Warum wir in der Serie schnell erkennen, wer wem feindlich gesinnt ist

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Feindschaften in Fernsehserien hinterlassen im Gehirn deutlichere Spuren als Freundschaften
20:00, 06.07.2026

Manchmal reichen schon ein paar Folgen aus, damit der Zuschauer bereits versteht: Diese beiden sind Verbündete, jene stehen im Wettbewerb miteinander, und zwischen ihnen herrscht eine verborgene Feindschaft. Eine neue Studie zeigt, dass das Gehirn tatsächlich eine innere „Karte“ der Beziehungen zwischen den Serienfiguren erstellen kann – und dass Konflikte auf dieser Karte besonders deutlich hervortreten.



Wissenschaftler der Universität Osaka baten Studierende, sich sechs Folgen der Serie „SUITS“ anzusehen, und untersuchten anschließend, wie das Gehirn auf die Gesichter der Hauptfiguren reagierte. Es stellte sich heraus, dass die Aktivitätsmuster des Gehirns nach dem Anschauen gerade die antagonistischen Beziehungen besser widerspiegelten: Rivalität, Spannung und Konfrontation.

Mit anderen Worten: Serien fesseln uns nicht nur durch ihre Handlung. Das Gehirn erstellt schnell ein soziales Beziehungsgeflecht: Wer steht mit wem in Verbindung, wer bedroht wen, wer könnte verraten und wer steht auf derselben Seite des Konflikts?

Details

An dem Experiment nahmen 21 Studierende teil. Vor und nach dem Anschauen der Serie wurden die Teilnehmer einer fMRT-Untersuchung unterzogen: Man zeigte ihnen die Gesichter der acht Hauptfiguren und beobachtete, wie sich die Muster der Gehirnaktivität veränderten.

Nach dem Anschauen bewerteten die Teilnehmer zudem die Beziehungen zwischen allen Charakterpaaren: inwieweit die Figuren miteinander verbunden sind und welchen Charakter diese Verbindung hat – freundschaftlich oder konfliktreich. Anschließend verglichen die Forscher diese Bewertungen mit den fMRT-Daten.

Für die Analyse wurde eine Methode verwendet, die es ermöglicht, nicht einzelne „aktive Punkte“ im Gehirn, sondern ganze Aktivitätsmuster miteinander zu vergleichen. Dies ist wichtig: Es geht nicht darum, dass die Wissenschaftler eine „Serienzone“ oder ein „Zentrum der Feindseligkeit“ entdeckt hätten, sondern darum, dass die Gehirnaktivität begann, die Struktur der Beziehungen zwischen den Figuren widerzuspiegeln.

Das auffälligste Ergebnis betraf Konflikte. Antagonistische Beziehungen zwischen den Figuren spiegelten sich am stärksten im linken vorderen supramarginalen Gyrus und im rechten medialen präfrontalen Kortex wider. Diese Bereiche werden mit sozialer Wahrnehmung, der Beurteilung anderer Menschen und dem Verständnis der Beziehungen zwischen ihnen in Verbindung gebracht.

Freundschaftliche oder verbündete Beziehungen zeigten in diesem Experiment hingegen nach denselben Kriterien keinen ebenso ausgeprägten Effekt. Das bedeutet nicht, dass das Gehirn Freundschaft „nicht wahrnimmt“. Vielmehr erwies sich im Kontext einer Dramaserie der Konflikt als stärkerer Anhaltspunkt für die Erstellung einer sozialen Karte.

Warum lassen sich Konflikte so gut erkennen

Eine Serie ist wie ein Beziehungsgeflecht aufgebaut. Wir verfolgen nicht nur einzelne Figuren, sondern auch, wie sie zueinander stehen: Wer hilft, wer behindert, wer konkurriert, wer manipuliert, wer eine Bedrohung darstellen könnte.

Ein Konflikt fungiert in einem solchen System als markante Kennzeichnung. Wenn zwei Figuren miteinander verfeindet sind, hilft dies dem Zuschauer, die Handlung schneller zu verstehen: Wo liegt die Spannung, woher könnte Gefahr drohen, warum verändert eine bestimmte Handlung das Kräfteverhältnis?

Auch im realen Leben ist dies von Bedeutung. Der Mensch muss nicht nur verstehen, „wer diese Person ist“, sondern auch, „in welcher Beziehung sie zu anderen steht“. Solche sozialen Landkarten helfen dabei, sich in Gruppen, Koalitionen, Statusverhältnissen und Konflikten zurechtzufinden. Studien zur sozialen Navigation haben Beziehungen bereits als einen Raum beschrieben, in dem Menschen Nähe, Macht, Zugehörigkeit und Distanz zwischen anderen Gruppenmitgliedern einschätzen.

