Jäger der Steinzeit besiedelten die Bergseen Norwegens mit Forellen
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Vor etwa siebentausend Jahren brachten Jäger und Sammler Forellen in die Bergseen im Süden Norwegens, wo diese Fischart zuvor nicht vorkam. Davon zeugen die Überreste komplexer Holzfallen, die am Grund des Tesse-Sees gefunden wurden.
Die Forellen konnten nicht aus eigener Kraft dorthin gelangen: Der Weg aus den tiefer gelegenen Gewässern war durch Stromschnellen und hohe Wasserfälle versperrt. Folglich mussten die Fische von Menschen herbeigebracht und dort ausgesetzt werden. Die Radiokarbondatierung ergab, dass die Fallen bereits um 5000 v. Chr. genutzt wurden.
Dieser Fund revidiert die gängige Vorstellung von Jägern und Sammlern als Menschen, die der Natur lediglich bereits vorhandene Ressourcen entnahmen. Schon viele Jahrhunderte vor der Verbreitung der Landwirtschaft in Norwegen veränderten sie bewusst Ökosysteme und schufen zuverlässigere Nahrungsquellen.
Details
Der See Tesse liegt in den Bergen Südnorwegens, unweit des Nationalparks Jotunheimen. Heute ist er als forellenreiches Gewässer bekannt. Nach dem Rückzug des Gletschers mussten der See und die damit verbundenen Oberläufe der Flüsse jedoch fischfrei geblieben sein.
Natürliche Hindernisse verhinderten, dass Fische aus den tiefer gelegenen Gewässern dorthin aufsteigen konnten. Ein besonders schwerwiegendes Hindernis stellten Wasserfälle dar: Die Forellen waren physisch nicht in der Lage, bestimmte Strömungsabschnitte zu überwinden.
Über hundert Jahre lang gingen Forscher davon aus, dass die Fische von Menschen in die Bergseen gebracht worden waren. Unbekannt blieb jedoch, wann dies geschehen war.
Die Antwort lieferten Holzkonstruktionen am Grund des Tesse-Sees. Diese wurden nach einem saisonalen Absinken des Wasserstands im Zusammenhang mit dem Betrieb eines Wasserkraftwerks entdeckt. Da die Überreste der Fischfallen normalerweise unter mehreren Metern Wasser verborgen sind, war das Holz gut erhalten.
Archäologen entdeckten mehrere Fischfangvorrichtungen. Jede bestand aus Dutzenden spitzer Pfähle, die fest in den Grund gerammt worden waren. Zwischen diesen wurden Äste oder anderes Material platziert, damit die Fische nicht durch die Absperrung schlüpfen konnten.
Eine lange Umzäunung leitete die Forellen in einen sich verengenden Durchgang, hinter dem sich die Fangkammer befand. Die dort gelandeten Fische konnten mit einem Netz gefangen werden, entweder vom seichten Ufer aus oder von einem kleinen Boot aus.
An einigen Pfählen sind Spuren der Bearbeitung mit einer Steinaxe erhalten geblieben. Holzgegenstände dieses Alters werden in Norwegen selten gefunden: An Land verrotten sie in der Regel schnell. Unter Wasser sind die Fallen so gut erhalten geblieben, dass einzelne Teile fast wie neu aussehen.
Die Radiokarbonanalyse ergab, dass die ältesten Elemente etwa auf das Jahr 5000 v. Chr. datiert werden können. Andere Proben deuten darauf hin, dass die Fallen in späteren Zeiträumen repariert und weiter genutzt wurden. Es handelte sich nicht um ein zufälliges Ereignis, sondern um eine lang andauernde und gut organisierte Fischerei.
Wie die Forelle in den See gelangte
Die Fallen selbst belegen, dass es vor etwa siebentausend Jahren in Tessa bereits Fische gab. Die Archäologen fanden jedoch weder Behälter, in denen diese transportiert wurden, noch andere direkte Spuren einer antiken Besatzmaßnahme.
Die Schlussfolgerung basiert auf einer Kombination verschiedener Daten. Die Wasserfälle schließen ein natürliches Vorkommen von Fischen aus, während die alten Fallen zeigen, dass es im See um 5.000 v. Chr. bereits eine ausreichend große Population gab, deren regelmäßiger Fang sinnvoll war.
