Wissenschaftler haben in 16.000 Jahre alten Höhlenmalereien eine verborgene Ordnung entdeckt

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Archäologen haben ein Muster in den Felsmalereien der Steinzeit entdeckt
Ein Fragment einer Wandmalerei aus der Höhle von Lumentxa (Lekeitio, Baskenland) mit zwei nach links blickenden Bisonabbildungen und einem nach rechts blickenden Pferdekopf. Diese Komposition veranschaulicht die Unterschiede hinsichtlich der bevorzugten Darstellungsrichtung dieser Tiere in der Höhlenkunst der Magdalénien-Kultur. Quelle: Journal of Archaeological Method and Theory (2026). DOI: 10.1007/s10816-026-09796-y.
23:00, 22.07.2026

Die am Ende der letzten Eiszeit entstandenen Höhlenmalereien erwiesen sich als weitaus strukturierter, als bisher angenommen. Ein internationales Forscherteam hat herausgefunden, dass die Tierdarstellungen in den Höhlen des Baskenlandes festen kompositorischen Mustern folgen: Einige Tierarten nehmen eine zentrale Stellung ein, andere sind um sie herum angeordnet, und auch die Richtung, in die die Tiere „blicken“, ist nicht zufällig.



Die Autoren der Studie betonen, dass es ihnen bislang nicht gelungen ist, die Bedeutung dieses Systems zu entschlüsseln. Die statistische Analyse hat jedoch erstmals überzeugend gezeigt: Die paläolithische Kunst stellte keine chaotische Ansammlung von Zeichnungen dar, sondern eine sorgfältig strukturierte visuelle Komposition.

Details

Die Studie wurde vom Archäologen Iñaki Inchaurbe von der Universität des Baskenlandes (EHU) durchgeführt. Er analysierte rund 500 Darstellungen, die vor 16.000 bis 14.000 Jahren in neun Höhlen im Norden Spaniens entstanden sind.

Dazu setzte der Wissenschaftler Methoden der Netzwerkanalyse und der mehrdimensionalen Statistik ein. Dieser Ansatz ermöglichte es, die Zeichnungen nicht nur zu beschreiben, sondern quantitativ zu überprüfen, ob zwischen ihnen beständige Zusammenhänge bestehen.

Die Ergebnisse zeigten, dass in den Kompositionen meist Bisons, Pferde und Ziegen den zentralen Platz einnehmen, während die übrigen Tiere um sie herum angeordnet sind und bestimmte kompositorische Rollen einnehmen.

Nicht weniger interessant erwies sich die Ausrichtung der Figuren. In den meisten Fällen sind die Bisons nach links gedreht dargestellt, während die Pferde nach rechts blicken. Nur in vereinzelten Kompositionen findet sich die umgekehrte Anordnung, die zudem ebenfalls einem übergeordneten System folgt.

Nach Aussage des Autors der Studie würden sich solche Regelmäßigkeiten nicht so konsequent in mehreren Höhlen gleichzeitig wiederholen, wenn die Darstellungen zufällig entstanden wären.

Nicht die Sprache, sondern die Struktur

Die Forscher behaupten nicht, dass es ihnen gelungen sei, die „Botschaft“ der alten Künstler zu entschlüsseln.

Die gewonnenen Daten belegen lediglich die Existenz einer eigenartigen visuellen Grammatik – Regeln für die Anordnung von Darstellungen, die an die Syntax einer Sprache erinnern. So wie Wörter in einem Satz nach bestimmten Gesetzen angeordnet sind, so nahmen wahrscheinlich auch die Tierfiguren streng festgelegte Positionen in der Komposition ein.

Was genau diese Regeln für die Menschen des späten Paläolithikums bedeuteten, ist den Wissenschaftlern bislang nicht bekannt.

Die Arbeit ermöglichte es zudem, eine alte Hypothese zu überprüfen. Bereits Mitte des 20. Jahrhunderts vermuteten einige Forscher, dass die meisten Tiere nach links gedreht dargestellt wurden, weil die Künstler überwiegend Rechtshänder waren. Die neue Studie zeigt jedoch, dass diese These das beobachtete Bild nicht erklärt: Pferde sind im Gegenteil statistisch gesehen häufiger nach rechts ausgerichtet.

Warum dies wichtig ist

Die Studie zeigt, dass die Kunst des späten Paläolithikums wesentlich komplexer war als die bloße Darstellung von Tieren an Höhlenwänden.

Die neue Methodik ermöglicht es, mithilfe moderner mathematischer Verfahren nach verborgenen Gesetzmäßigkeiten in alten Symbolsystemen zu suchen. In Zukunft könnte dieser Ansatz nicht nur zur Erforschung der Felskunst, sondern auch zur Analyse alter Schriftsysteme und anderer bislang nicht entschlüsselter Zeichensysteme genutzt werden.

Dabei betonen die Autoren, dass ihre Arbeit die Bedeutung der Zeichnungen nicht erklärt. Sie zeigt lediglich, dass sich hinter ihnen ein durchdachtes Ordnungssystem verbarg, das für die Menschen, die vor etwa 16.000 Jahren lebten, von Bedeutung war.

Quelle

Die Studie wurde im Journal of Archaeological Method and Theory veröffentlicht.

Titel: Mapping the Symbolic Structure of Palaeolithic Rock Art Using Co-occurrence Network Analysis.

Myroslav Tchaikovsky
schreibt über Archäologie bei SOCPORTAL.INFO

Unabhängiger Forscher, der sich für Archäologie und sakrale Geografie interessiert. Er erforscht diese Themen und schreibt über sie.

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