Was bedeutet das in einfachen Worten?

Wenn wir eine Serie ansehen, merkt sich das Gehirn nicht einfach nur die Gesichter der Figuren. Es verknüpft sie miteinander.

Beispielsweise: Diese Figur vertraut jener, jene steht im Konflikt mit dem Vorgesetzten, dieses Paar ist verbündet, und diese Figur stellt eine Gefahr für eine andere dar. Nach und nach entsteht ein inneres Schema – fast wie eine Beziehungskarte.

Eine neue Studie zeigt, dass nach dem Anschauen einer Serie die konfliktreichen Verbindungen auf einer solchen Karte besonders auffällig sein können. Daher fällt es dem Zuschauer oft leichter, schnell zu erkennen, wer wessen Feind ist, als alle neutralen oder leicht freundschaftlichen Verbindungen im Detail nachzuvollziehen.

Warum dies wichtig ist

Diese Studie hilft zu erklären, warum Serien die Aufmerksamkeit so gut fesseln. Konflikt macht die Handlung nicht nur emotionaler. Er hilft dem Gehirn dabei, die soziale Welt der Geschichte zu strukturieren.

Für Drehbuchautoren ist dies in der Praxis offensichtlich: Der Zuschauer taucht schneller in die Handlung ein, wenn er versteht, wo die Spannungslinie verläuft. Die Neurowissenschaft zeigt jedoch, dass sich dies messbar in der Gehirnaktivität widerspiegeln kann.

Auch für die Psychologie ist dies von Bedeutung. Menschen erstellen ständig soziale Landkarten: in der Familie, am Arbeitsplatz, in der Politik, in den Medien und in fiktiven Welten. Wir bewerten nicht nur einzelne Personen, sondern auch die Beziehungen zwischen ihnen. Genau deshalb kann ein einziger Konflikt zwischen Figuren die Wahrnehmung der gesamten Handlung drastisch verändern.

In Zukunft könnten solche Untersuchungen auch für den technologischen Bereich von Nutzen sein. Zum Beispiel für Systeme der künstlichen Intelligenz, die Handlungen, Dialoge oder soziale Beziehungen zwischen Figuren analysieren. Bislang handelt es sich jedoch eher um Grundlagenforschung darüber, wie das Gehirn Beziehungen versteht, und nicht um eine ausgereifte Technologie.

Hintergrund

Früher untersuchten Studien zu sozialen Netzwerken im Gehirn häufig, wie nah sich Menschen stehen, wie viele Verbindungen sie haben oder welchen Platz sie in einer Gruppe einnehmen. Doch reale Beziehungen sind komplexer. Zwei Menschen können sich nahe stehen, aber miteinander konkurrieren. Sie können häufig miteinander interagieren, sich aber nicht vertrauen. Sie können durch einen Konflikt verbunden sein und nicht durch Freundschaft.

Genau deshalb ist die emotionale Komponente einer Beziehung von Bedeutung: Verbundenheit, Sympathie, Vertrauen, Spannung, Rivalität, Bedrohung. Eine neue Studie überprüft diese These anhand eines leicht nachvollziehbaren Beispiels – einer Fernsehserie, in der sich die sozialen Beziehungen zwischen den Figuren nach und nach entfalten, wie in einer realen Geschichte.

Einschränkungen

Die Stichprobe ist klein – 21 Teilnehmer –, was für fMRT-Studien zwar typisch ist, jedoch keine allzu weitreichenden Schlussfolgerungen zulässt.

Zudem sahen sich die Teilnehmer nur eine einzige Serie an und bewerteten eine begrenzte Anzahl von Figuren. Daher lassen sich die Ergebnisse nicht automatisch auf alle Serien, alle Genres und alle Zuschauer übertragen.

Ebenfalls wichtig: Die fMRT zeigt einen Zusammenhang zwischen Aktivitätsmustern und der Bewertung von Beziehungen auf, beweist jedoch keine einfache Kausalformel wie „ein Konflikt aktiviert eine bestimmte Hirnregion“. Das Gehirn arbeitet in Netzwerken, und soziales Verständnis ist ein komplexer Prozess.

Quelle

Studie: „Antagonism Shapes Social Maps in the Human Brain“, Communications Psychology, 2026.

Elena Rasenko

Elena Rasenko schreibt über Neuigkeiten aus Wissenschaft, gesunder Lebensweise und Psychologie und teilt ihre Tipps und Tricks zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

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