Warum leuchten die Schenkel dieses Frosches blaugrün?

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Bei einem australischen Frosch wurde eine versteckte „Waffe“ an den Hüften entdeckt
Farbwechsel über die gesamte Hautfläche an der Innenseite des Oberschenkels eines erwachsenen grün-goldenen Glockenfrosches (Ranoidea aurea). Quelle: Dr. John Gould.
20:00, 08.07.2026

Bei einem seltenen australischen Frosch wurde ein verborgener Farbtrick entdeckt: Die Innenseite seiner Oberschenkel kann einen blaugrünen Schimmer „aufblitzen“, wenn sich das Tier bewegt oder springt. Dabei handelt es sich weder um Zauberei noch um die Fähigkeit, die Farbe wie ein Chamäleon zu ändern. Die Farbe ändert sich für den Betrachter – je nach dem Winkel, in dem das Licht auf die Haut fällt.



Dieser Effekt wird als Irisierung bezeichnet: Die Oberfläche erscheint mal blau, mal grün, da mikroskopisch kleine Strukturen im Gewebe das Licht auf besondere Weise reflektieren. Bei Schmetterlingen, Käfern und Vögeln ist dies allgemein bekannt, bei Amphibien werden solche Fälle jedoch selten beschrieben.

Die neue Studie wurde in der Fachzeitschrift „Austral Ecology“ veröffentlicht.

Die Wissenschaftler untersuchten den grün-goldenen Glockenfrosch (Ranoidea aurea) – eine bekannte australische Art, die als gefährdet gilt. Die leuchtenden Hautpartien sind normalerweise verborgen, werden jedoch bei Bewegung sichtbar. Die Forscher vermuten, dass ein solcher plötzlicher Farbaufblitz dem Frosch helfen könnte, Raubtiere abzulenken oder zu verwirren.

Details

Auf den ersten Blick sieht dieser Frosch nicht besonders ungewöhnlich aus: grüner Rücken, goldene Flecken – ein typisches Amphibium aus den australischen Sümpfen und Gewässern. Doch das Interessanteste an ihm verbirgt sich nicht auf dem Rücken, sondern an der Innenseite der Oberschenkel.

Wenn der Frosch ruhig sitzt, sind diese Stellen fast nicht zu sehen. Springt er jedoch, dreht sich um oder versucht zu fliehen, kann ein Raubtier für einen kurzen Moment einen leuchtend blauen Fleck erblicken. Nun hat sich herausgestellt, dass dieser Fleck nicht einfach nur blau ist: Je nach Blickwinkel kann er schimmern und ins Grüne übergehen.

Für ein Raubtier kann ein solcher Lichtblitz wie eine visuelle Störung wirken. Gerade noch befand sich vor ihm ein Tier, das mit dem Gras und dem Wasser verschmolz – und plötzlich taucht beim Sprung eine leuchtende, ihre Farbe wechselnde Stelle auf. Dies kann die Aufmerksamkeit ablenken, die Präzision des Angriffs beeinträchtigen oder dem Frosch den Bruchteil einer Sekunde zur Flucht verschaffen.

Was genau haben die Wissenschaftler entdeckt?

Ein Team unter der Leitung des Biologen John Gould von der Universität Newcastle dokumentierte bei Ranoidea aurea eines der deutlichsten Beispiele für Irisierung, die jemals bei Amphibien beschrieben wurden. Auf den Fotos ist zu erkennen, dass die Haut an der Innenseite des Oberschenkels je nach Betrachtungswinkel ihren Farbton von Blau zu Grün wechselt.

Dies ist wichtig, da die leuchtend blaue Färbung bei Fröschen bislang meist mit der Lichtstreuung in der Haut erklärt wurde. Eine echte Irisierung erfordert jedoch in der Regel eine geordnete Mikrostruktur – ähnlich wie bei den Flügeln von Schmetterlingen oder den Panzern von Käfern.

Einfacher ausgedrückt: Die blaue Färbung dieses Frosches entsteht wahrscheinlich weder durch gewöhnliches Pigment noch durch zufälliges „trübes“ Gewebe. Sie könnte durch ein komplexes System reflektierender Plättchen in der Haut hervorgerufen werden, die wie eine natürliche Optik funktionieren.

Warum ist die blaue Farbe bei Tieren so ungewöhnlich?

Bei Tieren ist die blaue Farbe oft anders aufgebaut als Rot, Gelb oder Braun. In vielen Fällen entsteht sie nicht durch ein blaues Pigment, sondern durch die Oberflächenstruktur.

