In einer 2000 Jahre alten Felsmalerei in China wurde menschliches Blut entdeckt

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Wissenschaftler haben das Geheimnis der Erhaltung alter Zeichnungen in China gelüftet
Beispiele für Darstellungen im Zusammenhang mit der Fortpflanzung in der Felsmalerei von Huashan. a: Darstellung von Männern mit besonders hervorgehobenen Geschlechtsorganen. b: Darstellung des Geschlechtsakts zwischen einem Mann und einer Frau. c: Darstellung schwangerer Frauen.
20:00, 18.08.2026

Wissenschaftler haben menschliche Proteine in der Bindeschicht der alten Felsmalereien von Huashan im Süden Chinas entdeckt. Die roten Darstellungen sind trotz sintflutartiger Monsunregenfälle, Hitze und Taifune seit mehr als 2.000 Jahren auf den freiliegenden Felsen erhalten geblieben. Eine neue Analyse hat ergeben, dass die alten Künstler möglicherweise eine ungewöhnliche Mischung aus Kalk und Blut verwendet haben, die als äußerst widerstandsfähiges mineralisches Bindemittel wirkte.



Der Felsmalerei-Komplex Huashan befindet sich in Guangxi im Süden Chinas, unweit der Grenze zu Vietnam. Auf den Felsen entlang der Flüsse sind Tausende rote Darstellungen von Menschen, Booten, Waffen, Tieren und Musikinstrumenten erhalten geblieben.

Viele dieser Zeichnungen sind über 2000 Jahre alt.

Ihr Erhaltungszustand warf schon lange Fragen auf. Die Region zeichnet sich durch ein für Felsmalereien ungünstiges Klima aus: heiße Sommer, hohe Luftfeuchtigkeit, starke Monsunregenfälle und häufige Taifune.

Dennoch ist ein Großteil der roten Figuren auch nach Jahrtausenden noch gut erkennbar.

Die Forscher beschlossen, herauszufinden, wie es den alten Künstlern gelang, eine solche Beständigkeit zu erreichen.

Details

Um das Denkmal nicht zu beeinträchtigen, kratzten die Wissenschaftler die Farbe nicht direkt von den Felsen ab.

Stattdessen sammelten sie bereits abgeplatzte Gesteinsfragmente am Fuße der drei Felsen mit Felsmalereien ein.

Anschließend untersuchten sie die Proben mittels Elektronenmikroskopie und verschiedener Spektroskopieverfahren, mit denen sich die Struktur und die chemische Zusammensetzung kleinster Schichten bestimmen lassen.

Unabhängig davon suchten die Wissenschaftler nach Resten alter organischer Substanzen.

Und genau hier machte sich der völlig unerwartete Fund bemerkbar.

Die rote Farbe der Zeichnungen wurde durch lokalen Ton verliehen, der mikroskopisch kleine Partikel von Eisenoxid – Hämatit – enthielt.

Das Pigment war jedoch nicht lediglich durch Wasser oder Ton mit der Felsoberfläche verbunden.

Die Forscher entdeckten eine künstlich hergestellte Kalkschicht, in deren Zusammensetzung Blutproteine, darunter auch menschliche, erhalten geblieben waren.

Nach der Rekonstruktion der Autoren könnten die antiken Handwerker Kalk mit Blut vermischt, die so entstandene Masse auf den Stein aufgetragen und anschließend rotes Mineralpigment hinzugefügt haben.

Dadurch entstand ein komplexes organisch-mineralisches Material.

Das Rätsel liegt nicht nur in der bloßen Anwesenheit von Blut.

Die Forscher gehen davon aus, dass deren Proteine an chemischen Prozessen beteiligt gewesen sein könnten, die die Farbschicht deutlich widerstandsfähiger machten.

Bei der Reaktion mit Kalk bildete sich um die Pigmentpartikel herum Kalziumkarbonat. Eine solche Mineralisierung könnte die Partikel der roten Farbe buchstäblich in der festen Schicht „einschließen“ und sie gleichzeitig mit dem Gestein verbinden.

Im Grunde genommen konnten die alten Künstler eine Art natürlichen Verbundwerkstoff schaffen, der organische Substanzen und Mineralien vereinte.