Die wahrscheinlichste Art war die Bachforelle – Salmo trutta. Sie erreicht beachtliche Größen, ist reich an Nährstoffen und vermehrt sich in geeigneten Gewässern vergleichsweise leicht.
Die Menschen könnten lebende Fische oder Fischlaich aus den flussabwärts gelegenen Flüssen herangeschafft haben. Die genaue Vorgehensweise ist bislang unbekannt. Ebenso ist nicht geklärt, wie lange vor dem Bau der Reusen die Forelle in der Tessa vorkam. Daher ist das Jahr 5000 v. Chr. nicht das Datum der ersten Aussetzung von Fischen, sondern der späteste Zeitpunkt, zu dem sie sich mit Sicherheit bereits im See befand.
Von einer vollwertigen Fischzucht kann ebenfalls keine Rede sein. Es gibt keine Hinweise darauf, dass Jäger und Sammler die Fortpflanzung der Forellen kontrollierten oder Exemplare mit bestimmten Merkmalen auswählten. Sie besiedelten ein geeignetes Gewässer mit Fischen und nutzten anschließend die entstandene Population.
Warum dies wichtig ist
Die Untersuchung zeigt, dass die aktive Gestaltung der Natur bereits lange vor dem Aufkommen agrarischer Gesellschaften begann. Jäger und Sammler waren in der Lage, Jahre im Voraus zu planen und die Umwelt so zu verändern, dass die Nahrungsbeschaffung vorhersehbarer wurde.
Die Jagd auf Nordhirsche hing von der Jahreszeit, dem Wetter und dem Glück ab. Fischfallen sorgten für ein stabileres Ergebnis. Forellen konnten die Menschen während längerer Jagdaufenthalte in den Bergen versorgen.
Der Transport von Fisch erforderte zudem ein Verständnis seines Lebenszyklus. Die Menschen mussten wissen, in welchen Seen die Forelle überleben konnte, wo sie sich fortpflanzen würde und in welchem Teil des Gewässers die Fallen am besten aufgestellt werden sollten.
Die Autoren schlagen vor, dies als eine frühe Form der Nahrungsmittelproduktion zu betrachten. Die Menschen bauten noch keine Pflanzen an und züchteten noch keine Haustiere, schufen jedoch bereits eine neue Ressource, die es im lokalen Ökosystem zuvor nicht gegeben hatte.
Die Folgen dieser Entscheidung sind bis heute spürbar. Die heutigen Forellen im Tesse-See stammen aus einer Population, die durch diese alte Fischumsiedlung entstanden ist. Auch nach siebentausend Jahren ist der See nach wie vor ein beliebter Ort zum Angeln.
Hintergrund
Nach dem Ende der letzten Eiszeit begannen sich die Gletscher zurückzuziehen und hinterließen neue Seen und Flüsse. Die Menschen gelangten etwa nach 8000 v. Chr. in die bergigen Binnengebiete Südnorwegens.
Archäologen finden an diesen Orten Lagerplätze, Werkzeuge und Spuren einer groß angelegten Jagd auf Nordhirsche. Das Angeln ergänzte wahrscheinlich die jagdliche Lebensweise und ermöglichte es, länger fernab von festen Siedlungen zu verweilen.
Zuvor waren am Tesse-See bereits Steinwerkzeuge, Netzbeschwerer und Überreste von Siedlungen aus verschiedenen Epochen gefunden worden. Die hölzernen Fallen ermöglichten erstmals einen direkten Einblick in die Komplexität der lokalen Fischerei vor etwa siebentausend Jahren.
Der Fund erinnert zudem daran, dass die Trennung zwischen „Jäger-Sammlern“ und „Nahrungserzeugern“ nicht immer klar war. Die Menschen betrieben zwar keine Landwirtschaft, konnten jedoch gezielt nützliche Arten umsiedeln und Ökosysteme an ihre Bedürfnisse anpassen.
Quelle
Studie von Axel Mjærum, Ellen Fries, Trugve Hesthagen, Andreas Kirchhefer und ihrer Kollegen „The introduction of fish to the Scandinavian mountains by hunter-fisher-gatherers 5000 BC“wurde im Jahr 2026 in der Fachzeitschrift „Antiquity“ veröffentlicht.
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Unabhängiger Forscher, der sich für Archäologie und sakrale Geografie interessiert. Er erforscht diese Themen und schreibt über sie.