Mikroskopisch kleine Schichten, Plättchen oder Fasern reflektieren und streuen das Licht so, dass das Auge einen blauen, hellblauen, grünen oder schillernden Farbton wahrnimmt. Eine solche Farbe wird als strukturelle Farbe bezeichnet. Sie hängt nicht nur von der chemischen Zusammensetzung des Gewebes ab, sondern auch von dessen innerer Struktur.

Genau aus diesem Grund können die Federn einiger Vögel, die Flügel von Schmetterlingen oder die Panzer von Käfern metallisch wirken und bei Bewegung ihre Farbe ändern. Bei diesem australischen Frosch entdeckten Wissenschaftler ein ähnliches Phänomen – allerdings in der Haut des Amphibiums.

Wozu braucht der Frosch solche Oberschenkel?

Die wahrscheinlichste Erklärung ist der Schutz vor Raubtieren. In der Biologie wird dies als „Flash-Coloration“ oder „Blitzfärbung“ bezeichnet. Das Tier verbirgt seine leuchtende Farbe, solange es regungslos verharrt, und zeigt sie dann plötzlich, sobald es sich bewegt.

Diese Strategie kommt bei verschiedenen Tieren vor. Solange sie ruhig sind, sind sie schwer zu erkennen. Bei der Flucht senden sie jedoch ein auffälliges Signal aus, das den Raubtier ablenken kann. Wenn das Tier wieder erstarrt und der auffällige Bereich verborgen bleibt, fällt es dem Raubtier schwerer zu erkennen, wohin genau es verschwunden ist.

Bei der grün-goldenen Glockenfroschart galten die blauen Oberschenkel bereits zuvor als mögliches Warnsignal. Die neue Entdeckung fügt dem noch eine weitere Ebene hinzu: Wenn der Bereich nicht nur leuchtend ist, sondern zudem schimmert, kann er beim Springen besser wahrnehmbar sein.

Warum dies wichtig ist

Auf den ersten Blick ist dies ein kleines Detail: Nun ja, die Haut des Frosches schimmert. Für Biologen ist dies jedoch ein wichtiger Hinweis darauf, wie komplex die Färbung von Amphibien sein kann.

Frösche erscheinen farblich oft schlicht: grün, braun, gefleckt. Tatsächlich kann ihre Haut wie ein mehrschichtiges optisches System aufgebaut sein. Darin wirken Pigmentzellen, reflektierende Strukturen und die mikroskopische Architektur des Gewebes zusammen.

Diese Studie zeigt, dass selbst bei einer gut bekannten Art Dinge entdeckt werden können, die zuvor unbemerkt geblieben sind. Das bedeutet, dass auch andere Amphibien verborgene optische Effekte aufweisen könnten – sie wurden lediglich noch nicht aus dem richtigen Blickwinkel betrachtet.

Hintergrund

Ranoidea aurea, auch bekannt als grün-goldener Glockenfrosch, ist eine australische Art, die in Feuchtgebieten vorkommt. Weibchen können eine Größe von etwa 10 cm erreichen, Männchen sind in der Regel kleiner. Die Art ist für ihre leuchtend grüne Färbung mit goldenen Flecken bekannt, obwohl die Frösche im kalten oder inaktiven Zustand dunkler werden und sich besser in die Umgebung einfügen können.

Wie viele Amphibien ist auch diese Art anfällig für den Verlust ihres Lebensraums. In Australien werden zu ihrem Schutz spezielle Programme durchgeführt, darunter die Renaturierung und Schaffung von Gewässern, damit isolierte Froschpopulationen sich fortpflanzen und ihren Bestand aufrechterhalten können.

Daher ist die neue Studie nicht nur als schöne Geschichte über eine ungewöhnliche Färbung interessant. Je besser Wissenschaftler das Verhalten, das Aussehen und die Abwehrmechanismen seltener Arten verstehen, desto genauer lassen sich deren Ökologie und ihr Schutzbedarf einschätzen.

Quelle

Studie: John Gould, „Shifty Frogs: Evidence of Iridescence Among Amphibians“, Austral Ecology, 2026.

Mykola Potyka

Mykola Potyka verfügt über ein breites Spektrum an Kenntnissen und Fähigkeiten in verschiedenen Bereichen. Mykola schreibt auf interessante Weise über Dinge, die ihn interessieren.

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