Genau dieser Mechanismus könnte nach Ansicht der Autoren teilweise erklären, warum die Zeichnungen mehr als zweitausend Jahre überdauert haben.

Die Untersuchung beweist jedoch nicht, dass Blut der einzige Grund für ihre Erhaltung war.

Die Analyse deutet darauf hin, dass die alten Künstler Blut unterschiedlicher Herkunft verwendet haben könnten.

Die Forscher fanden Spuren sowohl von tierischem als auch von menschlichem biologischem Material.

Daher ist es falsch zu behaupten, dass alle Felsmalereien von Huashan ausschließlich unter Verwendung von menschlichem Blut entstanden seien.

Zudem untersuchten die Wissenschaftler Proben nur aus einigen wenigen Bereichen des riesigen Komplexes, weshalb die Ergebnisse nicht automatisch auf jedes einzelne Bild von Huashan übertragen werden können.

Dennoch macht das Vorhandensein menschlicher Proteine diesen Fund besonders ungewöhnlich.

Die Autoren stellten eine noch ungewöhnlichere Hypothese auf.

Unter den identifizierten Proteinen richteten sie ihr Augenmerk auf Verbindungen, die nach einer Geburt im Körper von Frauen vorkommen können. Die Forscher vermuteten, dass die Verwendung solchen Blutes eine symbolische Bedeutung gehabt haben und mit Vorstellungen von Fruchtbarkeit, Leben und Erneuerung in Verbindung stehen könnte.

Dieser Teil der Arbeit bleibt jedoch eine Hypothese.

Den Wissenschaftlern gelang es nicht, alte DNA zu gewinnen, die eine zuverlässigere Bestimmung der Herkunft des biologischen Materials ermöglicht hätte. Zudem kommen die gefundenen Proteine nicht nur nach der Geburt im Körper vor.

Daher lässt sich bislang nicht mit Sicherheit behaupten, dass die antiken Darstellungen tatsächlich unter Verwendung des Blutes gebärender Frauen entstanden sind.

Die Errichtung des gigantischen Huashan-Komplexes galt schon früher als äußerst aufwendiges Unterfangen.

Die Handwerker mussten auf hohen, steilen Felsen arbeiten, Materialien dorthin hinaufbringen und unter schwierigen Bedingungen großformatige Kompositionen anbringen.

Eine neue Studie zeigt, dass die Schwierigkeit möglicherweise auch in der Technologie der Farbherstellung selbst lag.

Die antiken Künstler haben wahrscheinlich nicht einfach nur roten Ton zermahlen und auf den Stein aufgetragen. Sie verwendeten eine mehrkomponentige Mischung, in der Kalk, organische Stoffe und mineralische Pigmente miteinander wirkten.

Ein solcher Ansatz erforderte das Verständnis dafür, welche Mischungen gut auf dem Fels haften und den Umwelteinflüssen standhalten.

Warum dies wichtig ist

Der Fund ermöglicht es, die antike Felsmalerei von Huashan nicht nur als künstlerisches oder rituelles Denkmal zu betrachten, sondern auch als Ergebnis einer komplexen Technik.

Sollte sich der vorgeschlagene Mechanismus durch weitere Untersuchungen bestätigen, könnte das Blut eine doppelte Funktion erfüllt haben: Es war Teil eines symbolischen Rituals und trug gleichzeitig zur Festigung der Farbschicht bei.

Dies zeigt auch, dass einige alte Technologien zur Materialkonservierung wesentlich komplexer gewesen sein könnten, als es die äußerlich einfachen roten Darstellungen auf dem Felsen vermuten lassen.

Und diese ungewöhnliche Mischung könnte einer der Gründe dafür sein, dass die Figuren Tausende von Jahren voller Monsunregen, Hitze und Taifune überstanden haben.

Quelle

Studie: Meng Wu et al. „Blood-induced biomineralized calcium carbonate used for binding in the Huashan rock art of Guangxi, Southern China“.

Zeitschrift: Journal of Archaeological Science, 2026.

Myroslav Tchaikovsky
schreibt über Archäologie bei SOCPORTAL.INFO

Unabhängiger Forscher, der sich für Archäologie und sakrale Geografie interessiert. Er erforscht diese Themen und schreibt über sie.

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