Unter einem Fußballplatz in Dänemark wurde ein Kloster aus dem 13. Jahrhundert entdeckt
- Startseite
- Wissenschaft
- Unter einem Fußballplatz in Dänemark wurde ein Kloster aus dem 13. Jahrhundert entdeckt


Unter einem gewöhnlichen Fußballfeld im dänischen Roskilde verbarg sich fast ein ganzer mittelalterlicher Klosterkomplex. Mithilfe von Georadar konnten Archäologen etwa einen Meter unter der Erde Mauern, Räume, einen Innenhof und die Kirche des im 13. Jahrhundert gegründeten Klosters St. Klara erkennen. Den Fachleuten war zwar bekannt, dass sich das Kloster einst in dieser Gegend befand, doch man ging davon aus, dass es nach der Reformation fast vollständig abgerissen worden war.
Im Stadtteil Byparken in Roskilde wurde eine unerwartete Entdeckung gemacht: Dort ist geplant, unter dem bestehenden Sportplatz eine Tiefgarage zu errichten.
Historische Quellen weisen darauf hin, dass sich hier im Mittelalter das Frauenkloster der Heiligen Klara befand. Daher beschlossen die Fachleute, das Gelände vor einem möglichen Bauvorhaben mit Hilfe eines Bodenradars zu untersuchen.
Diese Methode ermöglicht es, den Untergrund ohne Ausgrabungen zu untersuchen: Das Gerät sendet elektromagnetische Impulse aus, und die Unterschiede zwischen Erde, Mauerwerk und anderen Strukturen spiegeln sich in den erstellten Karten wider.
Das Ergebnis fiel weitaus besser aus, als die Archäologen erwartet hatten.
Details
Die Untersuchung ergab zahlreiche Überreste mittelalterlicher Bauwerke in etwa einem Meter Tiefe unter der heutigen Oberfläche.
Auf den Georadar-Karten ließen sich vier Klosterflügel erkennen, die im rechten Winkel zueinander angeordnet waren und den Innenhof umgaben.
Die Forscher konnten zudem einzelne Räume, Pfeilerfundamente, Elemente überdachter Galerien und weitere architektonische Strukturen erkennen.
Besonders gut erhalten ist laut den Experten der Ostflügel. Dort sind Spuren der Raumaufteilung sowie die Fundamente der Gewölbestützen erkennbar.
Im Südflügel identifizierten die Forscher die Klosterkirche.
Das Klosterstift St. Klara wurde 1256 in Roskilde gegründet.
Im Mittelalter war die Stadt eines der wichtigsten religiösen und politischen Zentren Dänemarks. Hier gab es gleich fünf Klöster, und der Einfluss der Kirche war eng mit der königlichen Macht verflochten.
Nach der Reformation im 16. Jahrhundert hörte das Klosterstift St. Klara auf zu existieren. Seine Gebäude wurden abgerissen, wobei historische Quellen berichten, dass etwa eine halbe Million Ziegelsteine für den Bau des Schlosses Selsø verkauft wurden.
Aufgrund des umfassenden Abbaus ging man lange Zeit davon aus, dass von dem Komplex praktisch nichts mehr übrig sei.
Nun hat das Bodenradar ein völlig anderes Bild ergeben.
Experten bezeichnen die Scanergebnisse als außerordentlich klar.
Normalerweise erfordern GPR-Daten eine komplexe Interpretation, und einzelne Bauwerke lassen sich oft nur schwer von natürlichen Bodenmerkmalen unterscheiden. In Roskilde waren die Umrisse einiger Bauwerke jedoch so deutlich, dass die Forscher sie bereits während der Arbeiten auf dem Fußballplatz erkennen konnten.
Nach Einschätzung der Experten handelt es sich hierbei um einige der schärfsten Georadarbilder eines mittelalterlichen Klosterkomplexes, die jemals in Skandinavien aufgenommen wurden.
Neben den vier Hauptflügeln deuten die Daten auf die mögliche Existenz weiterer Gebäude außerhalb des Klosterhofs hin.
Trotz der eindrucksvollen Bilder handelt es sich vorerst um eine geophysikalische Untersuchung und nicht um eine vollständige archäologische Ausgrabung des Komplexes.
Mithilfe des Georadars lässt sich die wahrscheinliche Lage von Mauern und anderen Bauwerken bestimmen; deren Zustand sowie die genaue Datierung einzelner Elemente müssen jedoch durch Ausgrabungen bestätigt werden.
Der nächste Schritt könnten Probegrabungen auf dem Gelände sein, auf dem der Bau eines Parkplatzes geplant ist.
Die weiteren Arbeiten hängen unter anderem von der Entscheidung der Stadtverwaltung von Roskilde ab.
Der Fund hat zu einer ungewöhnlichen Situation geführt.
Von den fünf bekannten mittelalterlichen Klöstern in Roskilde stehen bereits vier unter Denkmalschutz. Das Gelände des Klosters der Heiligen Klara hatte diesen Status bisher nicht – vor allem deshalb, weil man davon ausging, dass bedeutende Überreste des Komplexes längst verschwunden seien.
Nun hat sich herausgestellt, dass unter dem Fußballplatz möglicherweise ein beträchtlicher Teil der mittelalterlichen Architektur erhalten geblieben ist.
Die Archäologen möchten ermitteln, welche Bereiche am besten erhalten sind, und eine Lösung finden, die es ermöglicht, das Denkmal zu untersuchen und gleichzeitig die wertvollsten Bauwerke zu erhalten.
Warum dies wichtig ist
Der Fund bietet die seltene Gelegenheit, den Aufbau eines mittelalterlichen Frauenklosters praktisch ohne moderne bauliche Hindernisse zu erforschen.
Ein Großteil des historischen Roskilde ist längst bebaut, weshalb es für Archäologen schwierig ist, sich ein umfassendes Bild von den Klöstern zu machen, die einst das Stadtbild prägten.
Der Fußballplatz stellte eine Ausnahme dar: Das Gelände war praktisch keiner späteren umfangreichen Bebauung ausgesetzt.
Genau aus diesem Grund lassen sich auch rund 770 Jahre nach der Gründung des Klosters unter der Erde noch immer dessen Flügel, Räume, Innenhof und Kirche erkennen.
Quelle
Organisationen: ROMU, Nationalmuseum Dänemarks, Norwegisches Institut für Kulturerbeforschung (NIKU), 2026.
- Wissenschaftler haben herausgefunden, wie die ersten Seefahrer die Inseln des Pazifiks besiedelten
- Archäologen haben in Ostasien die ältesten Spuren der Messingherstellung entdeckt
- Archäologen sind der Aufklärung einer Massenhinrichtung vor 2.600 Jahren einen Schritt näher gekommen
- Archäologen haben herausgefunden, wer die alten Kanäle in Kolumbien tatsächlich erbaut hat
- In Rumänien wurden erstmals Knochenwerkzeuge der Neandertaler gefunden
Unabhängiger Forscher, der sich für Archäologie und sakrale Geografie interessiert. Er erforscht diese Themen und schreibt über sie.











