Wissenschaftler haben herausgefunden, warum Menschen mit einem seltenen visuellen Syndrom häufiger Illusionen sehen als andere

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Menschen mit visuellem Rauschsyndrom sehen eher imaginäre Gesichter in Objekten - Studie
Unsplash/CC0 Public Domain
22:00, 31.10.2025

Haben Sie jemals ein Gesicht in den Wolken, auf der Rinde eines Baumes oder auf der Vorderseite eines Autos gesehen?



Dieses Phänomen wird als Pareidolie bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine Illusion, bei der das Gehirn ein Gesicht erkennt, das in Wirklichkeit nicht existiert. Für die meisten Menschen ist dies ein harmloser Wahrnehmungseffekt.

Eine neue Studie, die in der Zeitschrift Perception veröffentlicht wurde, hat jedoch ergeben, dass Menschen mit visuellem Rauschsyndrom diese Illusionen viel häufiger und stärker haben als andere. Dies berichtet die Zeitschrift The Conversation.

Was ist das visuelle Rauschsyndrom?

Es handelt sich um eine seltene neurologische Störung, bei der die Betroffenen ständig flackernde Punkte oder "Rauschen" in ihrem Blickfeld sehen - so als ob der Fernsehbildschirm verstimmt wäre. Diese Sehstörungen verschwinden auch bei völliger Dunkelheit nicht.

Die Ursache des Syndroms ist nicht vollständig geklärt, aber es gibt Hinweise darauf, dass der visuelle Kortex überaktiv ist - der Teil des Gehirns, der visuelle Informationen verarbeitet. Aufgrund der erhöhten neuronalen Aktivität kommt es zu einem ständigen "visuellen Rauschen" in der Wahrnehmung.

Die damit verbundenen Symptome können Migräne, Lichtempfindlichkeit, Nachbilder und visuelle Spuren sein. All dies macht die Wahrnehmung der Welt anstrengender und ermüdender.

Der Verlauf des Experiments

Um herauszufinden, wie sich dies auf die Wahrnehmung auswirkt, führten die Forscher ein Online-Experiment mit mehr als 250 Personen durch. Die Teilnehmer füllten zunächst eine Umfrage aus, um festzustellen, ob sie Anzeichen des visuellen Rauschsyndroms aufwiesen. Anschließend bewerteten sie 320 Bilder von Alltagsgegenständen (z.B. Baumstämme, Teetassen, Gebäudefassaden) und gaben eine Punktzahl von 0 bis 100 an - wie deutlich ein Gesicht darauf zu sehen war.

Das Ergebnis war, dass 132 Personen Anzeichen des Syndroms aufwiesen, während 104 zu einer altersgleichen Kontrollgruppe gehörten. Die Forscher erfassten auch das Vorhandensein von Migräne, um die Auswirkungen der Kombination von Faktoren zu analysieren.

Was die Ergebnisse zeigten

Teilnehmer mit visuellem Rauschsyndrom sahen signifikant häufiger und häufiger Gesichter, wo keine waren, als Teilnehmer ohne dieses Syndrom. Der Effekt war besonders ausgeprägt bei denjenigen, die sowohl unter visuellem Rauschen als auch unter Migräne litten.

Obwohl sich beide Gruppen im Allgemeinen einig waren, welche Bilder am ehesten Gesichtern ähnelten, waren die Werte in der Gruppe mit dem Syndrom signifikant höher. Dies deutet darauf hin, dass ihre Illusionen ausgeprägter waren.

Die Wissenschaftler erklären dies damit, dass das Gehirn beim Syndrom des visuellen Rauschens eher falsche "Vermutungen" produziert und die Rückkontrolle solcher Signale schlechter funktioniert - so dass selbst zufällige Muster sinnvoll erscheinen können.

Warum Migräne den Effekt verstärkt

Das visuelle Rauschsyndrom tritt häufig in Kombination mit Migräne auf, und beide Probleme hängen mit einer neuronalen Überempfindlichkeit gegenüber visuellen Reizen zusammen. Wenn sich die beiden Probleme überschneiden, wird die Empfindlichkeit des Gehirns für Täuschungsbilder noch größer.

Diese Eigenschaft kann bei der Diagnose helfen: Ein einfacher Pareidolie-Test kann ein Hilfsmittel sein, um das Syndrom zu erkennen, insbesondere bei Kindern oder Menschen, die Schwierigkeiten haben, ihre Empfindungen zu beschreiben.

Warum das wichtig ist

Pareidolie ist keine Störung, sondern ein Ausdruck der Art und Weise, wie wir evolutionär darauf trainiert sind, Gesichter zu erkennen. Bei Menschen mit dem visuellen Rauschsyndrom ist dieser Mechanismus jedoch überentwickelt - das Gehirn sieht buchstäblich überall Gesichter.

Die Studie zeigt, dass die Wahrnehmung nicht nur ein "Spiegel der Realität" ist, sondern eine komplexe Interpretation von Signalen durch das Gehirn. Menschen mit visuellem Rauschsyndrom denken sich nicht aus, was sie sehen - ihre Neuronen verarbeiten visuelle Informationen tatsächlich anders.

"Wenn wir verstehen, warum manche Menschen zu viel sehen, werden wir auch besser verstehen, wie unser Sehen im Allgemeinen funktioniert", betont Studienautorin Jessica Taubert.

Elena Rasenko

Elena Rasenko schreibt über Neuigkeiten aus Wissenschaft, gesunder Lebensweise und Psychologie und teilt ihre Tipps und Tricks zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

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