Grüne Steine aus alten Gräbern in Panama entpuppen sich als Smaragde aus Kolumbien
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Vor mehr als tausend Jahren wurden Vertreter der antiken Elite auf dem Territorium Panamas zusammen mit ungewöhnlichen durchscheinenden grünen Steinen begraben. Lange Zeit vermuteten Archäologen, dass es sich dabei um Smaragde handeln könnte, aber eine genaue wissenschaftliche Bestätigung gab es nicht.
Jetzt haben Forscher zum ersten Mal solche Funde mit modernen zerstörungsfreien Methoden untersucht und bestätigt: die Steine waren tatsächlich Smaragde. Mehr noch, ihre chemischen Signaturen deuten auf eine kolumbianische Herkunft hin. Die Arbeit wurde in der Zeitschrift Latin American Antiquity veröffentlicht.
Dies ist nicht nur für die Geschichte der Edelsteine von Bedeutung. Der Fund zeigt, dass die Gesellschaften in Mittel- und dem nördlichen Südamerika bereits im achten und zehnten Jahrhundert nach Christus durch komplexe Austauschbeziehungen verbunden waren. Die Smaragde wurden wahrscheinlich nicht direkt vom Abbauort zur panamaischen Elite transportiert, sondern durchliefen mehrere Gemeinschaften.
Details
Die Wissenschaftler untersuchten grüne Steine, die an zwei archäologischen Stätten an der Pazifikküste Panamas, El Caño und Sitio Conte, gefunden wurden. Diese Stätten gehören zur Region Gran Coquelé und sind bekannt für reiche Elitebestattungen aus der Zeit zwischen 800 und 1000 nach Christus.
In diesen Gräbern wurden Tausende von Gegenständen gefunden: Goldgegenstände, Pyritspiegel, Anhänger, Figuren, uralte Megalodon-Zähne und andere Gegenstände, die mit Status und Ritualen verbunden waren. Darunter waren auch grüne Steine, von denen einige in Schmuck oder Figuren eingebettet waren.
Für die Analyse verwendeten die Forscher Methoden, die die Proben nicht zerstören: optische Mikroskopie, tragbare Röntgenfluoreszenz, UV-Vis-NIR-Spektroskopie, FTIR und Photolumineszenz. Diese Methoden ermöglichen es, die Zusammensetzung des Minerals zu bestimmen und seine Eigenschaften mit bekannten Quellen zu vergleichen.
Die Ergebnisse zeigen, dass es sich bei den untersuchten Steinen um Smaragde handelt. Ihre geochemischen Eigenschaften deuten auf eine Herkunft aus Kolumbien hin - wahrscheinlich aus Gebieten, die mit bekannten Smaragdgürteln verbunden sind, darunter die Regionen Muso und Chivor.
Die Autoren verglichen die panamaischen Proben auch mit anderen Smaragden aus der Region und kamen zu dem Schluss, dass einige der Steine bereits bearbeitet oder teilweise bearbeitet in Panama angekommen sein könnten. Andere, den Bearbeitungsspuren nach zu urteilen, könnten von lokalen Handwerkern gebohrt und bearbeitet worden sein.
Dies war keine leichte Aufgabe. Smaragd ist ein spröder Kristall, der beim Bohren leicht bricht. Einige Exemplare zeigen Spuren von erfolglosen Bearbeitungsversuchen. Aber selbst beschädigte Steine wurden noch verwendet und in Gräbern platziert, was für ihren hohen Wert spricht.
Nach Ansicht der Forscher waren Smaragde möglicherweise mehr als nur Schmuck. In den Kokle-Gesellschaften hatten sie wahrscheinlich eine symbolische und politische Bedeutung: solche Objekte konnten den Status unterstreichen, am Austausch von Geschenken teilnehmen, Bündnisse festigen oder als prestigeträchtige Opfergaben dienen.
Warum das wichtig ist
Die Studie ist die erste, die wissenschaftlich bestätigt, dass es sich bei den grünen Steinen aus präkolumbianischen Gräbern in Panama um Smaragde und nicht um oberflächlich ähnliche Mineralien handelt. Dies gibt Aufschluss über die Elitekultur in der Region Cocle und darüber, welche Objekte als besonders wertvoll angesehen wurden.
Noch wichtiger ist die Geographie des Fundes. Wenn die Smaragde tatsächlich aus Kolumbien stammen, bedeutet dies, dass sie Hunderte von Kilometern bis nach Panama gereist sind. Dies deutet auf starke interregionale Verbindungen zwischen den Gesellschaften der ostkolumbianischen Region hin, einem Gebiet, das Teile des heutigen Mittelamerikas und des nordwestlichen Südamerikas umfasste.
Dabei handelt es sich nicht unbedingt um Handel im modernen Sinne. Die Autoren sind vorsichtig, wenn es um Tauschnetzwerke geht: Objekte könnten zwischen Küsten- und Flussgemeinschaften den Besitzer gewechselt haben und allmählich nach Norden gewandert sein.
Hintergrund
El Caño und Sitio Conte sind seit langem als wichtige Zentren der alten Elite Panamas bekannt. In ihren Gräbern haben Archäologen aufwändige Schmuckstücke und rituelle Objekte gefunden, die ein hohes Maß an Handwerkskunst und sozialer Schichtung erkennen lassen.
Die grünen Steine aus diesen Komplexen wurden früher hauptsächlich wegen ihres Aussehens als Smaragde bezeichnet. Aber ohne chemische und spektroskopische Analysen blieb dies eine Vermutung. Die neue Arbeit schließt diese Lücke: Die Forscher haben die mineralogische Natur der Steine bestätigt und sie mit kolumbianischen Quellen in Verbindung gebracht.
Sie trägt auch zu einem umfassenderen Bild des antiken Austauschs in der Region bei. Es waren nicht nur lokale Objekte, die nach Panama gelangten, sondern auch prestigeträchtige Materialien aus anderen Gebieten. Etwa ab dem elften Jahrhundert verschwinden solche importierten Prestigeobjekte, darunter Smaragde und Pyritspiegel, aus Zentralpanama. Dies könnte auf Veränderungen des politischen Einflusses der lokalen Eliten und der Tauschnetzwerke selbst zurückzuführen sein, obwohl diese Schlussfolgerung weitere Untersuchungen erfordert.
Quelle
Forschung: Carlos Mayo Torné, Julia Mayo Torné, Alexa Hancock, Alfredo Campos, Eleicer Ching, Hanna Fenández, Hector Miranda, "Evidence of Emerald Long-Distance Exchange in the Isthmo-Colombian Area", Latin American Antiquity, 2026.
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Unabhängiger Forscher, der sich für Archäologie und sakrale Geografie interessiert. Er erforscht diese Themen und schreibt über sie.













