter Hund auf dem Unterkörper eines Mannes und einer Frau ruhte.
Der Forscher Jared Carballo-Pérez bezeichnete dieses Detail als besonders interessant. Seinen Worten zufolge könnte die Anordnung des Tieres auf eine enge Verbindung zu den Bestatteten hindeuten.
Es lässt sich jedoch nicht beweisen, dass es sich dabei tatsächlich um ihren Haushund handelte.
Es gibt auch eine andere Version. Das Tier könnte eine rituelle Funktion als Psychopomp erfüllt haben – als symbolischer Begleiter des Verstorbenen in die Unterwelt.
Die Autoren betrachten beide Interpretationen vorerst als Hypothesen.
Die Archäologen haben die Ausrichtung jedes Leichnams, die Position der Hände sowie die Beziehungen zwischen den Mumien, den Särgen und den Wänden des Raumes detailliert dokumentiert.
Die frühesten Bestattungen wirkten vergleichsweise isoliert.
Die Menschen wurden in Särge gelegt, daneben wurde Grabbeigaben hinterlegt. Die Forscher fanden Amulette, Begräbnisnetze und wertvolle Gegenstände, darunter den Inhalt phönizischer Amphoren.
Nach Ansicht der Autoren könnte dies auf einen relativ hohen sozialen Status der ersten hier bestatteten Menschen hindeuten.
Im Laufe der Jahrhunderte begann man, die Mumien übereinander zu stapeln
Später änderte sich die Art und Weise, wie die Grabstätte genutzt wurde.
Gegen Ende der 25. Dynastie und in der persischen Zeit wurde der freie Platz immer knapper, weshalb neue Leichname dort untergebracht wurden, wo noch Platz vorhanden war.
Allmählich kamen vertikale Bestattungen auf – die Mumien wurden buchstäblich in Schichten übereinandergelegt. Solche Überlagerungen wurden in etwa zwei Dritteln der Bestattungen der untersuchten Kammer festgestellt.
Auch die Lage der Leichname änderte sich. Während bei den frühen Mumien die Arme meist ausgestreckt waren, finden sich später andere Varianten, darunter die auf der Brust gefalteten Arme – die sogenannte Osiris-Haltung.
Auf den ersten Blick könnten die dicht aneinander liegenden Leichname als Ergebnis einer ungeordneten Wiederverwendung der antiken Grabstätte angesehen werden.
Die Forscher kamen jedoch zu einer anderen Schlussfolgerung.
Ihrer Ansicht nach wurden bei jeder nachfolgenden Bestattung die bereits im Raum befindlichen Leichname berücksichtigt. Neue Mumien wurden um die alten herum oder direkt über ihnen platziert, wodurch sich die Raumstruktur allmählich veränderte, ohne jedoch deren ursprüngliche Bedeutung zu zerstören.
Die Autoren bezeichnen dies als eine Art „Bestattungsgedächtnis“: Die Grabstätte wurde weiterhin genutzt, und neue Generationen passten ihre Rituale an das an, was ihre Vorfahren hinterlassen hatten.
Daher zeugt eine große Anzahl von Leichnamen nicht zwangsläufig davon, dass die alten Ägypter im Laufe der Zeit aufgehört hätten, die Bestattungstraditionen einzuhalten.
Vielmehr veränderte sich die Tradition selbst.
Die Forscher räumen ein, dass es schwierig ist, die genaue Abfolge der einzelnen Bestattungen zu bestimmen.
Im Laufe der Jahrhunderte war die Grabstätte wiederholt Wassereinbrüchen ausgesetzt, es kam zu Bränden, und Menschen drangen immer wieder in das Innere ein und konnten dabei die Überreste und Gegenstände verschieben.
Dennoch ermöglichte die Anordnung der erhaltenen Mumien, ein Gesamtbild davon zu rekonstruieren, wie sich die Nutzung des Raumes im Laufe der Zeit veränderte.
Von besonderer Bedeutung ist, dass Funde, die früher möglicherweise lediglich als „zufällige“ Ansammlung von Leichen angesehen worden wären, nun als Ergebnis aufeinanderfolgender sozialer und ritueller Praktiken interpretiert werden können.
Warum dies wichtig ist
Die Untersuchung bietet die seltene Gelegenheit, die Entwicklung der ägyptischen Bestattungsbräuche innerhalb ein und desselben Grabes über mehrere historische Epochen hinweg nachzuverfolgen.
Von relativ individuellen Bestattungen in Särgen ging die Tradition allmählich zu einer dichten Anordnung der Mumien und deren vertikaler übereinanderlegung über.
Und der mumifizierte Hund verdeutlicht, wie komplex die Beziehungen zwischen Menschen, Tieren und Vorstellungen vom Leben nach dem Tod sein konnten.
Dabei behaupten die Wissenschaftler nicht, dass der Hund den neben ihm bestatteten Menschen gehörte oder sie nach dem Tod mit Sicherheit begleiten sollte. Seine genaue Rolle bleibt ein Rätsel.
Quelle
Zeitschrift: Frontiers in Environmental Archaeology, 2026.
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Unabhängiger Forscher, der sich für Archäologie und sakrale Geografie interessiert. Er erforscht diese Themen und schreibt über sie.











