Wissenschaftler haben den Mythos in Frage gestellt, dass Testosteron Menschen dazu bringt, Risiken einzugehen

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Mythos "Risikohormon" in großer Analyse nicht bestätigt
20:00, 13.05.2026

Die weit verbreitete Vorstellung, dass Testosteron die Risikobereitschaft erhöht, ist möglicherweise zu einfach. Eine neue Meta-Analyse hat gezeigt, dass Wissenschaftler keinen zuverlässigen Zusammenhang zwischen dem Spiegel dieses Hormons und der Neigung zu riskanten Entscheidungen gefunden haben.



Forscher glauben, dass Risikoverhalten nicht durch ein einziges Hormon erklärt werden kann. Es wird von der Situation, der persönlichen Erfahrung, dem sozialen Umfeld, den Emotionen, der Erziehung und der spezifischen Art des Risikos beeinflusst.

Details

Testosteron wird oft als "Risikohormon" bezeichnet und mit Aggression, Mut, Impulsivität und der Bereitschaft, gefährliche Entscheidungen zu treffen, in Verbindung gebracht. Besonders häufig wird es mit Unterschieden zwischen Männern und Frauen in Verbindung gebracht: Männer haben im Durchschnitt einen höheren Testosteronspiegel und sind in manchen Situationen tatsächlich eher bereit, ein Risiko einzugehen.

Eine neue Studie stellt jedoch das einfache Muster "mehr Testosteron, mehr Risiko" in Frage.

Die Autoren haben eine Meta-Analyse von 52 Studien mit insgesamt 17.340 Männern durchgeführt. In diesen Studien wurde Testosteron auf verschiedene Weise gemessen: durch Blut, Speichel, Verabreichung des Hormons sowie durch indirekte Messungen wie das Verhältnis der Fingerlänge, das manchmal als Marker für die pränatale Hormonbelastung verwendet wird.

Auch die Risikobereitschaft wurde mit verschiedenen Methoden bewertet: durch Glücksspiele, Lotteriespiele, Verhaltenstests und Persönlichkeitsfragebögen.

Am Ende fanden die Forscher keinen konsistenten Zusammenhang zwischen Testosteron und Risikobereitschaft. Ein kleiner Effekt zeigte sich nur bei bestimmten Aufgabentypen, wie z.B. bei Lotteriespielen, aber das Gesamtbild stützt nicht die Idee, dass das Hormon direkt die Risikobereitschaft einer Person bestimmt.

Warum es wichtig ist

Die Arbeit zeigt, dass gängige Erklärungen des menschlichen Verhaltens durch einen einzigen biologischen Faktor oft zu einfach sind.

Das Eingehen von Risiken ist nicht in allen Situationen gleich. Ein Risiko mit Geld einzugehen, zu schnell zu handeln, ein neues Unternehmen zu gründen, sich auf einen Konflikt einzulassen oder eine gefährliche politische Entscheidung zu treffen, sind unterschiedliche Verhaltensweisen. Sie können von unterschiedlichen Motivationen und Kontexten abhängen.

Die Forschung ist auch wichtig, um über Geschlechterstereotypen zu sprechen. Wenn Männer in bestimmten Situationen eher Risiken eingehen, kann dies nicht automatisch allein durch Testosteron erklärt werden. Das Verhalten kann durch gesellschaftliche Erwartungen, Erziehung, Männlichkeitsnormen, Erfahrung, sozialen Druck und ein bestimmtes Umfeld beeinflusst werden.

Die Schlussfolgerung bedeutet jedoch nicht, dass Testosteron das Verhalten überhaupt nicht beeinflusst. Es geht vielmehr darum, dass eine umfassende Analyse seine Rolle als zuverlässige und universelle Erklärung für die Risikobereitschaft nicht bestätigt hat.

Hintergrund

Testosteron ist das wichtigste männliche Sexualhormon, aber auch Frauen haben es. Es ist an der Entwicklung des Sexualsystems, der Erhaltung der Muskelmasse, der Knochendichte, des Energieniveaus und anderer physiologischer Prozesse beteiligt.

Das Interesse an der Beziehung zwischen Testosteron und Risiko ist entstanden, weil das Hormon in der Tat mit einer Reihe von biologischen und Verhaltensprozessen verbunden ist. Die Erkenntnisse aus verschiedenen Studien waren jedoch lange Zeit widersprüchlich, wobei einige Studien einen Zusammenhang mit der Risikobereitschaft aufzeigten, andere nicht, und wieder andere kamen zu gegenteiligen Ergebnissen.

Eine neue Meta-Analyse hat versucht, dieses Bild zusammenzufügen. Die wichtigste Schlussfolgerung: Risikoverhalten wird besser durch ein biopsychosoziales Modell betrachtet, bei dem die Biologie nur ein Teil eines komplexeren Systems ist.

Quelle

Die Studie von Irene Sánchez Rodríguez et al No relationship between testosterone and risk aversion: A meta-analytic review veröffentlicht in Neuroscience & Biobehavioral Reviews in 2026. Die Autoren analysierten 52 Studien mit 17.340 Teilnehmern und fanden keinen zuverlässigen Zusammenhang zwischen dem Testosteronspiegel und der Risikoaversion.

Elena Rasenko

Elena Rasenko schreibt über Neuigkeiten aus Wissenschaft, gesunder Lebensweise und Psychologie und teilt ihre Tipps und Tricks zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie.