Archäologen haben in Ostasien die ältesten Spuren der Messingherstellung entdeckt

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In China wurden Hinweise auf eine tausend Jahre alte Messingproduktion gefunden
Einige der in Guangzhou gefundenen Messingtiegel. Quelle: Xiao et al., 2026.
21:00, 17.08.2026

Archäologen haben im chinesischen Guangzhou die ältesten bekannten direkten Belege für die Messingherstellung in Ostasien gefunden. In etwa tausend Jahre alten Schmelztiegeln sind mikroskopisch kleine Tropfen einer Kupfer-Zink-Legierung sowie Spuren des Herstellungsprozesses erhalten geblieben. Der Fund bestätigt nicht nur die Angaben mittelalterlicher chinesischer Texte, sondern deutet auch darauf hin, dass die Technologie über Seehandelswege in die Region gelangt sein könnte.



Die Forscher untersuchten die Überreste einer antiken Metallwerkstatt in Guangzhou – einem der wichtigsten Handelszentren Südchinas.

An dieser Stelle entdeckten die Archäologen Öfen, Produktionsanlagen sowie fast 80 intakte Tiegel (hitzebeständige Gefäße zum Schmelzen von Metall – Anm. d. Red.) und deren Fragmente, die aus verschiedenen Epochen stammen. Den Funden zufolge war die Werkstatt über mehr als tausend Jahre hinweg in Betrieb – etwa vom 3. bis zum 18. Jahrhundert.

Die Wissenschaftler analysierten die Zusammensetzung der Tiegel mithilfe eines tragbaren Röntgengeräts und stellten dabei eine ungewöhnliche Regelmäßigkeit fest: In den Proben aus dem 9. und 10. Jahrhundert war der Zinkgehalt stark angestiegen.

Genau dies veranlasste die Forscher zu der Vermutung, dass die Gefäße zur Herstellung von Messing – einer Legierung aus Kupfer und Zink – verwendet worden sein könnten.

Details

Nach der ersten Analyse wurden die Proben an ein Labor geschickt.

Auf der Oberfläche von drei Tiegeln aus dem 9. bis 10. Jahrhundert entdeckten die Forscher mikroskopisch kleine Messingtröpfchen. Zusammen mit anderen chemischen Spuren ermöglichte dies, die Gefäße direkt mit dem Herstellungsprozess der Legierung in Verbindung zu bringen.

Genau aus diesem Grund ist der Fund von besonderer Bedeutung.

Einzelne Messinggegenstände allein beweisen noch nicht, dass das Metall an derselben Stelle hergestellt wurde, an der der Gegenstand später gefunden wurde: Die fertige Legierung oder das fertige Produkt könnten aus einer anderen Region stammen.

Ein Tiegel mit Spuren von Rohstoffen und fertigem Metall ist ein weitaus direkterer Beweis für die Arbeit der antiken Metallurgen.

Schriftliche Quellen weisen bereits seit langem darauf hin, dass in China etwa im 10. Jahrhundert Messing hergestellt wurde.

Doch Historiker standen vor einem Problem: Die ältesten bekannten direkten archäologischen Belege für eine spezialisierte Produktion stammten aus dem 16. Jahrhundert – fast 600 Jahre nach den schriftlichen Berichten.

Die Schmelztiegel aus Guangzhou schließen diese Lücke.

Ihre Datierung – 9. bis 10. Jahrhundert – deckt sich praktisch mit der Zeit, in der chinesische Texte erstmals die Herstellung von Messing erwähnen.

Auf diese Weise erhielten die Archäologen einen materiellen Nachweis für eine Technologie, die zuvor hauptsächlich aus schriftlichen Quellen bekannt war.

Die Tiegel wurden bei sehr hohen Temperaturen verwendet – etwa auf dem Niveau des Schmelzpunkts von Kupfer, bei rund 1080 °C.

Unter solchen Bedingungen konnten die Handwerker Kupfer zusammen mit zinkhaltigem Material erhitzen und so eine Legierung mit relativ geringem Zinkgehalt gewinnen.

Die Forscher weisen zudem auf die Bauweise der Gefäße hin: Sie waren ohne Deckel. Einige technologische Merkmale erinnern an Methoden der Messingherstellung, wie sie in der mittelalterlichen islamischen Welt bekannt waren.

Dies führte die Wissenschaftler zu einer weiteren Hypothese.

Zuvor wurde häufig angenommen, dass sich metallurgisches Wissen in China vorwiegend über die Landrouten der Seidenstraße verbreitete.

Im 8. Jahrhundert verlor die Tang-Dynastie jedoch die Kontrolle über einen Großteil der Landwege nach Westen. Gleichzeitig gewann der Seehandel stark an Bedeutung.

Guangzhou eignete sich hervorragend für den Transfer neuer Technologien. Es war einer der größten internationalen Häfen seiner Zeit, in dem Händler aus verschiedenen Teilen Asiens und des Nahen Ostens eintrafen.

Historische Quellen beschreiben ein großes Ausländerviertel der Stadt und zahlreiche arabische Kaufleute.

Daher gehen die Autoren der Studie davon aus, dass das Wissen über die Messingherstellung über maritime Kontakte mit der islamischen Welt nach Südchina gelangt sein könnte.

Allerdings gibt es bislang keine direkten Beweise für einen solchen Übertragungsweg. Die Ähnlichkeit der Technologien macht diese Version zwar plausibel, lässt jedoch nicht den Schluss zu, dass es gerade Handwerker aus dem Nahen Osten waren, die den Chinesen die Herstellung von Messing beigebracht haben.

Warum dies wichtig ist

Der Fund zeigt, wie schnell sich technologisches Wissen bereits vor tausend Jahren zwischen weit voneinander entfernten Regionen verbreiten konnte.

Messing war ein wertvolles Material: Durch die Verbindung von Kupfer und Zink entstand eine Legierung mit einer attraktiven goldfarbenen Optik und nützlichen mechanischen Eigenschaften.

Später, während der Ming-Dynastie, gewann die Messingherstellung in China erheblich an Umfang. Die neuen Funde aus Guangzhou ermöglichen es, einen Blick auf eine weitaus frühere Phase dieser Geschichte zu werfen.

Dabei erwiesen sich drei kleine Schmelztiegel als besonders wichtig: Sie bewahrten nicht nur die fertigen Erzeugnisse, sondern auch Spuren des eigentlichen Metallherstellungsprozesses.

Quelle

Studie: Hongyan Xiao et al. „Brass technology transmission via maritime routes: crucible evidence from southern China“.

Zeitschrift: Antiquity, 2026.

Myroslav Tchaikovsky
schreibt über Archäologie bei SOCPORTAL.INFO

Unabhängiger Forscher, der sich für Archäologie und sakrale Geografie interessiert. Er erforscht diese Themen und schreibt über sie.

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